Die Quacksalber von Quedlinburg

© Schmidt Spiele

Die Liste der nominierten Spiele für das Spiel des Jahres und Kennerspiel des Jahres war in diesem Jahr kurios. Gleich drei Mal war dort der Name Wolfgang Warsch als Autor eines jener sechs Spiele zu lesen. Der Newcomer aus Österreich hatte offensichtlich den Nerv der Jury getroffen. Letztlich hat er mit „Die Quacksalber von Quedlinburg“ den Preis fürs Kennerspiel des Jahres abgeräumt. Darin treten die Spieler als die besten Quacksalber und Kurpfuscher des Landes in einen nervenaufreibenden und spannenden Wettstreit.

Wie funktioniert es?
Jeder Spieler verfügt über einen Kessel – sein persönliches Spielertableau. In die Mitte seines Kessels legt jeder Spieler einen Tropfen in seiner Spielerfarbe. Dann hat jeder Spieler noch einen Beutel. Aus dem Beutel ziehen die Spieler simultan Zutaten für ihre Tränke, die sie dann in den Kessel legen. Die Zutaten gibt es in Form von Pappchips mit Zahlenwerten von eins bis vier.

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Entsprechend ihres Wertes wird die eben gezogene Zutat so viele Felder vom Tropfen bzw. von der letzten Zutat entfernt im Kessel platziert. Eine Zutat mit dem Wert eins darf der Spieler ein Feld weiter legen, mit dem Wert zwei geht es zwei Felder weiter, usw. So geht es in einer Spirale von der Mitte des Kessels nach außen zum Kesselrand. Je weiter die Spieler mit ihren Zutaten kommen, desto mehr Siegpunkte gibt es und auch Geld. Letzteres wird benötigt, um sich neue und bessere Zutaten zu kaufen. Klingt einfach, ist es auch. Doch die Sache hat natürlich einen Haken. In jedem Beutel befinden sich von Anfang an neben einem orangenen und grünen Chip auch etliche weiße Knallerbsen-Chips. Die haben eine fatale Wirkung, wenn zu viele von ihnen im Kessel landen, dann explodiert dieser nämlich. Die Konsequenz: Der Spieler, dessen Kessel explodiert, darf keine weiteren Zutaten mehr aus seinem Beutel ziehen. Außerdem muss sich dieser Spieler entscheiden, ob er lieber die Siegpunkte oder das Geld nehmen will. Spieler, die rechtzeitig aufgehört haben und deren Kessel nicht explodiert ist, bekommen sowohl Siegpunkte als auch Geld. Denn jeder Spieler kann sich auch freiwillig dazu entschließen, keine Zutaten mehr aus seinem Beutel zu ziehen. Zum Zeichen, dass er aufhört, legt der Spieler seinen Beutel vor sich ab. Haben alle Spieler – freiwillig oder erzwungen – aufgehört Zutaten zu platzieren, wird geschaut, wer im Kessel wie weit gekommen ist. Der Spieler, dessen Kessel nicht explodiert ist und am weitesten vorne liegt, darf einen Bonuswürfel werfen. Danach werden von allen Spielern Aktionen ausgeführt, die durch Zutaten im Kessel ausgelöst werden. Dann gibt es unter Umständen noch Rubine einzusammeln, die es auf einigen Feldern im Kessel zu finden gibt. Rubine können später genutzt werden, um zum Beispiel den eigenen Tropfen im Kessel nach vorne zu bewegen und so eine bessere Ausgangsposition zu haben. Oder um eine Flasche wieder zu aktivieren, über die jeder Spieler verfügt. Die Flasche erlaubt es den Spielern einmal pro Runde eine eben gezogene Knallerbse wieder in den Beutel zurückzuwerfen.

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Geht aber nicht, wenn durch die gezogene Knallerbse der Kessel explodieren würde. Dann gibt es Siegpunkte und Geld, mit dem die Spieler wie erwähnt neue Zutaten einkaufen können. Ist das alles geschehen, werden alle Zutaten aus dem Kessel, gemeinsam mit den neu erworbenen zurück in den Beutel geworfen. Und eine neue Runde beginnt. Gespielt wird über insgesamt neun Runden. Ab der zweiten Runde kommen noch Rattenschwänze ins Spiel, die einen gewissen Ausgleich zwischen dem führenden Spieler und den zurückliegenden Spielern schaffen sollen.

Einschätzung
Die Meinungen zu „Die Quacksalber von Quedlinburg“ sind durchaus unterschiedlich. Manchen ist zu viel Zufall oder Glück im Spiel. Wenn ich Pech habe, ziehe ich eben just die eine Knallerbse unter einem Dutzend anderer Chips, die meinen Kessel zur Explosion bringt. Für andere besteht genau darin der Reiz dieses Spiels. Ich zähle zu letzterer Gruppe. Das Spiel zieht einen Großteil seiner Spannung aus der Tatsache, dass ich eben nicht mit Sicherheit weiß, ob das gutgeht, was ich mir vorgenommen habe. Auf der anderen Seite kann es auch kein Zufall sein, dass einige Spieler eigentlich immer ganz gut abschneiden. Es ist wohl eher eine Frage des Zockens als des Glücks, ob ich Erfolg habe oder nicht. Außer Frage steht dagegen, dass es unter den Zutaten, die ich für meinen Trank einkaufen kann, starke und weniger starke Chips gibt. Wer mit dem ersten Zutaten-Set spielt (es gibt insgesamt vier), merkt bald, dass die blauen, schwarzen und lila Chips immer nützlich sind. Der Wert der roten, grünen und gelben Chips dagegen ist völlig davon abhängig, wann ich die Chips ziehe. Doch das mir zur Verfügung stehende Geld, lässt mir ja nicht immer die Wahl und so greife ich auch zu den Farben, die nicht ganz so stark erscheinen.

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Die Idee, zurückliegenden Spielern durch die Rattenschwänze eine bessere Chance einzuräumen, ist gut und funktioniert durchaus. Selbst, wer zwischendurch völlig abgeschlagen erscheint, kann noch beträchtlich aufholen. Die sogenannten Wahrsagekarten, die zu Beginn jeder Runde aufgedeckt werden, sind indes die reinste Wundertüte. Manchmal helfen sie den Spielern, die zurückliegen, manchmal bringen sie nur den ohnehin schon führenden Spielern noch Vorteile. Auch das ein Glückselement, das man bemängeln kann, wenn man will. Generell ist „Die Quacksalber von Quedlinburg“ kein Spiel für Leute, die nicht gut mit Frust umgehen können. Für alle anderen ist es aber ein großer Spaß … bis der Kessel explodiert. Mir hat es sehr gut gefallen und ich spiele es immer wieder gerne, auch wenn ich bisher noch nie gewinnen konnte. Aber der Reiz liegt im Spiel. Für ein Kennerspiel hat „Die Quacksalber von Quedlinburg“ einen erfreulich leichten Zugang und eine kurze Spieldauer. Das liegt an den im Grunde einfachen Regeln und dem schnell verinnerlichten Rundenablauf. Meiner Meinung nach hat „Die Quacksalber von Quedlinburg“ den Preis als Kennerspiel absolut verdient.

„Die Quacksalber von Quedlinburg“
Autor: Wolfgang Warsch
Verlag: Schmidt Spiele
Für 2 – 4 Spieler
Ab 10 Jahren
Dauer: 45 Minuten
Preis: ca. 35 Euro

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