Die Gilde der fahrenden Händler

© Skellig Games

Das Spiel des Jahres ist weltweit die älteste und renommierteste Auszeichnung für Gesellschaftsspiele. Seit 1979 wird dieser Preis jedes Jahr durch eine Jury vergeben. Im Laufe der Jahrzehnte sind zum ursprünglichen Preis noch das Kinderspiel des Jahres und das Kennerspiel des Jahres dazugekommen. Immer im Mai werden die nominierten Spiele vorgestellt und dann werden im Juli die Gewinnerspiele bekannt gegeben. So wird es auch kommenden Dienstag, dem 20. Mai, sein. Dann wird von der Spiel des Jahres Jury verraten, wer in die engere Auswahl für die begehrte Auszeichnung kommt.

Ein Spiel, das es im vergangenen Jahr unter die TOP 3 beim Kennerspiel des Jahres geschafft hat, war „Die Gilde der fahrenden Händler“. Beim Spiel von Matthew Dunstan und Brett J. Gilbert, das bei Skellig Games erschienen ist, geht es um das Erkunden ferner Länder.

Wie funktioniert es?

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Bei „Die Gilde der fahrenden Händler“ entscheiden wir uns zunächst für eine von vier möglichen Landkarten einer Region. Alle erhalten dann je eine Landkarte der ausgesuchten Region und legen diese vor sich ab. Die Landkarte zeigt dann für alle eine identische Region mit verschiedenen Ländern. Die Länder und Meere sind in Sechseckfelder aufgeteilt.

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Es gibt vier Geländearten: Wüste, Grasland, Berge und Gewässer. Zu sehen sind auch Städte und Felder mit Münzen, Ruinen und besondere Türme. Wir alle erhalten in der von uns gewählten Farbe Kundschafter in Form von kleinen Holzwürfeln, sowie Dörfer, die wir als Vorrat neben die Landkarte legen. Das ist schon der komplette persönliche Aufbau.

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Für alle gemeinsam werden drei Zielkarten ausgelegt, die es im Laufe des Spiels zu erreichen gilt. Wer ein Ziel zuerst erfüllt, bekommt dafür eine höhere Belohnung als alle, die es später auch noch schaffen.

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Dann gibt es noch vier Karten, die Gewässer-, Wüsten-, Grasland- und Gebirgsfelder zeigen und dazu eine Joker-Karte. Mit der kann ich mir die Geländeart aussuchen. Gespielt wird über vier Runden und für jede Runde kommt dann noch eine besondere Karte hinzu.
Die zunächst sechs Karten werden gemischt und dann wird die erste Karte aufgedeckt. Nun platzieren alle gleichzeitig ihre Kundschafter auf ihrer Landkarte, und zwar auf entsprechende Felder der aufgedeckten Karte.

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Wurden also zwei Graslandfelder aufgedeckt, dann müssen unsere Kundschafter auf zwei Graslandfelder auf der Landkarte. Ich darf aber nicht beliebige Graslandfelder irgendwo auf meiner Landkarte wählen, sondern ich setze meine Kundschafter immer ausgehend von der zentralen Stadt, die es auf jeder Landkarte gibt, oder einem Dorf, von denen ich welche nach und nach ins Spiel bringen kann, ein. Ich kann neue Kundschafter auch neben bereits ausliegende Kundschafter einsetzen. So breite ich mich langsam über die Landkarte aus. Ich muss also ein wenig darauf spekulieren, was als nächstes kommen könnte und danach planen. Vereinfacht wird das alles dadurch, dass ich weiß, welche Karten im Spiel sind.

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Die einzige unbekannte ist die Karte, die für jede Runde speziell ins Spiel kommt. Wird diese Karte mit der Zahl der Runde aufgedeckt, dann ziehe ich zwei Karten von einem Stapel mit Erkundungskarten. Ich entscheide mich für eine der beiden Karten und setze Kundschafter auf meiner Landkarte entsprechend den grundsätzlichen Regeln und den Anweisungen auf der von mir gewählten Erkundungskarte ein. Dann lege ich diese Karte an den Rand meiner Landkarte. Wird nun in einer späteren Runde die Karte für diese Runde gezogen, löse ich die gewählte Erkundungskarte wieder aus.

