Terraforming Mars

© Schwerkraft Verlag

Die Spiel in Essen steht in vier Wochen an und im Rahmen der internationalen Spieltage wird auch immer der deutsche Spielepreis verliehen. Im Gegensatz zum Spiel des Jahres entscheidet hier keine Expertenjury über den Preisträger. Beim deutschen Spielepreis sind es vielmehr interessierte Laien, Blogger, Journalisten und organisierte Spieleclubs, die ihr Votum darüber abgeben, welches Spiel sie für das beste Gesellschaftsspiel dieses Jahrgangs halten. Dabei ist in diesem Jahr die Mehrheit der Stimmen auf das Spiel „Terraforming Mars“ entfallen. Das Spiel war auch schon bei den Nominierten zum Kennerspiel des Jahres. Ein deutlicher Hinweis, dass „Terraforming Mars“ wirklich von hoher Qualität ist.

Wie funktioniert es?
Wie der Titel es schon andeutet, müssen die Spieler bei „Terraforming Mars“ den Mars so umgestalten, dass er der Erde ähnlich und für Menschen bewohnbar wird. Drei Bedingungen müssen dafür erreicht werden: Die Oberfläche des Mars muss mit ausreichend Wasser bedeckt sein, die mittlere Temperatur am Mars Äquator von -30 auf +8 Grad steigen und der Sauerstoffgehalt von 0 auf 14 Prozent gebracht werden. Der Mars liegt als Spielbrett zwischen den Spielern und dort sind die Parameter Temperatur und Sauerstoffgehalt als Leisten deutlich zu sehen. Das Wasser wird durch Ozeanplättchen verkörpert, die auf der Marsoberfläche an bestimmte Stellen gelegt werden müssen. Auf dem Spielbrett findet sich auch Platz für Städte, Grünflächen und Spezialplättchen, die im Laufe des Spiels auf der Oberfläche des Mars platziert werden. An der Veränderung der globalen Parameter arbeiten alle Spieler gleichzeitig und verfolgen damit alle dasselbe Ziel. Dennoch ist „Terraforming Mars“ kein kooperatives Spiel in dem Sinne, dass dann auch alle Spieler beim Erreichen der Ziele gemeinsam gewinnen. Denn jeder Spieler hat einen eigenen Konzern, mit dem er zur Umgestaltung des Mars beiträgt. Für jeden Schritt, den ein Spieler zum Erreichen der globalen Ziele besteuert, bekommt er einen Siegpunkt. Außerdem gibt es Siegpunkte auch noch durch bestimmte Karten und Belohnungen, die im Spielverlauf und am Spielende eingefordert werden können. Wer am Ende die meisten Punkte sammeln konnte, der gewinnt. Jeder Spieler startet mit einem Konzern, der ihm ein Starteinkommen und einen gewissen Vorteil bringt. Für Einsteiger gibt es einen Standardkonzern, damit man erst einmal ins Spiel findet. Die Konzerne liegen als persönliches Tableau vor jedem Spieler. Hier werden in sechs verschiedenen Bereichen unterschiedliche Ressourcen produziert; das reicht von Geld bis zur Wärme. Die Höhe der Produktion kann von den Spielern durch Karten verändert werden. Generell wird „Terraforming Mars“ durch Karten vorangetrieben, die die Spieler in der Forschungsphase ziehen und bei entsprechender Abgabe von Geld auch behalten dürfen. In der Aktionsphase ist es eine von insgesamt sieben Aktionen diese Karten auszuspielen; was allerdings auch wieder Geld kostet. Hier wird schon klar: Einkommen ist immens wichtig. Das Einkommen der Spieler setzt sich zusammen aus ihrem persönlichen „Terraformingwert“, der auf der allgemeinen Zählleiste angezeigt wird, und der Geldproduktion des eigenen Konzerns. Der „Terraformingwert“ erhöht sich mit jedem Schritt, den ein Spieler zur Umwandlung des Mars beiträgt. So sammelt man Einkommen und Siegpunkte. Diese finden sich auch auf manchen Karten. Einige haben aber auch negative Siegpunkte. Das Ausspielen von Karten ist oft an Bedingungen geknüpft. So muss beispielsweise eine bestimmte Temperatur oder ein bestimmter Sauerstoffgehalt erreicht sein, um einzelne Karte auszuspielen. Ausgespielte Karten haben unterschiedliche Effekte. Viele der Karten verändern dauerhaft die Höhe der Produktion von einzelnen Ressourcen. Einmal ausgespielt, haben sie keinen weiteren direkten Effekt. Andere Karten haben dagegen Aktionen und Effekte, die immer wieder genutzt werden können. Was auch gerne mal vergessen wird. Sehr wichtig als Aktionen sind auch das Umwandeln von Wärmeressourcen in einen Temperaturanstieg und das Umwandeln von acht Pflanzen in ein Grünflächenplättchen, was den Sauerstoffgehalt erhöht. Wenn alle Spieler gepasst haben und keine Aktion mehr ausführen wollen, kommt die Produktionsphase. Alle Ressourcen werden entsprechend der Produktionshöhe aufgestockt. Danach beginnt eine neue Runde mit Forschungsphase, Aktionsphase und Produktionsphase. Dies wiederholt sich so lange, bis alle drei globalen Parameter erfüllt sind. Dann endet das Spiel mit einer letzten Produktionsphase und der Punktewertung, in der die Punkte des „Terraformingwertes“ mit Punkten auf Karten und durch andere Faktoren zusammengezählt werden.

