
Im Film „Zootopia“ leben alle Tiere gemeinsam in einer großen Stadt, aber in unterschiedlichen Revieren, entsprechend ihrer persönlichen Bedürfnisse. Auch im Spiel „Ape Town“ von Reiner Knizia gibt es Reviere in einer großen Stadt. Doch das Spiel, das im Piatnik Verlag erschienen ist, spielt nicht etwa in einer utopischen Zukunft, sondern ist im Gangstermilieu der zwanziger und dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts und alles ist gestaltet im Film Noir Stil.
Wie funktioniert es?

Bei „Ape Town“ geht es um Reviere, die von Affen kontrolliert werden und um Bananenumschlagplätze. Das Spielbrett ist in neun Reviere unterteilt, drei sind weiß, drei grau und drei schwarz und die meisten Reviere haben wiederum je neun Felder. Ich platziere Affen-Marker und Bananen-Marker in Reviere und versuche damit möglichst viele Punkte zu machen, indem ich Affen-Marker neben Bananenfelder, die Bananenumschlagplätze, lege oder Bananen-Marker neben Affen. Sind alle Felder eines Reviers belegt, dann wird danach geschaut, wer dieses Revier kontrolliert, und dafür gibt es dann auch wieder Punkte. Das ist die Spielidee.

Alle Marker werden verdeckt gemischt und verdeckt am Rande des Spielbretts auf eine spezielle Leiste umlaufend ausgelegt. Jeder Marker kommt auf ein Feld einer Farbe, weiß, grau oder schwarz. Dabei ist die umlaufende Leiste in Abschnitte zu je fünf Feldern unterteilt. Restliche Marker werden zunächst zur Seite gelegt. Sie werden verwendet, um später im Spiel, die Leiste wieder zu füllen. Die ersten zehn Marker werden dann aufgedeckt. Im Laufe des Spiels werden dann immer weiter Marker aufgedeckt, wenn alle fünf Marker eines Abschnitts genommen wurden.

Bin ich am Zug nehme ich mir einen offen ausliegenden Marker. Ist es der nächstgelegene Marker, dann zahle ich dafür nichts. Überspringe ich aber Felder, so muss ich auf jedes Feld mit einem Marker, das ich überspringe einen Geldbündel legen. Zum Start des Spiels wurden wir alle schon mit einigen Geldbündeln ausgestattet.

Nehme ich einen Marker, auf dem Geld liegt, nehme ich auch das Geld. Geld zu haben bringt nicht nur Vorteile im Spiel, am Ende bringt jedes Geldbündel auch noch einen Siegpunkt ein. Habe ich dann einen Marker genommen, muss ihn in dem Revier unterbringen, das der Farbe des Feldes entspricht, von dem ich den Marker genommen habe. Nehme ich zum Beispiel einen Schimpansen von einem grauen Feld, muss ich ihn in ein graues Revier legen. Platziere ich ihn neben einem Feld mit Bananen, bekomme ich Punkte, und zwar für jedes angrenzende Bananenfeld. Dabei ist es egal, ob der Bananenumschlagplatz sich im selben Revier befindet oder in einem benachbarten Revier.

Wenn ich einen Schimpansen neben einem Bananenfeld platziere, dann sind das jeweils zwei Punkte, die ich bekomme. Andere Affen (Koboldmakis und Mandrille) bringen andere Punkte beim Legen ein. Platziere ich einen Bananenmarker, dann wird wiederum geschaut welche Affen jetzt angrenzend sind. Dann bekomme ich die Punkte entsprechend des Punktewerts der angrenzenden Affen.

So bekomme ich in der Regel jedes Mal, wenn ich einen Marker lege, Punkte. Neben Koboldmakis, Schimpansen und Mandrillen, die beim Legen Punkte einbringen, gibt es noch Kattas und Orang-Utans. Diese beiden Affenarten spielen bei der Revierwertung eine Rolle. Ist ein Revier vollständig mit Markern belegt, dann wird geschaut, wer es kontrolliert. Wer die Mehrheit an Orang-Utans hat, hat die Nase vorn und bekommt Punkte entsprechend der Punktewerte aller Koboldmakis, Schimpansen und Mandrille im Revier. Gibt es keine Mehrheit bei den Orang-Utans, kommen die Kattas ins Spiel, um zu bestimmen, wer das Revier kontrolliert. Gibt es auch dabei keine Mehrheit, dann gehen alle leer aus. Als nächstes kommt aber noch der Vergleich mit den Nachbarrevieren! Und hier kommt es nun darauf an, wie viele Kattas es im eben abgeschlossenen Revier und den Nachbarrevieren gibt.

