
Zwischen 1475 und 1483 hat Papst Sixtus IV. die nach ihm benannte Sixtinische Kapelle im Vatikan in Rom erbauen lassen. Es wurde zum Ort, an dem der Papst gewählt wird und ist eine der kunstvollsten Kirchen der Welt. Berühmt ist sie vor allem wegen ihrer Fresken, die von zahlreichen Künstlern geschaffen wurden. Doch diese bedurften nach 500 Jahren einer Restaurierung. Und genau darum geht es beim Spiel „1980 Sixtinische Kapelle“ von José Antonio Abascal, das bei Biberstein Spiele erschienen ist. Ab 1980 wurden die Fresken in der Sixtinischen Kapelle restauriert. 14 Jahre hat das gedauert. Bei dem Spiel des noch jungen Heidelberger Verlags geht das wesentlich schneller und unsere Aufgabe ist es die Fresken zu restaurieren.
Wie funktioniert es?

Der Kern von „1980 Sixtinische Kapelle“ sind verschiedene Karten. Zunächst gibt es mehrere größere Freskenkarten. Sie zeigen Szenen aus der Bibel, aus der Schöpfungsgeschichte, der Geschichte von Mose, aus dem Leben von Jesus und dem Jüngsten Gericht. Die Karten werden getrennt gemischt und nach genauen Vorgaben ausgelegt.

So dass jeweils die Seite oben liegt, bei der das Fresko noch nicht restauriert ist. Einige der Freskokarten werden dann abgedeckt. Sie können erst dann restauriert werden, wenn benachbarte Fresken fertig restauriert wurden. Um Fresken zu restaurieren, müssen wir die passende Methode anwenden und dafür gibt es nun wiederum Methodenkarten.

Diese werden gemischt und wir erhalten jeweils fünf dieser Karten auf die Hand. Außerdem erhalten wir zunächst jeweils vier Materialienscheiben in der von uns gewählten Farbe. Weitere Materialienschieben werden in einem Vorrat bereitgelegt. Jedes Fresko bedarf einer anderen Art der Restaurierung. Das bedeutet, dass unterschiedliche Methodenkarten in verschiedener Menge benötigt werden. Dabei kommt es jetzt darauf an, wie viele Karten einer Methode ich bei der Restaurierung eines Freskos einsetze. Es gibt die fachgerechte, die exzellente und die behutsame Restaurierung.

Bei der fachgerechten Restaurierung muss der Gesamtwert auf den Methodenkarten, die ich einsetze, größer sein als die Anforderung für diese Methode auf dem Fresko. Für jede eingesetzte Methodenkarte, die ich dann auf einen Ablagestapel weglegen muss, kann ich Materialienschieben auf dem Fresko platzieren.

Bei der exzellenten Restaurierung muss der Gesamtwert auf den Methodenkarten, die ich einsetze, ganz genau der Anforderung für diese Methode auf dem Fresko entsprechen. Auch hier kann ich für jede eingesetzte Methodenkarte, die ich dann auf einen Ablagestapel weglegen muss, Materialienschieben auf dem Fresko platzieren. Nur bei der exzellenten Restaurierung kann ich jetzt einen Bonus nutzen.

Bei der behutsamen Restaurierung muss der Gesamtwert auf den Methodenkarten, die ich einsetze, kleiner sein als die Anforderung für diese Methode auf dem Fresko. Für jede eingesetzte Methodenkarte kann ich Materialienschieben auf dem Fresko platzieren. Jedoch lege ich die einsetzten Methodenkarten nicht auf den Ablagestapel, sondern lege sie vor mir aus. Die Restaurierung ist aber nur eine von drei Aktionen, die ich in meinem Zug wählen kann. Denn ich benötige ja sowohl Karten als auch Material, um Restaurieren zu können. So kann ich eben auch drei Methodenkarten ziehen, muss dabei aber auch ein Handkartenlimit von acht Methodenkarten beachten. Andererseits kann ich auch beliebig viele Methodenkarten von meiner Hand auf den Ablagestapel legen, um für jede abgelegte Karte eine Materialienscheibe zu erhalten. Die Aktionen und Boni für die exzellente Restaurierung sind auf kleinen Übersichtskarten zu sehen.

Das Ziel ist es möglichst viel zur Restaurierung eines Freskos beizutragen und so Punkte zu bekommen. Die Punkte, die es für die Restaurierung eines Freskos gibt, sind oben rechts auf jedem Fresko zu sehen.

