
Es ist schon erstaunlich, da fliegen die Menschen in die Tiefen des Weltraums, um unbekannte Welten zu erkunden, dabei gibt es in den Tiefen der Ozeane hier auf der Erde noch so viel zu entdecken. „Endeavor – Die Tiefsee“, das bei Frosted Games erschienen ist, führt auf sehr elegante, unterhaltsame und anspruchsvolle Weise in diese tiefsten Tiefen der Ozeane. Das Spiel der beiden Autoren Carl de Visser und Jarratt Gray wurde in diesem Jahr dann auch als Kennerspiel des Jahres ausgezeichnet.
Wie funktioniert es?

In „Endeavor – Die Tiefsee“ erkunden wir die Tiefen des Ozeans und erfüllen dabei, so der Plan, möglichst viele Aufgaben, die uns gestellt werden. Dazu tauchen wir ab bis in den Bereich, wo kein Licht mehr hinkommt, viertausend Meter tief. Dafür gibt es Ozeankacheln in fünf verschiedenen Tiefenstufen.

Doch erst einmal müssen wir uns aus mehreren verschiedenen Szenarien eins auswählen, das wir spielen wollen, miteinander oder gegeneinander. Das ist beides möglich und ich kann auch eine Soloversion spielen. Eine Partie dauert immer sechs Runden, nur die Soloversion gönnt einem sieben Runden, um die gestellten Aufgaben zu erfüllen.

Nachdem wir uns für ein Szenario entschieden haben, suchen wir die auf dem gewählten Szenarioplan angegebenen Ozeankacheln heraus und platzieren sie entsprechend der Vorgabe des Plans. Außerdem sehen wir auf dem Szenarioplan welche Herausforderungen wir zu meistern haben und welche Aufgaben wir in der kooperativen Variante oder Solovariante zu erfüllen haben. Auf den Szenarioplan legen wir auch unsere Marker, mit denen wir Einfluss und Punkte sammeln können.

Dann legen wir das Inlay bereit, auf dem bereits alle später wählbaren Charaktere sortiert bereitliegen. Zudem werden Forschungskarten gemischt und vier Startforschungskarten schon mal ausgelegt. Forschunsgkarten dienen vor allem dazu Charaktere zu verbessern.

Alle erhalten Scheiben in der jeweils gewählten Farbe, sowie sechseckige Marker, fünf Leistenanzeiger und drei U-Boote. Alle bekommen je ein eigenes persönliches Tableau, auf dem ich mich in mehreren Bereichsleisten weiterentwickeln sollte, um mehr und bessere Aktionen ausführen zu können. Auf jede Leiste kommt einer der fünf Anzeiger. Die erste Leiste gibt vor, wie qualifiziert die Charaktere sein können, von denen ich mir jede Runde einen neuen in meine Crew holen kann. Die zweite Leiste bestimmt die Anzahl der Scheiben, die ich erhalte, um diese auf Charaktere zu legen und die Charaktere dadurch zu aktivieren. Die dritte Leiste wiederum erlaubt es mir Scheiben wieder von Charakteren herunterzunehmen, weil ich mit ihnen in der Runde davor Aktionen durchgeführt habe. Die vierte Leiste bestimmt die Bewegungsreichweite meines U-Bootes.

Die fünfte Leiste, die Wissensleiste, unterscheidet sich von den anderen vier. Denn ich muss Wissen ausgeben, um bestimmte Aktionen durchführen zu können. Wissen bekomme ich am häufigsten, wenn ich tauche. Um Aktionen generell machen zu können benötige ich wie gesagt aber Charaktere mit den entsprechenden Fähigkeiten. Zu den möglichen Aktionen gehört zudem noch die Bewegung von U-Booten, aber auch das Forschen, der Meeresschutz und das Sonar.

Mit einem Charakter starte ich schon mal und dann läuft jeder Zug, den ich jede Runde mache, gleich ab. Ich hole einen neuen Charakter in meine Crew. Dann bekomme ich Scheiben, mit denen ich Charaktere aktivieren kann, anschließend hole ich Scheiben von Charakteren zurück, die ich letzte Runde aktiviert hatte. Und dann lege ich wieder Scheiben auf Charaktere, um ihre Fähigkeiten in dieser Runde zu nutzen und Aktionen auszuführen. Für manche Aktionen benötige ich zwei Scheiben, um damit auch noch Felder auf den Ozeankacheln belegen zu können.

Wie etwa beim Sonar, das neue Ozeankacheln ins Spiel bringt. Allerdings kann ich Charaktere nur auf einer Ozeankachel aktivieren, auf der ich auch ein U-Boot habe. Also muss ich mein U-Boot bewegen, muss neue Ozeankacheln aufdecken, tauchen und forschen. Wer das am besten macht, gewinnt. Oder wir gewinnen gemeinsam.
Einschätzung

Es gibt einen Tiefenrausch, der beim Tauchen auftreten kann. Und ein Rausch hat mich auch bei „Endeavor – Die Tiefsee“ gepackt. Ich könnte eine Partie nach der anderen spielen und es macht immer wieder neu Spaß. Ob allein, also im Solomodus, ob kooperativ oder gegeneinander! Es ist immer wieder anders und neu. Dafür sorgen die acht verschiedenen Szenarien, die verschiedene Ziele und einen unterschiedlichen Startaufbau vorgeben, von dem es aus dann auch wieder variabel mit den Ozeankacheln weiter geht.

Es ist entscheidend sehr konsequent die Fähigkeiten seiner Crew optimal auszunutzen. Dazu gehört es auch, einen Charakter im richtigen Moment auf seine bessere Stufe zu befördern. Bei der Solo- und Koop-Variante ist es dann noch viel wichtiger die Ziele klar im Auge zu haben und nur auf diese zuzuarbeiten. „Endeavor – Die Tiefsee“ ist sehr belohnend. Ich bekomme eigentlich für alles etwas und ich kann immer etwas machen. Aber es ist auch herausfordernd, denn leicht sind die Ziele nicht zu erfüllen.

Das Material ist stabil, ansehnlich und hochwertig. Besonders schön ist das Inlay mit den sortierten Charakteren. Die Regeln sind im Grunde schnell erklärt und sehr eingängig. Der Ablauf meines Zuges ist auf meinem Tableau zu sehen. Sonderfälle bei Ozeankacheln werden auf einem Extrablatt erklärt. Es wundert mich nicht, dass „Endeavor – Die Tiefsee“ zum Kennerspiel des Jahres gekürt wurde. Es bringt alles mit was ein ausgezeichnetes Spiel braucht. Aber es ist natürlich anspruchsvoll, aber auf sehr angenehme Weise.
„Endeavor – Die Tiefsee“
Autor: Carl de Visser und Jarratt Gray
Illustration: Josh Cappel, Fahed Alrajil und Maruša Gorjup
Verlag: Frosted Games
Für 1 – 4 Spieler
Ab 12 Jahren
Dauer: 120 Minuten
Preis: 65 Euro

Schön erklärt. Macht Lust auf das Spiel.