
Erfolgreiche und beliebte Spiele ziehen oft eine Erweiterung und dann ein Spiel für zwei Personen nach sich. Beispiele dafür sind „Catan“, „7 Wonders“ oder auch „Flügelschlag“. Eine sehr schnelle Abfolge was Erweiterung und Spiel für zwei Personen angeht hat der Kosmos Verlag mit dem Spiel „Die Weiße Burg“ hingelegt. 2023 hat Kosmos das Spiel des Duos Sheila Santos und Israel Cendrero herausgebracht. Dann folgte 2024 die Erweiterung „Die Tee-Zeremonie“ und nun ist letzten Herbst die Version für zwei Personen „Die Weiße Burg – Das Duell“ herausgekommen. Grund für diese schnelle Abfolge ist sicher auch die Beliebtheit des Spiels. „Die Weiße Burg“ hat 2024 den dritten Platz beim Deutschen Spielepreis erreicht und damit gezeigt, dass es bei Menschen, die viel spielen sehr hoch in der Gunst steht.
Wie funktioniert es?

Ähnlich wie bei „Die Weiße Burg“ gibt es auch beim Spiel für zwei Personen einen zentralen Spielplan, der sich in mehrere Bereiche teilt. Wie im Grundspiel gibt es die Burg, in die wir unsere Höflinge schicken, um hier aufzusteigen. Je höher unser Höfling kommt, umso mehr Punkte gibt es am Ende des Spiels.

Dann gibt es auch wieder den Übungsplatz, wo wir uns einbringen können und auch der Bereich der Gärten ist wieder vorhanden, ist aber völlig anders aufgebaut. Neu ist ein Handelsbereich, der Zugang zu ebenfalls neuen Einfluss-Karten und anderen Plättchen verschafft, die bei der Endwertung relevant sind.

Der markanteste Unterschied ist sicher, dass es diesmal keine Würfel gibt, die wir aus einem Bereich auf dem zentralen Spielplan auswählen und in unterschiedlichen Bereichen auf dem zentralen Spielplan einsetzen. An ihrer Stelle treten sechs Steine, die von unserem persönlichen Tableau kommen. Deutliche Unterschiede gibt es auch auf dem persönlichen Tableau, das alle haben. Hier fallen die Reihen mit den Figuren der Höflinge, Gärtner und Krieger weg. Anstatt der Figuren werden nun Familiensiegel im Übungsplatz und im Gartenbereich eingesetzt. Außerdem werden die Laternen-Karten nun in drei statt einer Reihe an das persönliche Tableau angelegt und es gibt jetzt neu Einflusskarten in der Burg, die wir ebenfalls an unser persönliches Tableau anlegen. Zu Beginn gibt es schon einmal ein paar Startressourcen.

Der neue Kern bei „Die Weiße Burg – Das Duell“ besteht darin, dass es eine Phase gibt, in der wir jeweils abwechselnd die bereits erwähnten sechs Laternen-Steine, jeweils zwei rote, schwarze und weiße, auf sechs Laternen-Felder auf dem zentralen Spielplan einsetzen und damit Laternen-Karten, die an unserem persönlichen Tableau angelegt sind, und Aktionen auf dem zentralen Spielplan auslösen.

In einer zweiten Phase, der Rückholphase, nehmen wir sechs Laternen-Steine auch wieder zurück, das müssen nicht unsere sein, und lösen damit erneut Laternen-Karten und Aktionen aus. Mehr machen wir tatsächlich nicht. Abhängig davon welche Farbe das Laternen-Feld hat oder der Laternen-Stein, der bereits auf einem Laternen-Feld steht, auf den wir einen Laternen-Stein setzen, lösen wir zunächst die entsprechende farblich passende Reihe von Laternen-Karten an unserem Tableau aus. So erhalten wir Ressourcen, die wir nutzen können, um die Aktionen zu nutzen.

Die Aktionen gibt es immer links und rechts von unserem eingesetzten Laternen-Stein. Es sind Aktionsplättchen, die wir damit aktivieren oder auch Einfluss-Karten, die wir nehmen dürfen. Diese Einfluss-Karten legen wir am persönlichen Tableau an. Die Einfluss-Karten haben Kosten, die wir bezahlen müssen, um sie nehmen zu können. Haben wir die Kosten bezahlt, können wir zunächst den Soforteffekt der Karte nutzen. Damit mir eine Einfluss-Karte am Ende des Spiels zu Siegpunkten verhelfen kann, muss ich sie aber noch aufwerten. Das Aufwerten der Einfluss-Karten ist eine von sechs Aktionen, die ich durch das Setzen eines Laternen-Steins auslösen kann. Andere Aktionen erlauben mir das Einsetzen eines Familiensiegels auf dem Übungsplatz oder im Gartenbereich, das Voranschreiten mit meinem Höfling in der Burg, das Nutzen des Handelsbereichs und das nochmalige Aktivieren einer Reihe von Laternen-Karten.

