
Wir gehen gerne in Zoos und Tierparks. Es ist einfach schön zu sehen wie großartig die Natur und die Tierwelt sind. Die Vielfalt und Schönheit bringen uns immer wieder zum Staunen. Es weckt in mir Ehrfurcht vor der kreativen Schöpferkraft, die ich hinter all den unterschiedlichen Tieren und Pflanzen erkennen kann. Dankenswerterweise hat sich in Sachen artgerechter Tierhaltung in den letzten Jahrzehnten immens viel getan. Zoos setzen nicht mehr auf Masse und möglichst viele verschiedene Arten, um dem Zoopublikum viel zu bieten, sondern die Tiere stehen im Fokus und deren Wohlbefinden. Natürlich kann kein Zoo oder Tierpark die freie Natur niemals ersetzen, aber ohne die Haltung, den Schutz und die Nachzucht in Zoos und Tierparks gäbe es manche Tierarten gar nicht mehr. Und wenn es gut geht, dann lernen kleine und große Menschen durch einen Zoobesuch, wie wertvoll und schützenswert die Natur ist. Auch Spiele können diesen Effekt haben und dazu beitragen, das ich die Natur kennen, schätzen und achten lerne. In den letzten Jahren sind dazu etliche Spiele erschienen. Dazu gehört auch „Artengarten – Ein Arche Nova Spiel“. Das Spiel von Mathias Wigge ist im Verlag Feuerland Spiele erschienen. In „Artengarten“ entsteht nach und nach unser eigener Zoo, der durch die Illustration von Felix Wermke und die Grafik von Christof Tisch sehr realistisch und einfach gut aussieht. „Artengarten“ ist die auf Kennerspiel-Niveau reduzierte Variante von „Arche Nova“, das zu den beliebtesten und besten Expertenspielen weltweit gehört.

Wie funktioniert es?
Zu Beginn des Spiels haben wir alle einen leeren Plan unseres Zoos vor uns, der aus 23 Sechseckfeldern besteht, von denen 21 von uns im Laufe des Spiels mit Plättchen belegt werden können. Diese Plättchen sind groß und ebenfalls sechseckig. Es gibt drei unterschiedliche Arten von Plättchen, die farblich unterschieden sind. Tiere sind an einem gelben Steifen am unteren Rand zu erkennen, Gebäude sind an der Stelle blau und Projekte lila.

Diese Plättchen spielen wir von der Hand oder genauer gesagt von einer kleinen Bank in unseren Zoo. Um sie auf diese Bank zu bekommen, müssen wir die Plättchen erst aus einer offenen Auslage nehmen oder von verdeckten Stapeln ziehen. Dafür werden alle Plättchen verdeckt gemischt und sechs offen in die Auslage gelegt.

Um die Plättchen nehmen und dann spielen zu können, haben wir wiederum vier Aktionsplättchen! Diese Aktionsplättchen in vier verschiedenen Farben liegen in einer Reihe unterhalb unseres Zooplans. Jedes Aktionsplättchen gewährt immer zwei mögliche Aktionen, von denen ich eine wähle. Ich kann Plättchen nehmen oder Plättchen damit spielen. Je nachdem, auf welcher Position in der Reihe ein Aktionsplättchen liegt, ist die Aktion Plättchen spielen stärker oder schwächer. Zu erkennen ist die Stärke einer Aktion an einer Zahl oberhalb der Aktionsplättchen.

Bevor es losgeht, wähle ich noch eine Farbe, in der ich vier Aufwertungsmarker und vier Artenschutzerfolgsmarker erhalte, dazu gibt es noch eine Spielhilfe, die mir meinen kompletten Zug erklärt. Außerdem sehe ich meinen Zug auch am unteren Rand meines Zooplans. So mit Material und Information ausgestattet, kann es losgehen.

Bin ich am Zug nehme ich mir immer eins von den sechs offen ausliegenden Plättchen. Welches ich auf meine Bank nehmen darf, wird über die Reichweite des lila Aktionsplättchens bestimmt. Die Aktionsplättchen werden durch diese Aktion nicht verändert und bleiben noch liegen. Dann wähle ich eins der vier Aktionsplättchen und nutze es. Will ich ein bestimmtes beliebiges Plättchen aus der Auslage nehmen, dann nutze ich dafür das lila Aktionsplättchen. Will ich zwei zufällige Plättchen von einem Stapel ziehen, kann ich eins der drei anderen Aktionsplättchen nehmen. Welche Farbe es hat und wo es in der Reihe der Aktionsplättchen liegt, ist unerheblich. Habe ich ein Aktionsplättchen in dieser Weise genutzt, wandert es von seiner Position, auf der es liegt, ganz nach links, alle anderen Plättchen rücken nach rechts auf. Will ich aber ein Plättchen spielen, muss ich dagegen sehr wohl darauf achten, ob dieses Plättchen auch die richtige Farbe und die ausreichende Stärke hat.

Will ich zum Beispiel die Schneeeule spielen, dann muss das braune Aktionsplättchen mindestens die Stärke drei haben. Für den Sumatra Tiger müsste das blaue Aktionsplättchen mindestens Stärke fünf aufweisen. Habe ich die Schneeeule in meinen Zoo gespielt, dann wandert das genutzte braune Aktionsplättchen ebenfalls ganz nach links in der Reihe der Aktionsplättchen und hat nun nur noch die Stärke eins. Alle anderen Aktionsplättchen rücken entsprechend nach rechts auf und werden dadurch stärker. Welches Tier ich mit welchem Plättchen spielen kann, das wird durch entsprechend übereinstimmende Symbole auf den Aktionsplättchen und Tierplättchen deutlich gemacht.

