Century – Die Gewürzstraße

© Abacusspiele

Es gibt beliebte Filme, die bekommen wegen ihres großen Erfolgs dann noch Fortsetzungen, die oft vorher so nicht geplant waren. Es gibt aber auch Filme, die schon als Mehrteiler angelegt wurden, ohne zu wissen, wie sie beim Publikum ankommen werden. Manchmal ist natürlich ein gewisser Erfolg zu erahnen oder zu vermuten. Ähnliches gilt auch für Gesellschaftsspiele. Ein Beispiel dafür ist in diesem Jahr „Century – Die Gewürzstraße“ von Plan B-Games, das auf Deutsch bei Abacusspiele erschienen ist. Der erste Teil der Trilogie ist dieses Jahr rausgekommen. Teil zwei und drei sind für die kommenden beiden Jahre angekündigt.

Wie funktioniert es?
Bei „Century – Die Gewürzstraße“ übernehmen die Spieler die Rolle von Gewürzhändlern. Die Grundidee ist, dass die Spieler Gewürze gegen Punktekarten eintauschen. Zu Spielbeginn werden zwei Auslagen mit Kartenreihen vorbereitet. Die eine Reihe besteht aus sechs Handelskarten, die von einem verdeckten Nachziehstapel immer wieder aufgefüllt werden. Die zweite Reihe (darüber) besteht aus fünf Punktekarten. Auch hier gibt es einen verdeckten Nachziehstapel, von dem die Reihe immer wieder neu befüllt wird, sobald dort eine Karte weggenommen wird. Über die beiden ersten Punktekarten (die am weitesten vom Nachziehstapel entfernt sind) werden goldene und silberne Münzen gelegt. Jeweils doppelt so viele, wie Spieler teilnehmen. Jeder Spieler erhält zu Beginn eine Starthand mit zwei Handelskarten und eine Karawanenkarte. Dort ist Platz für insgesamt zehn Gewürze. Die Gewürze gibt es in Form von Holzklötzchen in vier Stufen und Farben. Sie werden nach Farben sortiert in Gewürzschalen gelegt, die das Spiel gleich mitliefert. Den geringsten Wert hat Kurkuma (gelb), dann Safran (rot), dann Kardamom (grün), zuletzt kommt das wertvollste Gewürz Zimt (braun). Jeder Spieler wird mit einem Startkapital an Gewürzen ausgestattet.

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Ist ein Spieler am Zug hat er die Wahl zwischen drei Aktionen. Er kann erstens genau eine Handelskarte ausspielen, um Gewürze zu bekommen oder zu tauschen. Er legt dann die entsprechenden Gewürze auf seine Karawanenkarte. Zweitens ist es möglich genau eine Handelskarte zu nehmen oder alternativ eine Punktekarte. Das geht dann, wenn der Spieler für die Punktekarte, die darauf geforderten Gewürze von seiner Karawanenkarte abgibt. Die erworbene Karte legt der Spieler verdeckt vor sich ab. Hat er die erste oder zweite Karte der Auslage genommen, erhält er dafür noch eine Gold oder Silbermünze, die ebenfalls Siegpunkte einbringen. Für Handelskarten muss der Spieler je nach Position der Karte in der Auslage auch Gewürze aufwenden. Der Spieler nimmt die gewählte Handelskarte auf die Hand und kann sie im nächsten Zug direkt einsetzen. Hat ein Spieler aus einer der beiden Auslagen eine Karte genommen, so wird die folgende Karte der entsprechenden Auslage in die entstandene Lücke geschoben. Das geschieht so lange, bis der Platz in der Auslage direkt neben dem zugehörigen Nachziehstapel leer ist. Von dort wird dann eine Karte aufgedeckt und in die Auslage neben die Nachziehstapel gelegt. Als dritte Aktion kann der Spieler auch alle seine bis dahin gespielten Karten wieder auf die Hand nehmen. Er macht dann eben nichts weiter in diesem Zug. Hat ein Spieler eine der drei Aktionen ausgeführt, ist der nächste Spieler an der Reihe. Das geht so lange, bis ein Spieler fünf Punktekarten vor sich liegen hat. Die angefangene Runde wird dann noch zu Ende gespielt. Nun wird geschaut, wer die meisten Punkte holen konnte. Dabei zählen die Punktekarten, Münzen und jedes Gewürz auf der Karawanenkarte bringt auch noch mal einen Punkt (außer Kurkuma).

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Einschätzung
Was bei „Century – Die Gewürzstraße“ sofort ins Auge fällt, ist die tolle Ausstattung. Die Karten sind großformatig und haben eine schöne Gestaltung. Dazu gibt es Münzen aus Metall und die Gewürze sind Holzwürfel, für die gleich noch kleine Schälchen mitgeliefert werden. Optisch also top. Das Spiel selbst beschränkt sich eigentlich auf eine Mechanik: Tauschen und damit Punkte machen. Aber das ist auch der Reiz: Wie kann ich das optimal für mich nutzen? Welche Handelskarten lohnen sich, um die wertvollsten Punktekarten zu erbeuten? Welches Gewürz sollte ich wann tauschen? Dabei gilt es die Karawanenkarten der Mitspieler im Auge zu behalten. Denn oft ist es schon früh absehbar, wer zuerst die passende Gewürzkombination für eine bestimmte Punktekarte beisammen hat. Also sollte ich mich vielleicht auf eine andere Karte konzentrieren. Da sind die richtigen taktischen Entscheidungen gefragt. Je mehr Spieler beteiligt sind, umso größer wird natürlich der Konkurrenzkampf um die wertvollsten Punktekarten. Ansonsten gibt es bei „Century – Die Gewürzstraße“ keine wirkliche Interaktion zwischen den Spielern. Ich kann höchstens versuchen anderen Spielern starke Handelskarten wegzuschnappen, die ihnen noch mehr nutzen als mir. Insgesamt ist der Glücksfaktor bei „Century – Die Gewürzstraße“ ziemlich hoch. Denn von den Handelskarten und den Punktekarten liegen immer nur sechs bzw. fünf offen in der Auslage. Je nachdem, was da in welchem Augenblick aufgedeckt wird, kann ich gute oder eben weniger gute Karten bekommen. Manchmal kann ich eine passende Gewürzkombination für eine neue Punktekarte schon auf der Karawane haben. Für Vielspieler ist dieser hohe Glücksfaktor unbefriedigend und auch, dass es nur eine einzelne Grundmechanik gibt. Dadurch lässt sich „Century – Die Gewürzstraße“ aber auch sehr schnell erklären und verstehen und ist somit eindeutig ein Spiel für Gelegenheitsspieler und Familien. Für die ist es aber sehr gut geeignet. Auch, weil sich die Spieldauer sehr in Grenzen hält. Gespannt bin ich auf die beiden Erweiterungen, die für die kommenden beiden Jahre angekündigt wurden. Mal sehen, was die bringen.

„Century – Die Gewürzstraße“
Autor: Emerson Matsuuchi
Verlag: Abacusspiele
Für 2 – 5 Spieler
Ab 8 Jahren
Dauer: 30 Minuten
Preis: 35 Euro

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