Unten rechts sind Modifikationen für die Punkte zu sehen, die es dann tatsächlich gibt. Behutsame Restaurierungen schlagen negativ zu buche, exzellente Restaurierungen bringen dagegen positive Veränderungen der Punktzahl. Die gewonnen Punkte durch ein fertig restauriertes Fresko werden sofort auf einer Zählleiste festgehalten.

Dann werden alle eingesetzten Materialien wieder in den Vorrat gelegt und das Fresko wird nun auf seine restaurierte Seite gedreht. Die Person, die die meisten eigenen Materialienscheiben auf dem Fresko liegen hatte, legt nun eine eigene Materialienscheibe auf das fertige Fresko. Das ist wichtig für die Endwertung. Zusätzlich kann ich Punkte auch dadurch erzielen, dass ich während des Spiels bestimmte Aufgaben erfülle.

Was aber nur über einen Bonus für eine exzellente Restaurierung möglich ist. So eine Aufgabe kann es zum Beispiel sein, dass ich möglichst viele verschiedene Methoden bei der Restaurierung von Fresken angewendet habe. Die Punkte für diese Aufgaben, werden aber auch erst am Ende des Spiels gewertet.

Das Spiel endet, wenn das vorletzte Fresko der Sixtinischen Kapelle fertiggestellt wurde. Dann gibt es noch die Endwertung, bei der neben den erwähnten Aufgabenkarten auch die fertig restaurierten Fresken eine Rolle spielen. Habe ich viele Fresken maßgeblich restauriert, gibt das auch noch mal Punkte. Auch die Methodenkarten, die ich für eine behutsame Restaurierung verwendet habe und die jetzt noch vor mir liegen, können noch Punkte einbringen. Dabei kommt es darauf an, ob ich eine Mehrheit bei den Methodenkarten habe. Dann werden noch restliche Methodenkarten auf der Hand und Materialien gezählt und gewertet. Wer nun insgesamt auf die meisten Punkte kommt, hat gewonnen.
Einschätzung

Das Thema von „1980 Sixtinische Kapelle“ ist wirklich sehr außergewöhnlich, aber auch sehr gut durchdacht und umgesetzt. Ich sehe die Fresken, die Begebenheiten aus der Bibel darstellen, plastisch vor Augen gemalt. So haben sich Künstler im 15. Jahrhundert diese Geschichten vorgestellt. Die Gestaltung des Spiels knüpft an die Vorbilder an und ist sehr ansehnlich und gelungen, obwohl das Spiel in einer recht kleinen Schachtel daher kommt. Aber es ist alles drin, was es braucht. Einziges Manko: Die Schachtel ist sehr schwer zu öffnen. Wenn man das aber geschafft hat, dann entwickelt sich ein sehr kurzweiliges und schönes Spiel, bei dem es etliche taktische Aspekte zu beachten gilt. Im Zentrum stehen dabei die Methodenkarten und wie ich sie sinnvoll einsetze, um möglichst viele Punkte zu erzielen. Selbst die scheinbar schlechte behutsame Restaurierung kann sich wegen der finalen Abrechnung der Methodenkarten lohnen. Weil Bonusaktionen richtig wertvoll sein können, muss ich eigentlich auch exzellente Restaurierungen durchführen. Fachgerechte Restaurierungen können aber auch sinnvoll sein, um die Mehrheit bei den Materialienscheiben zu haben und so Punkte zu bekommen. Hier muss ich ständig Entscheidungen treffen.

Die Regeln sind eingängig und gut erklärt und immer auch noch mit Bezügen zur tatsächlichen Restauration versehen. Ich muss keine Ahnung von Malerei oder der Bibel haben, um dieses Spiel zu spielen, aber ich könnte an beidem Interesse finden durch „1980 Sixtinische Kapelle“. Die biblischen Szenen sind auf der fertigen Freskoseite erklärt mit dem Künstler, der es erschaffen hat. Es ist generell allerdings eher ein Spiel für Leute, die schon öfter mal spielen. Ein Familienspiel im mittleren bis oberen Schwierigkeitsbereich, das sich aber sehr lohnt.
„1980 Sixtinische Kapelle“
Autor: José Antonio Abascal
Illustration: Pedro Soto
Verlag: Biberstein Spiele
Für 2 – 4 Spieler
Ab 10 Jahren
Dauer: 45 Minuten
Preis: 32 Euro
