
Kalkutta liegt am Ganges, Paris liegt an der Seine, so beginnt ein alter Schlager. Die Liste von großen Städten, die an Flüssen liegen ließe sich beliebig verlängern. London, Rom, Washington, Tokio, Kairo, Moskau, alles Weltmetropolen, die an Flüssen liegen. In Deutschland sind es beispielsweise Frankfurt am Main und Frankfurt an der Oder, Hamburg an der Elbe, München an der Isar, Stuttgart am Neckar, Köln und Bonn am Rhein. Flüsse sind Lebensadern und Orte des Handels. Darum geht es auch bei dem Spiel „Am Goldenen Fluss“ von Keith Piggott, das jetzt im Kosmos Verlag erschienen ist; illustriert von Francesca Baerald und Joshua Cairos. Entlang des goldenen Flusses treiben wir Handel und versuchen so Einfluss in verschiedenen Regionen zu bekommen.
Wie funktioniert es?

Für „Am Goldenen Fluss“ wird zunächst ein großer Tisch benötigt. Denn das Spielbrett ist ausladender als andere Spielbretter. Kein Wunder, müssen doch ein kompletter Fluss mit zahlreichen Bauplätzen und sechs benachbarte Regionen, auf deren Leisten wir uns mit unseren Markern fortbewegen, dort Platz finden. Auf dem Fluss platzieren wir jeweils zwei Schiffe, mit denen wir diesen bereisen werden. Dann erhalten wir zufällig zwei Kundenkarten. Diese Kunden haben bestimmte Warenwünsche, die wir erfüllen müssen, wenn wir ihre Vorteile nutzen wollen. Um es einfacher zu machen, starten wir alle schon mal mit je einer der drei Waren, die es im Spiel gibt; das sind Seide, Reis und Porzellan. Ein wenig Geld gibt es als Starthilfe. Und dann haben wir alle je einen sehr schönen und großen Würfel, der auf seinen sechs Seiten jeweils das Symbol einer Region und die dazugehörige Zahl zwischen eins und sechs zeigt.

Alle werfen wir gleichzeitig unseren Würfel und können uns schon mal Gedanken machen, für was wir diesen ersten Würfelwurf nutzen wollen. Denn das Würfelergebnis gibt vor, wo wir ein Bauwerk errichten oder einen Kunden bedienen oder wie weit wir mit unseren Schiffen auf dem goldenen Fluss hinabfahren. Das sind die drei Aktionen, die wir im Spiel haben. Mit diesen Aktionen bekommen wir Geld, Einfluss und Siegpunkte und am Ende will ich davon natürlich die meisten haben.

Bin ich am Zug dann habe ich zunächst die Möglichkeit mein bereits vorliegendes Würfelergebnis vom Start des Spiels oder vom Ende meines vorherigen Zuges zu ändern. Dafür gibt es auf meinem persönlichen Tableau eine kleine Leiste, wo ich für die Manipulation des Würfelergebnisses mit göttlicher Gunst bezahlen muss. Danach kann ich zwischen den drei bereits erwähnten Aktionen wählen. Ich kann die Zahl des Würfelergebnisses nutzen, um so weit mit einem meiner beiden Schiffe auf dem Fluss zu fahren, wie es die Zahl auf dem Würfel vorgibt.

Dann halte ich mit dem Schiff auf einem der 14 Flussabschnitte an und erhalte dann das, was dort an den vier Bauplätzen zu bekommen ist, die zu diesem Flussabschnitt gehören. Bauplätze bieten Geld. Bauwerke, die bereits auf diesen Bauplätzen errichtet wurden, bieten neben Geld auch noch Waren, Einfluss, göttliche Gunst oder Siegpunkte. Besitze ich ein Bauwerk an einem Abschnitt, auf dem ein Schiff anhält, dann erhalte ich dafür immer auch einen Bonus. Dafür muss ich ein Bauwerk errichtet haben und das ist eine weitere mögliche Aktion. In einer offenen Auslage kann ich immer zwischen vier Bauwerken wählen. Ich zahle zunächst Geld für den Bauplatz, auf dem ich dieses Bauwerk platzieren will.

Dieser Bauplatz muss sich in der Region befinden, die mein Würfel zeigt. Dann lege ich das Bauwerk dort ab und markiere mit einem eigenen Spielstein, dass dieses Bauwerk mir gehört. In diesem Augenblick gewinne ich auch Einfluss in der Region, zu der der Bauplatz gehört. Wie viel Einfluss das ist, steht auf dem Bauwerk. Einfluss in einer Region zu haben bringt am Ende des Spiels Siegpunkte ein und während des Spiels unter anderem Waren und Geld. Und Geld benötige ich ja, um neue Bauwerke errichten zu können.

