
Nur noch rund zwei Wochen, dann wird in Berlin bekannt gegeben, welches Spiel in diesem Jahr die begehrte Auszeichnung Spiel des Jahres erhält. Welche Spiele es auf die Empfehlungsliste für das Spiel des Jahres geschafft haben, steht schon seit Mai fest. Wenn es Spiele auf diese illustre Liste schaffen, dann ist das immer schon ein Hinweis darauf, dass sie eine ausgewiesene Qualität haben. Auch „Castle Combo“ von Grégory Grard und Mathieu Roussel hat es auf diese Liste geschafft. Das Spiel aus dem Kosmos Verlag hat einfache Regeln und dennoch einen sehr hohen Spielreiz.
Wie funktioniert es?
Die grundsätzliche Idee von „Castle Combo“ ist sehr einfach. Ich muss neun Karten in einem drei mal drei Raster vor mir auslegen, und zwar so, dass ich damit möglichst viele Punkte mache.

Die Karten bekomme ich aus einer zentralen Auslage, wo in zwei Reihen insgesamt sechs Karten liegen. Die obere Reihe besteht aus drei Charakterkarten, die zum Schloss gehören. Die untere Reihe besteht aus drei Charakterkarten, die zum Dorf gehören. Bin ich am Zug wähle ich eine dieser sechs Karten und lege sie in mein Raster. Dabei muss ich eine neue Karte immer angrenzend an eine bereits liegende Karte anlegen. Diagonal geht nicht. Das machen wir reihum, bis alle genau neun Mal je eine Karte genommen haben, dann ist Schluss.
Der Kniff bei „Castle Combo“ besteht nun darin, dass ich mir nicht einfach beliebig eine der sechs Karten nehmen darf. Denn zu Beginn des Spiels wird ein Herold neben die Reihe der Dorfkarten gestellt. Nur aus der Reihe, neben der der Herold steht, darf ich mir eine Karte nehmen. Um eine Karte nehmen zu dürfen, muss ich sie auch bezahlen können! Die Kosten werden auf jeder Karte links oben in Gold angegeben! Manche Karten kosten nichts, für andere muss ich dagegen bis zu sieben Gold löhnen.

Um uns Karten von Beginn an leisten zu können, starten alle mit je 15 Gold. Doch das ist schnell verbraucht! Also muss ich schauen, wie ich an neues Gold komme. Dazu können mir die Eigenschaften und Effekte bestimmter Karten helfen. Denn jede Karte hat Eigenschaften, die in der Kombination auch nur sie hat. Diese Eigenschaften sollte ich geschickt nutzen und kombinieren.

So haben vielen Karten einen Soforteffekt, denn ich in dem Moment nutzen kann, wenn ich die Karte nehme. Etliche davon bringen mir Gold ein. Andere Karten haben einen dauerhaften Effekt, der ab dann wirkt, wenn sie in meiner Auslage liegt. Mit ihnen kann ich zum Beispiel Karten günstiger erwerben. Am Ende des Spiels bringt jede Karte auf ihre Art auch Siegpunkte ein. Dann werde ich dafür belohnt. wenn ich zum Beispiel Karten eines bestimmten Typs sammle oder sie in meinem Raster am Ende an einer bestimmten Stelle liegt. Manche Karten erlauben mir auch überschüssiges Gold, das ich am Spielende noch besitze, auf Karten zu verschieben, wo ich dafür Punkte bekomme. Ansonsten ist Gold während des Spiels wichtig, aber am Ende nicht von nutzen.

Damit ich nun möglichst passende Karten bekomme, die zu den anderen Karten passen, die ich bisher gesammelt habe, gibt es Schlüssel! Auch von denen haben wir zu Spielbeginn schon zwei erhalten. Bin ich am Zug, darf ich genau einen Schlüssel abgeben. Wenn ich das mache, kann ich die Reihe wechseln. Ich versetze dann den Herold in die von mir gewünschte Reihe, also vom Dorf zum Schloss oder umgekehrt. Manche Karten bewirken diesen Wechsel auch, wenn sie genommen werden! Erkennbar an einem kleinen Pfeil auf den Karten. Ich kann einen Schlüssel aber auch abgeben, um die Karten der Reihe, wo der Herold steht, komplett abzuräumen und drei neue Karten aufzudecken. Das kann dann hilfreich sein, wenn ich mit dem dort ausliegenden Karten gar nichts anfangen kann und die andere Reihe auch nichts Attraktives beinhaltet.

Sollte ich weder Schlüssel besitzen, um zu wechseln, noch Gold haben, um eine Karte kaufen zu können, dann ist es auch möglich eine Karte, aus der gerade vom Herold besuchten Reihe, zu nehmen, ohne dafür zu bezahlen. Dann muss ich diese Karte aber auf die Rückseite drehen und erhalte so sechs Gold und zwei Schlüssel. Diese Karte hat ansonsten keinerlei weitere Funktion oder Wert; sie zählt in der Endabrechnung einfach nicht mit. Ich muss die umgedrehte Karte aber ansonsten wie jede andere Karte auch in mein Raster aus drei mal drei Karten legen. Sie blockiert damit einen Platz. Am Ende wird dann jede Karte auf ihrer Position im Raster gewertet. Wer die meisten Punkte in Summe hat, gewinnt.
Einschätzung

Die Grundidee von „Castle Combo“ ist nichts neues. Aktuell verfolgt das Spiel „Pixies“ das gleiche Prinzip. Ich nehme Karten aus einer Auslage und platziere sie möglichst Punkteträchtig in einem Raster von drei mal drei Karten. Aber, die Art wie „Castle Combo“ das macht ist dann schon außergewöhnlich und sehr ansprechend. Zum einen ist es eins jener Spiele, die schnell erklärt sind, weil es nur wenige Grundregeln gibt und die dennoch einen unheimlich hohen Spielreiz entwickeln. Ich nehme eine Karte und lege sie in ein Raster. Wie ich das mache ist simpel. Die taktische Raffinesse kommt aber durch die Eigenschaften der Karten und wie sie miteinander wirken.

Natürlich ist da auch ein gewisser Glücksfaktor dabei, der aber durch den Einsatz der Schlüssel abgemildert wird. Also sollte ich möglichst schauen, immer einen Schlüssel zur Hand zu haben, wenn ich ihn brauche und keine Schlüssel unnötig auszugeben. Außerdem ist jeder Schlüssel am Ende auch einen Siegpunkt wert. Auch mit meinem Gold muss ich haushalten und da klug agieren, denn eine umgedrehte Karte in meinem Raster will ich möglichst vermeiden, aber manchmal muss es eben sein.
Auch, wenn „Castle Combo“ leicht zugänglich ist, die Symbole auf den Karten müssen erst einmal verstanden werden! Doch da hilft die hervorragende Spielanleitung und eine ebenso gute Symbolübersicht. Weil jede Karte bei „Castle Combo“ einzigartig ist, ist auch jede Partie anders und das macht dieses Spiel auch so reizvoll, dazu kommt die lustige Gestaltung der Karten und die kurze Spieldauer. Das alles macht „Castle Combo“ zu einem Spiel, das für viele Menschen sehr gut geeignet ist. Für solche, die oft spielen oder auch nur wenig. Ein klasse Familienspiel, das es völlig zurecht auf die Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres geschafft hat.
„Castle Combo“
Autor: Grégory Grard und Mathieu Roussel
Verlag: Kosmos Verlag
Für 2 – 5 Personen
Ab 10 Jahren
Dauer: 30 Minuten
Preis: 20 Euro