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Wenn alle Karten innerhalb einer Runde aufgedeckt wurden, endet eine Runde und ich muss alle Kundschafter wieder von der Landkarte nehmen! Ich starte also immer von vorne – mehr oder weniger. Denn ich kann auch ausgehend von Dörfern, die ich gegründet habe, in eine Runde starten.

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Ein Dorf kann ich dann gründen, wenn ich alle zusammenhängenden Felder in einem Gebiet mit dem gleichen Geländetyp belegt habe. Nicht zulässig dafür sind aber Felder mit Münzen oder Städten; und im Wasser kann ich auch kein Dorf gründen.
Ein Dorf zu gründen bringt mir neben den besseren Startmöglichkeiten für nächste Runden auch noch Geld ein. Die Menge des Geldes für neue Dörfer steigt mit den Runden. Ich bekomme auch Geld über Felder, auf denen Münzen abgebildet sind.

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Außerdem erhalte ich Geld, wenn ich spezielle Türme, die über die Landkarte verteilt sind, entdecke; und auch Schatzkisten in Ruinen bringen Geld. Und wenn ich Städte miteinander verbinde, dann habe ich damit eine Handelsroute und auch das bringt Geld ein. Es gibt eine ganze Menge Geld zu verdienen bei „Die Gilde der fahrenden Händler“. Ich muss nur immer daran denken, mir dieses Geld dann auch zu nehmen. Gerade in den ersten Partien kann das schon mal vergessen gehen. Am Ende gewinnt, wer nach vier Runden das meiste Geld sammeln konnte.

Einschätzung

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Die Regeln dieses Kennerspiels sind überschaubar und schnell zu verstehen. Und dennoch hat es eine schöne taktische und auch strategische Tiefe. Letztere kommt unter anderem durch die drei zusätzlichen Ziele, die immer am Anfang einer Partie festgelegt werden. Schön ist auch, dass es viele Varianten des Spiels durch die unterschiedlichen Landkarten, die Entdeckungskarten, die ich während des Spiels ziehe und dann auch die Ziele, die sich ändern, gibt. Jede Partie ist anders. Was ich auch schön finde, ist der Neustart nach jeder Runde. Dadurch werde ich gezwungen Dörfer ins Spiel zu bringen. Was ich nicht verstehe, das ist die Altersangabe des Verlags: 14 Jahre. Das Spiel kann locker ab zehn Jahren gespielt werden.

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Sicher, es geht um das taktische Vorausplanen und Spekulieren, was als nächstes wohl kommen könnte, aber dafür muss man nicht 14 sein. Über die Illustration gehen die Meinungen sehr auseinander. Ich finde es angemessen, dass ein Spiel mit diesem Setting in eher gedämpften Farben gehalten ist. Mir gefällt „Die Gilde der fahrenden Händler“ sehr gut! Auch, weil es ein gutes Spielgefühl mit doch wenigen Mitteln erzeugt.

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Vielleicht liegt das auch daran, dass ich ständig belohnt werde, wenn ich es richtig anfange. Der Aspekt, dass alle immer gleichzeitig agieren, hält das Spiel zudem angenehm kurz. „Die Gilde der fahrenden Händler“ ist ein Kennerspiel, aber nicht kompliziert. Wirklich eine klare Empfehlung, besonders für Leute, die sich im gehobenen Familienspielbereich und leichten Kennerspielbereich zuhause fühlen oder auch für Leute, die sich in den Bereich der Kennerspiele vorwagen wollen.

„Die Gilde der fahrenden Händler“
Autor: Matthew Dunstan, Brett J. Gilbert
Verlag: Skellig Games
Für 1 – 4 Personen
Ab 10 Jahren
Dauer: 45 Minuten
Preis: 40 Euro

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