Azul

© PlanB Games

Handwerk hat Gold und Boden. Für Spielautor Michael Kiesling und sein Fliesenleger-Spiel „Azul“ trifft das zweifelsohne zu. Denn das Spiel, das zur Messe in Essen schon ein Publikumsliebling war, ist zwischenzeitlich kaum noch zu bekommen gewesen. Den kanadischen Verlag PlanB Games und seinen deutschen Vertrieb Pegasus Spiele wird es freuen.

Wie funktioniert es?
In „Azul“ übernehmen die Spieler die Rolle von Fliesenlegern für den König von Portugal. Jeder Spieler muss eine Wand – sein Spielertableau – mit Fliesen versehen. Das Muster, in dem die Wand-Fliesen angebracht werden müssen, ist vorgegeben. Das Muster hat 25 Felder eingeteilt in fünf horizontale und fünf vertikale Reihen. Entsprechend gibt es links neben der Wand – fünf horizontale
Vorbereitungsreihen, in denen die Fliesen zunächst zurechtgelegt werden. In der obersten Reihe ist Platz für eine Fliese; in der untersten Reihe für fünf. Die Fliesen in fünf verschiedenen Farben befinden sich zunächst alle in einem Stoffbeutel. Aus ihm werden zufällig jeweils vier Fliesen auf mehrere Manufakturplättchen gelegt, die im Kreis in der Tischmitte ausgelegt sind. Abhängig von der Spieleranzahl sind dies fünf bis neun Manufakturplättchen. Ein Spieler muss alle Fliesen einer Farbe von einem Manufakturplättchen nehmen und in eine seiner Vorbereitungsreihen platzieren. In jeder Vorbereitungsreihe dürfen auch immer nur Fliesen einer Farbe liegen. Alle übrigen Fliesen auf dem eben gewählten Manufakturplättchen schiebt der Spieler in die offene Fläche zwischen den Manufakturplättchen. Anstatt von einem Manufakturplättchen können Spieler auch aus dieser Mitte Fliesen nehmen. Auch hier gilt, dass der Spieler alle Fliesen einer Farbe nehmen muss. Nimmt ein Spieler dabei mehr Fliesen, als in einer einzelnen Vorbereitungsreihe noch Platz ist, so muss er diese überzähligen Fliesen in eine Minuspunkteleiste legen, die sich im unteren Bereich des Spielertableaus befindet. In einem Zug genommene Fliesen können nicht auf zwei Vorbereitungsreihen verteilt werden. Wohl ist es aber möglich in einem späteren Zug angefangene Vorbereitungsreihen zu ergänzen oder eine andere Vorbereitungsreihe mit Fliesen einer Farbe zu füllen, die der Spieler schon in einer anderen Vorbereitungsreihe liegen hat. Befinden sich weder auf Manufakrutplättchen noch in der Tischmitte noch Fliesen, ist die erste Phase des Spiels beendet. Dann kommt die zweite Phase. Nun werden die Fliesen aus den Vorbereitungsreihen nach rechts auf die Wand geschoben und dafür gibt es Punkte. Dabei können nur aus komplett gefüllten Vorbereitungsreihen Fliesen auf die Wand geschoben werden. Und immer genau eine Fliese, auch wenn in der Vorbereitungsreihe fünf Fliesen einer Farbe liegen. Die übrigen Fliesen wandern zunächst zur Seite und kommen später wieder in den Beutel zurück. Ist eine Vorbereitungsreihe nicht komplett, dann wird von dort keine Fliese verschoben. Dort befindliche Fliesen bleiben einfach für die nächste Runde liegen. Für eine Fliese, die ein Spieler verschiebt, gibt es einen Punkt. Für jede weitere Fliese, die sich in einer ununterbrochenen Reihe (horizontal oder vertikal) mit der eben gelegte Fliese befindet, gibt es jeweils einen weiteren Punkt. Von den Pluspunkten werden die Minuspunkte aus dem unteren Bereich des Spielertableaus abgezogen. Die Fliesen aus dem Minuspunktebereich werden am Ende jeder Runde wieder entfernt. Die erreichten Punkte werden auf einer Krämerleiste im oberen Bereich des Spielertableaus festgehalten. Wenn alle Spieler ihre Punkte gezählt haben, werden auf die Manufakturplättchen wieder neue Fliesen verteilt. Das Spiel geht so lange bis der erste Spieler eine horizontale Reihe voll mit Fliesen hat. Dann gibt es eine Schlusswertung, bei der noch Punkte für komplett gefüllte horizontale und vertikale Reihen verteilt werden. Sollte ein Spieler fünf Steine einer Farbe an der Wand haben, wird dies auch belohnt. Dann wird geschaut, wer die meisten Punkte holen konnte.

Einschätzung
„Azul“ ist wirklich genial! Das Spiel sieht toll aus und fast sich unglaublich gut an. Optik und Haptik sind einfach klasse! Dazu kommt ein eingängiges Spielprinzip, das sich im Grunde jedem Spieler sehr schnell erschließt. Die Regeln sind auf das nötigste reduziert und auch das Spiel selbst macht keine Schnörkel dran, wo keine hingehören. Und dennoch ist „Azul“ so reizvoll, dass auch Vielspieler ihre Freude dran haben, weil es trotz seiner Schlichtheit intellektuell herausfordert. Wo verbaue ich mir eine Reihe? Wie kann ich möglichst viele Punkte holen? Welche Alternativen habe ich? Aber stets ist nicht nur das eigene Tableau im Blick zu behalten, sondern auch die Tableaus der Mitspieler. Welche Möglichkeiten haben sie? Welche Steine werden sie wohl nehmen? Welche Steine sollte ich deshalb zuerst auswählen und welche später? Entscheidungen über Entscheidungen und nicht immer trifft man die Richtige. Zudem werden die Möglichkeiten der Spieler, je weiter das Spiel voranschreitet immer mehr eingeschränkt. Bei all den Herausforderungen hält sich die Spieldauer aber so in Grenzen, dass man gleich noch eine Partie dranhängen kann und dies auch gerne tut. Für mich ist „Azul“ ein großer Favorit für das Spiel des Jahres 2018!

„Azul“
Autor: Michael Kiesling
Verlag: PlanB Games / Vertrieb: Pegasus Spiele
Für 2 – 4 Spieler
Ab 8 Jahren
Dauer: 45 Minuten
Preis: ca. 40 Euro

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