Der Kartograph

© Pegasus Spiele

Ein Spiel, das gleichzeitig von Einhundert Spielern gespielt werden kann! Und zwar nicht online, sondern klassisch analog, an einem Tisch oder zumindest in einem Raum, das verspricht „Der Kartograph“ zu sein. Steht doch vollmundig auf der Schachtel: Für 1 – 100 Spieler. Tatsächlich ist das aber wohl eher nur eine theoretische Möglichkeit. Praktisch kann „Der Kartograph“ von bis zu acht Spielern gleichzeitig gespielt werden, ideal sind vier bis sechs. Aber die ungewöhnliche Spielerzahlangabe war sicher auch nicht der Grund, warum „Der Kartograph“ für das Kennerspiel des Jahres nominiert war.

 

 

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Wie funktioniert es?
Bei „Der Kartograph“ hat jeder Spieler die Aufgabe eine Landkarte, die am Anfang noch fast völlig leer ist mit Wäldern und Feldern, mit Wasserläufen und Dörfern zu füllen. Vorhanden auf der Landkarte mit Kästchenmuster sind von Anfang an schon einige Gebirge und Ruinen. Gespielt wird „Der Kartograph“ über vier Runden, die den vier Jahreszeiten entsprechen. Es beginnt im Frühling und endet im Winter. Die Jahreszeiten haben dabei zum Teil unterschiedliche Längen. Das heißt, dass nicht jede Runde gleich lang dauert. In jeder Runde gilt es möglichst zwei vorher festgelegte Bedingungen zu erfüllen, die auf Wertungskarten zu sehen sind. Die zeigen, womit in den jeweiligen Jahreszeiten Punkte zu sammeln sind. Die Bedingungen, die es pro Runde zu erfüllen gilt, sehen alle Spieler schon vor Spielbeginn und sie können sich also schon am Anfang der ersten Runde darauf einstellen was am Ende der letzten Runde Punkte bringen wird und das schon mit in ihre Überlegungen während des Spiels einbeziehen. In dem Bereich gibt es also keine Überraschungen.

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Die Karten liegen wortwörtlich offen auf dem Tisch. Damit die Spieler wissen, welche Landschaften sie in ihre Landkarte eintragen dürfen gibt es sogenannte Erkundungskarten. Sie zeigen an welche Geländeart und in welcher Form diese auf der Landkarte eingetragen werden darf. Dabei ist es erlaubt die Form zu drehen oder zu spiegeln. Der Stapel mit den Erkundungskarten wird gemischt und die oberste Karte wird aufgedeckt. Jeder Spieler trägt dann die Geländeart und die Form bei sich ein. Dabei gibt es Karten, die nur eine Form zeigen, aber die Wahl zwischen zwei Geländearten erlauben und Karten, die nur eine Geländeart vorgeben, aber zwei verschiedene Formen zur Wahl lassen.

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Als Spieler muss ich dabei darauf achten, dass ich meine Landkarte so fülle, dass es mir entweder direkt in dieser Runde etwas nutzt oder dann aber in einer späteren Runde. Gleichzeitig muss ich natürlich auch noch bestimmte Regeln beachten. So dürfen die Gebirge auf der Landkarte nicht übermalt werden. Es bringt aber Pluspunkte ein, wenn die horizontalen und vertikalen Felder, um die Gebirge herum mit Landschaften versehen werden. Es ist auch nicht erlaubt, über den Rand der Landkarte zu zeichnen. Eine Besonderheit bilden die Ruinenkarten unter den Erkundungskarten. Wird so eine Ruine aufgedeckt, wird unmittelbar die nächste Erkundungskarte aufgedeckt.