Aktionen kann ich in beliebiger Reihenfolge auslösen und auch auf Aktionen verzichten. Wenn ich das tue, kann ich die sogenannte Brunnenaktion nutzen. Sie liefert mir eine der drei Ressourcen Nahrung, Eisen oder Perlmutt oder wahlweise eine Münze oder Daimyo-Siegel oder einen Siegpunkt oder ein Aktionstausch-Plättchen. Diese Aktionstausch-Plättchen können wichtig sein, um eine gewünschte Aktion noch ausführen zu können, selbst wenn ein benachbartes Laternen-Feld nicht mehr genutzt werden kann. Denn auf einem Laternen-Feld können maximal drei Laternen-Steine stehen und jeder muss eine andere Farbe haben. Steht auf einem Laternen-Feld in der Rückholphase kein Laternen-Stein mehr, dann können die benachbarten Aktionen auch nicht mehr ausgeführt werden.

Ist die Rückholphase vorbei, kommt es zur finalen Wertung. Zu meinen während des Spiels bereits erzielten Siegpunkten, kommen nun noch weitere hinzu. Fahnen, die ich auf aufgewerteten Einfluss-Karten und in anderen Bereichen habe, werden mit der Position meines Höflings in der Burg multipliziert. Die Anzahl meiner Familiensiegel im Bereich des Übungsplatzes werden mit Katanas und Kabutos, die ich auf aufgewerteten Einfluss-Karten und in anderen Bereichen habe, multipliziert. Dann werden noch blaue und weiße Kraniche, die ich im Laufe des Spiels sammeln konnte, miteinander multipliziert. Dazu kommen die Siegpunkte für restliche Ressourcen und Münzen und Daimyo-Siegel. Wer nun die meisten Punkte vorweisen kann, hat gewonnen.

Einschätzung
„Die Weiße Burg – Das Duell“ ist tatsächlich ein echtes Duell, bei dem ich an manchen Stellen meinem Gegenüber zuvorkommen muss. Große Bedeutung hat dabei die Wahl der Laternen-Steine. Die entscheidende Frage lautet hierbei: Wann setze ich welchen Stein wo auf dem Spielplan ein. Da sollte ich auch immer schauen, welche Möglichkeiten ich meinem Gegenüber noch lasse oder auch nehme. Da spielen die Einschränkungen beim Setzen der Laternen-Steine eine wichtige Rolle. Vor allem muss ich schauen, wie ich das Optimum aus meinen Aktionen heraushole. Bei nur zwölf Steinen, die ich setzen bzw. wieder zurückholen kann, sind meine Möglichkeiten an Aktionen doch recht beschränkt.

Da kann eine falsche Entscheidung schon den Sieg kosten. Also ich muss sehr konzentriert an die Sache rangehen. In welcher Reihenfolge mache ich Aktionen, welche Einfluss-Karten kann ich brauchen, wann sollte ich auf eine Aktion verzichten und lieber die Brunnenaktion wählen, all das will bedacht sein. Wichtig ist auf jeden Fall frühzeitig weitere Laternen-Karten zu holen und so möglichst viel davon zu haben, wenn ich durch das Setzen eines Laternen-Steins eine Reihe mit Laternen-Karten aktiviere.

Ich finde diese extreme Kompaktheit bei gleichzeitig hoher Komplexität sehr spannend und reizvoll. Das Material ist sehr schön, die Spielanleitung vorbildlich, die Spieldauer kurz und knackig, vollgestopft mit Entscheidungen. Mir gefällt auch der sehr variable Spielaufbau. Dadurch gibt es immer wieder neue Konstellationen und ich kann nicht bei jeder Partie einfach immer wieder dasselbe machen. Dazu passt es eben auch, dass es mehrere Wege gibt zu gewinnen. Es ist nicht nötig das ursprüngliche Spiel „Die Weiße Burg“ zu kennen. Und „Das Duell“ unterscheidet sich genug, um es auch zu spielen, wenn man das ursprüngliche Spiel schon kennt und gespielt hat. Ich bin auf das Angenehmste angetan von diesem Spiel. Ein Muss für alle, die gerne komplexe und kompakte Spiele für zwei Personen im Duell mögen.
„Die weiße Burg – Das Duell“
Autor: Sheila Santos, Israel Cendrero
Illustration: Joan Guardiet
Verlag: Kosmos
Für 2 Spieler
Ab 12 Jahren
Dauer: 45 Minuten
Preis: 25 Euro