Waren wiederum sind wichtig, um Kundenwünsche zu erfüllen. Das Ausliefern von Waren an Kunden ist dann die dritte mögliche Aktion. Ich wähle eine der Kundenkarten auf meiner Hand, die der Region entspricht, die mein Würfel zeigt. Ich kann sie ausspielen und vor mich legen, wenn ich die entsprechenden Waren gesammelt habe, die dieser Kunde will. Kunden haben dann oft einen Soforteffekt oder einen dauerhaften Effekt und bringen mir am Ende des Spiels Siegpunkte ein. Durch ihre Effekte habe ich Vorteile im Spiel. Habe ich einen Kunden zufrieden gestellt, darf ich zwei neue Kundenkarten ziehen und eine davon auf meine Hand nehmen.

Sollte ich im Laufe des Spiels am unteren Ende des Flusses ankommen, dann geht es einfach oben am Fluss weiter. Es ist also ein Kreislauf, den wir mit unseren Schiffen durchfahren. Dadurch kommen wir immer wieder an denselben Flussabschnitten und Bauwerken vorbei. Das Spiel endet dann, wenn vom Stapel der Bauwerke keine neuen mehr aufgelegt werden können. Dann werden zu den Siegpunkten, die wir bis dahin schon bekommen haben, noch die Punkte aus Regionen, von erreichten Zielen, die zu Beginn des Spiels ausgelegt wurden, und unseren zufriedenen Kunden hinzugezählt. Wer dann in Summe die meisten Punkte hat gewinnt.
Einschätzung

Das Spielbrett und das gesamte Material von „Am Goldenen Fluss“ sehen einfach sehr gut aus und sind hochwertig. Der Spieletisch muss nur groß genug sein, um alle Komponenten des Spiels fassen zu können. Für den großen und kantigen Würfel empfiehlt sich ein Würfelbecher oder Würfeltray. Die Regeln für dieses Kennerspiel sind erstaunlich überschaubar und sehr eingängig. Zur Unterstützung gibt es noch einmal auf den persönlichen Tableaus genaue Angaben zum Ablauf eines Zuges und zu den maximalen Lagerkapazitäten von Waren und Geld. Dazu gibt es noch Übersichtskarten und auf der Rückseite der Spielanleitung alle Symbole im Spiel erklärt. Das ist absolut vorbildlich und ein Blick in die Anleitung war schon bei der zweiten Partie „Am Goldenen Fluss“ eigentlich nicht mehr nötig.

Was das Spiel dann aber zum Kennerspiel macht, ist die Herausforderung die eigenen Aktionen geschickt zu nutzen und ein Gefühl dafür zu bekommen, wann ich was machen sollte. Denn im Spiel ist alles miteinander verzahnt und auch, wenn ich es gerne würde, kann ich eben nicht alles gleichzeitig machen. Immerhin gibt mir der Würfelwurf am Ende meines Zuges schon mal ein wenig Bedenkzeit, während die anderen ihre Züge machen. Doch auch da sollte ich Aufmerksam sein, denn durch Bauwerke kann ich ja zum Beispiel waren oder Einfluss erhalten, was meinen nächsten Zug wiederum beeinflussen kann. Dann ist es mit der Vorausplanung dann wieder so eine Sache.

Darüber hinaus kann es wichtig sein, ob ich bestimmte Ziele vor den anderen erfüllen kann. Wo muss ich mir Bauplätze sichern und eigene Bauwerke errichten, um beim Einfluss in einer Region vorne zu sein. Das gefühlt größte Zufallselement bei „Am Goldenen Fluss“ sind die Kundenkarten. Wenn ich zu Beginn zwei Karten erhalte, die schwer zu bedienen sind, bin ich oft später dran, um neue Kunden zu erhalten und so deren Vorteile nutzen zu können. Aber das Spiel ist so gut ausbalanciert, dass das kaum ins Gewicht fällt.
In seiner Art ist „Am Goldenen Fluss“ ein sehr angenehm zu spielendes und sehr gutes Kennerspiel, das ich nur von Herzen empfehlen kann. Kein Familienspiel, aber für Familien, die schon oft komplexere Spiele gespielt habe, auch sehr gut geeignet.
„Am Goldenen Fluss“
Autor: Keith Piggott
Illustration: Francesca Baerald, Joshua Cairos
Verlag: Kosmos
Für 2 – 4 Spieler
Ab 12 Jahren
Dauer: 60 – 90 Minuten
Preis: 50 Euro