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Die Fläche der nun aufgedeckten Karte muss über eines der Ruinenfelder gemalt werden, die sich schon auf der Landkarte befinden. Hat jeder Spieler bei sich etwas eingezeichnet, wird die nächste Erkundungskarte aufgedeckt. Das geht so lange, bis das Limit für die aktuelle Jahreszeit erreicht ist. Dann wird diese Runde beendet und gewertet und die nächste Runde beginnt. Wobei nun alle Erkundungskarten, die verwendet wurden mit den Karten zusammengemischt werden, die in der Runde nicht verwendet wurden. Daraus entsteht der Ziehstapel für die nächste Runde. Zu erwähnen sind noch die Hinterhaltkarten. Wenn so eine Karte aufgedeckt wird, wird die eigene Landkarte an einen benachbarten Spieler weitergegeben.

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Dieser darf nun eine Fläche, die auf der Hinterhaltkarte angegeben ist, auf die Landkarte des anderen Spielers zeichnen. Diese Felder bringen Minuspunkte ein, wenn sie am Ende einer Runde nicht mit Landschaftsfeldern umgeben sind. Jede Runde wird eine neue Hinterhaltkarte dem Stapel der Erkundungskarten hinzugefügt. Gut nur, dass Hinterhaltkarten, die aufgedeckt wurden, komplett aus dem Spiel entfernt werden. Nach dem Ende der vierten Runde werden die Ergebnisse jeder einzelnen Runde addiert. Wer nun die meisten Punkte hat gewinnt.

Einschätzung
Als ich „Der Kartograph“ zum ersten Mal gesehen habe, habe ich nicht ganz verstanden, warum dieses Spiel so viele Leute so begeistert. Inzwischen kann ich das ganz gut nachvollziehen.

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Wie bei vielen guten Spielen kommt auch „Der Kartograph“ mit wenigen, aber sehr gut gewählten Regeln aus. Karte aufdecken und in einem eingeschränkten Raster Form und Geländeart einzeichnen. Mehr ist es im Grunde nicht. Und dennoch hat „Der Kartograph“ eine gehörige Spieltiefe. Weil ich über das gesamte Spiel hinweg planen und eine Strategie verfolgen kann. Jede Wertungskarte, mit ihrer Bedingung liegt ja von Anfang an offen und ändert sich auch nicht. Also kann ich bei jeder aufgedeckten Erkundungskarte überlegen, für welche Wertung sie mir nützen soll. Dabei ist die Zahl der Erkundungskarten mit 13 recht überschaubar. Ich kann sogar darauf spekulieren, welche Karte kommen könnte und entsprechend meine Gelände einzeichnen. Wobei das Glück natürlich schon eine Rolle spielt. Aber es fällt nicht zu sehr ins Gewicht.

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Natürlich wird es zum Ende des Spiels immer schwerer die Geländeformen noch regelgerecht einzutragen. Das muss aber noch nicht einmal ein Nachteil sein. Also mich überzeugt das Spiel auf ganzer Linie. „Der Kartograph“ ist ein Kennerspiel, aber durchaus auch für Gelegenheitsspieler geeignet, wenn sie sich drauf einlassen. Manchmal braucht es auch eine Partie um reinzukommen und dann entwickelt es eine eigene Dynamik. Mir macht es viel Spaß, weil es eben auch so variabel und immer wieder neu ist, obwohl der Ablauf ja immer gleich ist. Also für mich ist das auch als Familienspiel tauglich. Ein Tipp noch: Buntstifte verwenden! Fünf Farben: Grün, Blau, Gelb, Rot und Violett reichen aus. Aber das hilft um den Überblick zu behalten und es sieht einfach viel schöner aus, als wenn man nur mit Bleistift malt. Für mich ist „Der Kartograph“ ein Highlight unter den Spielen in diesem Jahrgang und hat es zu Recht unter die nominierten Spiele für das Kennerspiel des Jahres 2020 geschafft.

„Der Kartograph“
Autor: Jordy Adan
Verlag: Pegasus-Spiele
Für 1 – 8 Spieler
Ab 10 Jahren
Dauer: 30 – 45 Minuten
Preis: 18 Euro

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