Einschätzung
„Terraforming Mars“ ist im Augenblick sehr beliebt. Zwischenzeitlich war das Spiel nicht zu bekommen und im Internet wurden bereits Phantasiepreise verlangt. Verständlich ist die Begeisterung für „Terraforming Mars“ schon. Es hat ein sehr cooles Spielthema (Mars bewohnbar machen), eine tolle Optik (Illustration der Karten ist topp), schönes Material (metallisch glänzende Ressourcenmarker) und sehr gute Spielmechaniken (was soll ich da alles aufführen?). Dabei ist es nicht so kompliziert, wie es zunächst den Anschein hat. Die Spielanleitung führt sehr gut ins Spiel ein und beantwortet eigentlich jede aufkommende Frage. Außerdem ist auf jeder Karte noch einmal detailliert erklärt, wie sie funktioniert. Die Rundenabläufe sind nach kurzer Zeit verinnerlicht. Karten ziehen, manche behalten, Aktionen ausführen, Ressourcen einsammeln und das Ganze wieder von vorne. Die Hauptherausforderung besteht darin, zu entscheiden, wie ich mit meinen Ressourcen haushalte, welche meiner Karten ich wann spiele und wie ich sie möglichst effektiv nutze. Zudem sollte ich dann auch nicht vergessen sämtliche Effekte auch auszuführen! Das kann durchaus schon mal vorkommen! Aber bei „Terraforming Mars“ ist ja keine Hektik angesagt. Spätestens zu Spielende, wenn die globalen Ziele fast schon erreicht sind, sollten die Spieler auch auf das achten, was die anderen Spieler für Möglichkeiten haben. Punkte machen bevor es andere tun! Ein weiterer Pluspunkt von „Terraforming Mars“: es ist als Solovariante auch alleine spielbar und das ist alles andere als langweilig, sondern richtig anspruchsvoll. Gleichzeitig ist „Terraforming Mars“ aber auch für bis zu fünf Spielern wirklich geeignet und dauert trotz der Komplexität (bei eingespielten Gruppen) nicht mehrere Stunden. Trotzdem, und das sollte klar geworden sein, ist „Terraforming Mars“ nichts für Gelegenheitsspieler und mal eben für Zwischendurch. Insgesamt ist „Terraforming Mars“ eines jener Spiele, die ich einfach unheimlich gerne und auch immer wieder spiele! Das Spiel hat seine Nominierungen und Auszeichnungen völlig zu Recht erhalten.

„Terraforming Mars“
Autor: Jacob Fryxelius
Verlag: Schwerkraft
Für 1 – 5 Spieler
Ab 12 Jahren
Dauer: 90 – 120 Minuten
Preis: 60 Euro

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