Family Inc.

© Piatnik

In meiner Kindheit habe ich gerne mit bunten Zahlen-Chips hantiert. Die Dinger gefallen mir einfach. Ein Wunder, dass ich kein Pokerspieler geworden bin, aber dafür fehlt mir das sprichwörtliche Pokerface. Als ich das Spiel „Family Inc.“ vom Wiener Piatnik Verlag in Händen hielt, war ich nicht nur wegen der vielen bunten Zahlen-Chips darin an meine Kindheit erinnert. Die gesamte Aufmachung ist ein wenig Retro. Und irgendwie ist es auch fast wie Pokern, was ich hier am Tisch erlebe, denn Glück beim Ziehen der richtigen Zahlen-Werte ist hier auch nötig.

 

Wie funktioniert es?
„Family Inc.“ besteht aus 135 Zahlen-Chips mit den Werten Eins bis Zehn. Wobei die Werte Eins bis Fünf häufiger vorkommen als die Werte Sechs bis Zehn. Alle Chips werden verdeckt auf dem Tisch in einem Haufen gemischt und dann geht es los. Bin ich dran mit meinem Zug wird erst einmal geschaut, ob ich jetzt offene Chips vor mir liegen habe, die ich in meinem letzten Zug eingesammelt habe. Ist das so, bekomme ich diese Punkte auf einer Zählleiste gutgeschrieben und räume die Chips ab.

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Was natürlich in der ersten Runde des Spiels nicht der Fall sein kann, da noch niemand Chips aus der vorherigen Runde vor sich liegen haben kann. Aber auch sonst kann dieser Punkt wegfallen. Warum, erkläre ich gleich. Nach der möglichen Wertung ziehe ich Zahlen-Chips vom verdeckten Haufen und decke sie auf. Wie lange ich das mache, dafür gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder ziehe ich so lange Zahlen-Chips, bis ich selbst freiwillig entscheide, dass ich das nicht mehr will! Dann bleiben sämtliche Chips vor mir liegen. Diese freiwillige Entscheidung kann ich aber nur treffen, wenn mich die Zahlen-Chips nicht vorher schon zu einem unfreiwilligen Ende zwingen. Dieses unfreiwillige Ende tritt dann ein, wenn ich einen Zahlen-Chip mit einem Wert aufdecke, denn ich in diesem Zug schon aufgedeckt habe. Dann sind alle Chips verloren und kommen vorübergehend aus dem Spiel und nicht wieder zurück auf den Haufen in der Mitte. Es gibt jedoch eine Glück-im-Unglück Regel. Ziehe ich bereits als zweiten oder dritten Chip einen Wert doppelt, so gehen zwar die Zahlen-Chips auch flöten, aber ich bekomme zum Trost einen Diamanten.

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Erhalte ich in meinem Zug einen dritten Diamanten, kann ich diese drei sofort gegen 50 Siegpunkte auf der Zählleiste eintauschen. Stoppe ich von mir aus rechtzeitig darf ich die Zahlen-Chips, die vor mir liegen behalten. Dann schaue ich, ob von den Werten, die jetzt bei mir liegen, auch bei anderen Spielern Zahlen-Chips ausliegen. Ist das der Fall, dann bekomme ich diese Zahlen-Chips ebenfalls zu meinen hinzu. Damit kann sich mein Bestand an Zahlen-Chips von einzelnen Werten sehr schnell erhöhen. Damit ist mein Zug beendet und ich muss hoffen, dass mir bis zum Beginn meines nächsten Zuges, meine Zahlen-Chips nicht von den anderen wieder gestohlen werden. Es gewinnt, wer auf der Zählleiste zuerst mindestens 100 Punkte sammeln konnte.

Einschätzung
„Family Inc.“ ist ein klassisches Zockerspiel, bei dem ich nicht viel überlegen muss. Die Regeln sind ja auch sehr wenige. Mehr braucht es aber auch nicht. Die einzige Frage, die sich stellt, ist ja nur: Wann höre ich auf? Nehme ich nur wenige Zahlen-Chips, mache ich vielleicht nur wenige Punkte. Nehme ich zu viele, mache ich gar keine.

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Aber die Versuchung ist eben schon groß, das Glück herauszufordern. Daneben ist dann eben auch völlig unberechenbar, was die anderen so ziehen. Gerade in einer größeren Gruppe mit sechs oder sieben Leuten ist es eher unwahrscheinlich, dass ich meine Zahlen-Chips bis zu meiner nächsten Runde behalte. Aber, wer weiß? Das alles hält den Spannungslevel aber immer ziemlich hoch. Gleichzeitig ist die Spieldauer angenehm kurz, so dass ich gerne ein paar Partien hintereinander zocken will. Das Material ist schön und solide. Bei der Zählleiste erweist sich der gewundene Verlauf manchmal als mühsam. Die Glück-im-Unglück Regel ist bei nur drei oder vier Leuten im Verhältnis zu stark. Ansonsten ist es aber eine gute Regelung, um Pechvögeln eine Chance zu geben. Und wenn ich bereits zwei Diamanten habe und andere haben viele wertvolle Zahlen-Chips, so lohnt sich das Risiko durchaus, mehr zu ziehen als es womöglich gut wäre. Entweder ich bekomme einen dritten Diamanten oder viele Chips von den anderen, damit die nicht gleich die Punkte dafür erhalten. Das macht Laune, weil ich die anderen ärgern kann und aber auch selbst geärgert werden kann, denn auch meine Punkte sind ja erst zu Beginn meines Zuges sicher. Kurz und gut: „Family Inc.“ ist das ideale Spiel für größere Runden, mit einem ganz niedrigen Einstieg und wenig Anspruch, dafür aber sehr hohem Unterhaltungswert!

„Family Inc.“
Autor: Reiner Knizia
Verlag: Piatnik
Für 2 – 7 Spieler
Ab 8 Jahren
Dauer: 15 Minuten
Preis: 17 Euro

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