Manche Tiere benötigen mehr Raum und Freiflächen um sich herum. Diese Freiflächen muss ich von meiner Bank zu dem Tier an die passende Seite anlegen. Spiele ich ein Tierpaar nebeneinander in meinen Zoo, so gibt das einen Bonus, den ich nutzen kann, um Artenschutzerfolgsmarker leichter legen zu können. Will ich ein Projekt spielen, dann geht das nur über das lila Aktionsplättchen. Auch dafür benötige ich die passende Stärke. Wie groß die Stärke sein muss, zeigen Tier- und Projektplättchen durch eine Zahl am linken Rand.

Habe ich meine Aktion zu Ende geführt, überprüfe ich, ob ich die Bedingungen erfülle, um ein Haus von meiner Bank in meinen Zoo spielen zu können. Dafür benötige ich dann kein Aktionsplättchen. Anschließend schaue ich noch, ob ich die Voraussetzungen erfülle, um einen Artenschutzerfolgsmarker zu einem Artenschutzziel auf dem Artenschutztableau legen zu können. Dafür benötige ich bestimmte Symbole auf den Plättchen in meinem Zoo. Welche das sind, wird zu Spielbeginn zufällig festgelegt.

Zuletzt kann ich noch welche meiner Aufwertungsmarker aktivieren, wenn ich dafür die Voraussetzungen erfülle, und so Aktionsplättchen auf ihre Rückseite drehen und dadurch stärker machen. Wenn auch das erledigt ist, wird die Auslage wieder aufgefüllt und die nächste Person ist am Zug. Gespielt wird so lange, bis eine von drei Situationen eintritt, die das Spielende auslösen, zum Beispiel, dass jemand den eigenen Zooplan komplett mit Plättchen gefüllt hat. Wer dann durch Tiere im Zoo, durch Gebäude und Projekte und erfüllte Artenschutzziele die meisten Punkte hat, gewinnt.

Einschätzung
„Artengarten“ ist ein ganz wunderbares Spiel zum Thema Zoo. Mit einem, das muss man sagen, hohen Anspruch. Denn „Artengarten“, das macht der Untertitel „Ein Arche Nova Spiel“ deutlich, ist die auf Kennerspielniveau reduzierte Variante des Expertenspiels „Arche Nova“. Wobei „reduziert“ nicht falsch verstanden werden sollte. „Artengarten“ ist immer noch komplex, aber für die Komplexität des Spiels, was ich alles machen kann und wie es miteinander verzahnt ist, ist „Artengarten“ wirklich sehr eingängig und schnell zu verstehen. Was auch daran liegt, dass die Regeln sehr klar erklärt werden, flankiert mit guten Beispielen in der Spielanleitung. Die Spieldauer ist für diese Art von Spiel nicht übertrieben lang. Je mehr mitspielen, umso länger dauert es natürlich. Aber 20 Minuten pro Person kommt sehr gut hin und wird spätestens bei der zweiten Partie locker eingehalten. „Artengarten“ überzeugt mich von der Optik.

Es sieht einfach sehr schön aus, wenn so nach und nach dieser Zoo vor einem entsteht und man die Tiere in den Zoo platziert, dazu die Gebäude und Projekte. Das Material ist solide dicke Pappe. Schöne Bilder von den Tieren. Worauf man achten muss, sind die kleinen weißen Pfeile für die Freigehege, die manch Tiere haben. Die werden schnell mal übersehen. Und auch auf die Legeregeln ist zu achten. Wo darf ich wann welches Gebäude platzieren. Es ist auch wichtig zu wissen, wie manche Tiere, Projekte und Gebäude Punkte einbringen. Das sollte vorab deutlich erklärt werden, damit es keine Missverständnisse gibt. Da hilft das sehr ausführliche Glossar, das griffbereit liegen sollte. Hier wird jedes Symbol eindeutig erklärt.
„Artengarten“ funktioniert gut im Solo-Modus, aber auch mit vier und fünf Leuten.

Was klar sein sollte ist, dass ich oft nicht genau das machen kann, was ich gerne tun würde, weil ich nie weiß, welche Plättchen ich effektiv bekomme, aber damit müssen alle gleichermaßen zurechtkommen. Strategisch ist es wünschenswert solche Plättchen in den Zoo legen zu können, die mehrere Artenschutzziele gleichzeitig erfüllen. Aber, das wollen eben alle. Und die ideale Auslage ist nicht erreichbar. Aus den Gegebenheiten das Beste machen, muss das Ziel sein. Es gibt nicht viel Interaktion und eigentlich kann ich anderen auch nicht gezielt schaden oder Artenschutzziele wegschnappen, aber unabsichtlich oder vielleicht auch absichtlich Plättchen aus der Auslage nehmen, die anderen nutzen könnten, das geht schon. Insgesamt ist „Artengarten“ ein richtig gutes Spiel und macht viel Spaß. Ich kann es für alle Leute, die gerne anspruchsvolle Spiele mögen, nur empfehlen.
„Artengarten – Ein Arche Nova Spiel“
Autor: Mathias Wigge
Illustration: Felix Wermke / Grafik: Christof Tisch
Verlag: Feuerland Spiele
Für 1 – 5 Spieler
Ab 12 Jahren
Dauer: 20 Minuten pro Person
Preis: 45 Euro
