
Es gibt Menschen, die stechen einfach heraus. Sie sind besonders, und zwar nicht nur in ihrer Zeit, sondern über ihre Zeit hinaus. So eine Person war und – in gewissem Sinne – ist Marie Curie. Sie war die erste Frau, die einen Nobelpreis erhalten hat. Sie ist bis heute die einzige Frau, die zwei Nobelpreise bekommen hat und neben Linus Pauling, die einzige Person, die Nobelpreise in zwei unterschiedlichen Disziplinen verliehen bekommen hat. Das Marie Curie eine besondere Person war, wusste ich schon immer! Aber erst nachdem ich das Spiel „Auf den Wegen von Marie Curie“ in die Hand genommen habe, wurde mir klar, wie außergewöhnlich sie war. Im Spiel von Florian Fay, das im Verlag „Sorry we are french“ (Deutscher Vertrieb Asmodee) erschienen ist, folgen wir dem Leben der berühmten Wissenschaftlerin.
Wie funktioniert es?

„Auf den Wegen von Marie Curie“ besteht aus zwei Spielbereichen. Da wäre zum einen der zentrale Hauptspielplan. Auf ihm folgen wir mit einem Marker wichtigen Lebensstationen von Marie Curie und bei jeder Station geschieht auch immer etwas, das sich aufs Spiel auswirkt. Wir beginnen bei ihrer Geburt im Jahr 1867 und enden bei ihrem Tod im Jahr 1934. Der Hauptspielplan bietet eine Auslage von Aktivitätskarten, die ich in meiner Aktionsphase meines Zuges kaufen kann. Außerdem ist hier ein Vorrat an Thesen- und Experiment-Plättchen zu finden.

Daneben beinhaltet der Hauptspielplan noch das Werkstatttableau und eine Zug-Übersicht. Neben dem Hauptspielplan haben wir alle jeweils ein persönliches Tableau, auf dem wir Experimente durchführen, Rohstoffe lagern, Thesen aufstellen, Aktivitätskarten und Siegpunkte sammeln.

Zu Beginn des Spiels ziehe ich noch ein persönliches Ziel-Plättchen und lege es auf mein Tableau. Ein Zug besteht immer aus den vier Phasen Werkstatt, Forschung, Aktionen und Pause. Bin ich am Zug werfe ich eine durch das Werkstatttableau auf dem Hauptspielplan vorgegebene Anzahl und Kombination von Klötzen in einen goldenen Würfelturm.

Die Klötze stehen für die Rohstoffe Pechblende, Uran und Radium. Was und wieviel unten aus dem Turm herauskommt, ist ungewiss! Der Würfelturm ist extra so konzipiert, dass ich nicht weiß, was mich unten erwarten wird. Das ist die Werkstatt-Phase.

Ihr folgt die Forschungs-Phase. Hier muss ich mich entscheiden Klötze, die vor dem Turm liegen, zu nehmen oder doch lieber eine neue These aufzustellen. Die Thesen geben mir immer einen kleinen Bonus. Von den Rohstoffen darf ich zunächst nur drei Stück nehmen und auf dem Erlenmeyerkolben auf meinem Tableau lagern. Am Ende meines Zuges darf ich zunächst auch immer nur frei Rohstoffe hier liegen haben. Sowohl die Anzahl der Rohstoffe, die ich nehmen als auch behalten darf, kann ich durch erfolgreiche Experimente erhöhen.

Ein Experiment durchzuführen oder auch mehrere ist eine von vier möglichen Aktionen, die ich in der Aktions-Phase wählen kann. Um ein Experiment durchzuführen, benötige ich zunächst Experiment-Plättchen, die ich auf unterschiedliche Art erhalten kann und verdeckt vom Hauptspielplan nehme. Dann muss ich die notwendigen Rohstoffe für die Experimente besitzen und abgeben, um die Experiment-Plättchen wieder auf ihre Rückseite zu drehen. Dadurch kann ich Siegpunkte erhalten und eben meine Möglichkeiten erhöhen Rohstoffe zu nehmen und über das Ende des Zuges zu behalten. Ich kann in meiner Aktions-Phase auch eine Aktivitätskarte erwerben, was mir weitere Rohstoffe oder andere Vorteile bringt.