Hat ein Revier weniger Kattas als das eben abgeschlossene, so gibt es Punkte für alle Leute, die Kattas in dem eben abgeschlossenen Revier haben. Die Punkte richten sich dabei nach den Affen (Koboldmakis, Schimpansen und Mandrille) im unterlegenen Nachbarrevier.

Die Punktewerte dieser Affen werden addiert und durch die Zahl der Leute geteilt, die im eben abgeschlossenen Revier Kattas hatten. Um zu erkennen, wem Orang-Utans und Kattas in einem Revier gehören, werden diese Affen-Marker beim Legen mit Plastikchips in den Spieler-Farben markiert. Das Spiel endet, wenn alle Felder in allen Revieren belegt sind. Wer dann die meisten Punkte hat gewinnt.
Einschätzung

Das Thema von „Ape Town“ ist, um ehrlich zu sein, sehr willkürlich gewählt. Es könnten auch völlig andere Tiere sein oder Aliens. Es ist im Kern ein sehr abstraktes Plättchenablegespiel mit taktischen Elementen und auch Zufall. Die Gestaltung des gesamten Spiels im Film Noir Stil ist aber sehr schön und konsequent. Das Spiel erscheint dadurch zwar recht düster. Das geht für mich aber in Ordnung. Die einzige Farbe kommt durch die durchsichtigen Plastikchips in den Spielerfarben ins Spiel mit denen wir Orang-Utans und Kattas markieren. Die haben aber kleine spitze Nasen an der Stelle, wo die Chips beim Guss befestigt waren. Das ist nichts Gravierendes, aber es fällt dann schon auf.

Das Spielprinzip ist einfach: Nimm einen Affen- oder Bananenmarker und lege ihn auf ein Feld in einem passenden Revier und bekomme dafür Punkte. Ein schönes taktisches Element sind dabei die Geldbündel, mit denen ich gut haushalten sollte. Ob allerdings bestimmte Affen auf einem Feld auftauchen, das mir nutzt, ist reine Glückssache. Da die nächsten Marker erst aufgedeckt werden, wenn ein Abschnitt komplett von Markern leer ist, muss man manchmal auch Marker nehmen, die nicht so attraktiv sind. Dazu kommen die bereits erwähnten Geldzwänge, die auftreten können. Da steckt schon auch viel Taktik und Kalkül drin. Aber es ist immer noch ein einfaches Prinzip. Diese Einfachheit wird durch die Revierwertung jedoch durchbrochen. Jetzt geht es darum Mehrheiten zu haben und das auch noch gegenüber Nachbarrevieren. Das wird zwar in der vorbildlichen Spielanleitung sehr gut erklärt, aber es ist doch eine Erhöhung des Schwierigkeitsgrades.

Hier wird das Spiel nämlich plötzlich sehr strategisch und viel taktischer. Es wird nicht kompliziert, aber es ist dann schon anspruchsvoller und man muss sehr genau schauen, wer kontrolliert ein Revier und wie ist das mit den Kattas und den Nachbarrevieren. Entsprechend muss ich meine Überlegungen anstellen, ob ich ein Revier abschließen soll oder doch noch nicht und muss durchrechnen, was mir wann mehr bringt. Das kann auch mal länger dauern.
An und für sich ist “Ape Town“ ein einfaches und gutes Familienspiel, das aber durch die Revierwertung dann wohl eher was für Familien ist, die öfter schon mal spielen und auf die Feinheiten der Wertung achten.
„Ape Town“
Autor: Reiner Knizia
Illustration: Lars Besten
Verlag: Piatnik
Für 2 – 4 Spieler
Ab 10 Jahren
Dauer: 45 Minuten
Preis: 30 Euro
