Mit List und Tücke

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Am Königshof und auch bei anderen Adligen gibt es Intrigen und Ränke, um möglichst viel Einfluss zu gewinnen und Macht ausüben zu können. Daran hat sich eigentlich nie etwas geändert. Außer, dass Königshöfe heute durch gewählte Regierungen abgelöst wurden. Aber, wer sich die oberen Zirkel der Politik anschaut, der entdeckt sehr schnell die altbekannten Mechanismen. Wer also im Spiel der Mächtigen mitmischen will, der muss mit List und Tücke vorgehen. Genau darum geht es im gleichnamigen Spiel „Mit List und Tücke“ von Michael Rieneck, das im Kosmos Verlag erschienen ist.

Wie funktioniert es?
Vom Spielprinzip erinnert „Mit List und Tücke“ an Spiele wie „Love Letterr“ oder auch „Ohne Furcht und Adel“. Es ist ein taktisches Kartenspiel, das mit nur 20 unterschiedlichen Charakterkarten auskommt. Ziel ist es, durch die Charakterkarten möglichst viele Einflusspunkte in drei verschiedenen Bereichen zu sammeln. Dabei sind die Charakterkarten durch helle und dunkle Rückseiten in zwei Gruppen zu je zehn Karten aufgeteilt. „Mit List und Tücke“ wird über vier so genannte Kapitel zu je vier Runden gespielt. Jeder Spieler erhält pro Kapitel, vier Charakterkarten. Dabei werden zunächst die hellen Karten gemischt und an jeden Spieler zwei Karten verteilt. Zwei Karten werden verdeckt in die Mitte gelegt. Eine Karte behält der Spieler, die andere gibt er an seinen linken Nachbarn weiter. Dasselbe wird mit den dunklen Karten gemacht! Wobei die Karte, die ein Spieler nicht will, an den rechten Nachbarn weitergegeben wird. So hat jeder Spieler vier Karten auf der Hand. Vier Karten liegen verdeckt in der Mitte. Ein zu Beginn bestimmter Startspieler spielt die erste Charakterkarte aus. Alle anderen Spieler folgen im Uhrzeigersinn und spielen ebenfalls je eine Karte. Die Charakterkarten sind durchnummeriert. Je höher die Nummer, desto höher der Rang der Karte. Die in der jeweiligen Runde gespielte Karte mit dem höchsten Rang bestimmt den Startspieler der nächsten Runde. Bei „Mit List und Tücke“ ist das ein wichtiger Faktor. Es kann sehr wichtig sein, ob ich als erster oder letzter Spieler in einer Runde meine Karte spiele; denn jede Charakterkarte hat eine bestimmte Eigenschaft. Manche Charaktere erlauben es zum Beispiel eigene Handkarten mit Karten in der Mitte zu tauschen. Sehr stark und spielentscheidend sind jedoch die Charaktere, die andere Charaktere „beseitigen“ können. Das heißt, dass die entsprechende („beseitigte“) Charakterkarte umgedreht wird und am Ende nicht mehr in die Wertung kommt. Außerdem werden alle anderen Charakterkarten, die unter der „beseitigten“ Karte liegen, ebenfalls umgedreht und bringen nichts mehr fürs Spiel. Denn neue Charakterkarten werden immer auf bereits ausliegende Karten gespielt und ergeben so einen kleinen Stapel. Hat jeder Spieler vier Charakterkarten gespielt, ist ein Kapitel beendet. Dann wird geschaut, wie viele Einflusspunkte der jeweiligen Sorte ein Spieler durch seine Charakterkarten holen konnte. Entsprechend viele Einflusspunkte der jeweiligen Sorte nimmt ein Spieler aus der Mitte und legt sie vor sich ab. Danach beginnt ein neues Kapitel, das wieder genauso abläuft wie das zuvor. Nach vier Kapiteln wird geschaut, wer die meisten Punkte holen konnte. Dabei wird die Zahl der gewonnenen Einflusspunkte, die vor einem Spieler liegen, mit der Zahl der Einflusspunkte multipliziert, die von der jeweiligen Sorte noch in der Mitte liegen. Wer jetzt die meisten Punkte hat gewinnt.

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Einschätzung
„Mit List und Tücke“ ist genau das richtige Spiel für Leute, die gerne listig vorgehen und anderen Spielern die Tour vermasseln. Das Spiel ist sehr von Taktik geprägt. Je nach Spielsituation muss ich als Spieler abwägen, welche Charakterkarte mir jetzt einen Vorteil verschaffen könnte. Da gehört eine Portion Überlegung dazu! Wichtig ist es nach und nach zu entdecken, wie die Karten miteinander wirken. Das gelingt nicht unbedingt gleich in der ersten Partie. Aber spätestens beim zweiten Mal hat man den Dreh raus! Hilfreich sind hier übrigens die beiden Übersichtskarten, die jedem Spieler zur Verfügung stehen. Sie zeigen nicht nur, welche Karte welchen Rang hat und welche Einflusspunkte sie bringt. Ich kann auch sehen, welche Karte eine andere Karte „beseitigen“ kann, bzw. potentielles Opfer ist. Sehr gut hat mir die Wertung gefallen. Als Spieler muss ich überlegen, wie viele Einflusspunkte ich von der jeweiligen Sorte sammle, damit ich am Ende auch noch was von meinen Einflusspunkten habe. Da steckt auch noch Mal viel taktisches Potential drin. Davon abgesehen nimmt die wunderbare Illustration dem Spiel in gewisser Weise die Schärfe. Da es ja letztlich schon um Mord geht, der durch den Begriff „beseitigen“ umschrieben wird. In den Runden, in denen wir „Mit List und Tücke“ gespielt haben, hatten wir viel Spaß und es gab so manche Augenblicke, wo man sich wünschte, man hätte seine Karten in einer anderen Reihenfolge gespielt. Aber dann hat man ja was für die nächste Partie gelernt, die meistens gleich folgt. Denn „Mit List und Tücke“ ist kurzweilig, spannend, herausfordernd, dazu noch schnell erklärt und sehr flott gespielt. Bei uns kommt es jetzt öfter auf den Tisch.

„Mit List und Tücke“
Autor: Michael Rieneck
Verlag: Kosmos
Für 3 – 4 Spieler
Ab 12 Jahren
Dauer: 30 Minuten
Preis: ca. 13 Euro

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