Von den Aktivitätskarten gibt es fünf Arten. Je mehr Aktivitätskarten einer Art ich besitze, umso stärker ist der Bonus, den ich erhalte. Leider stehen immer nur vier offen ausliegende Aktivitätskarten zur Auswahl und ich darf auch immer nur eine Karte pro Zug erwerben. Aktivitätskarten lege ich unten an mein Tableau an. Ich kann auch beliebig oft als Aktion Rohstoffe umtauschen und ich kann mein persönliches Ziel erfüllen. Das sind die Dinge, die ich in der Aktions-Phase tun kann. Dann folgt noch die Pause-Phase.

Hier überprüfe ich die Anzahl der Rohstoffwürfel in meinem Erlenmeyerkolben und verschiebe den Werkstattmarker auf die nächste Position. Dann ist die nächste Person an der Reihe. Wir spielen so lange, bis das letzte Feld auf dem Zeitstrahl auf dem Hauptspielplan erreicht ist.
Das Ziel ist es möglichst viele Siegpunkte zu erreichen. Diese bekomme ich durch erfolgreiche Experimente, durch das Tauschen von Rohstoffen, durch bestimmte Aktivitätenkarten und Ereignisse im Leben von Marie Curie. Wer davon am Ende die meisten hat, gewinnt. Aber das Spiel geht sehr schnell vorbei, denn mit jeder Aktion kann der Zeitmarker auf dem Lebenslauf von Marie Curie voranschreiten.
Einschätzung

„Auf den Wegen von Marie Curie“ klingt erst einmal wie die Fortsetzung von „Auf den Wegen von Darwin“. Tatsächlich steckt derselbe Verlag dahinter und bestimmte stilistische Elemente im Design lassen sich wiedererkennen. Doch das ist schon die gesamte Gemeinsamkeit. Anders als bei Darwin gehen wir hier tatsächlich Lebensstationen von Marie Curie entlang und die haben eine Bedeutung für das Spiel. Das finde ich sehr gut gemacht. Das Spielmaterial ist großartig.

Hier wurde auf jedes Detail geachtet. So sind die Rückseiten der persönlichen Tableaus alle individuell gestaltet. Das war auch bei Darwin so! Und alles im Spiel hat einen Bezug zum Leben von Marie Curie und ihrer Forschung. Zum Beispiel der sehr geniale Würfelturm! Dass wir nicht wissen, ob und welche Rohstoffe wir bekommen, ging der Nobelpreisträgerin nicht anders. Erklärt wird das in der sehr gut erklärenden Spielanleitung, die keine Fragen offenlässt. Und auch der mehrseitige Anhang mit der Biografie ist großartig geschrieben. Es ist ein Spiel, das pädagogisch ist, ohne sich so anzufühlen. Ich lerne etwas über eine geniale Wissenschaftlerin und es weckt wirklich mein Interesse mehr zu erfahren.

Was das spielerische Element angeht, ist schon viel Zufall im Spiel. Ich kann nur schwer planen, was ich machen kann. Wobei ich klare Ziele habe, wenn ich die Experimente erledigen will. Aber der Schwierigkeitsgrad der Experimente kann sehr unterschiedlich sein, was zum Nachteil für die Person wird, die nur schwer zu erfüllende Experimente hat.

Die Zeitleiste ist etwas, was ich sehe und worauf ich planen kann, aber nur bedingt, denn manchmal schreiten wir schneller auf ihr voran als es mir lieb ist. Die Aktivitätskarten sind auch ein Zufallsprodukt. Bekomme ich eine, die mir hilft? Dazu gibt es nicht viele Punkte in diesem Spiel zu holen. Wer zehn Siegpunkte hat, gewinnt vermutlich, also zählt jeder einzelne Siegpunkt sehr viel und da ist der Zufall dann doppelt ärgerlich.
Mir hat „Auf den Wegen von Marie Curie“ trotz der genannten Punkte sehr gut gefallen. Die Regeln sind schnell erklärt. Es spielt sich locker und flüssig. Ein echtes Familienspiel. Für Leute, die ihre Kinder für Wissenschaft begeistern wollen, sogar ein richtig gutes Spiel. Ich würde es jederzeit wieder spielen, auch weil es nur rund eine halbe Stunde dauert.
„Auf den Wegen von Marie Curie“
Autor: Florian Fay
Verlag: Sorry we are french / Vertrieb: Asmodee
Für 2 – 4 Personen
Ab 8 Jahren
Dauer: 20 – 40 Minuten
Preis: 30 Euro
