
Auf die Frage, wann ein Spiel ein gutes Spiel sei, hat mir mal ein Verleger gesagt, dass das dann der Fall sei, wenn ein Spiel Menschen Spaß mache. Es kommt also weder auf die Größe des Spiels, die Länge der Spielanleitung, komplizierte Regeln, die Menge der Ausstattung, die extravagante Gestaltung, den Preis, die Dauer oder das Thema an! Das Maß aller Dinge ist die Freude, die Menschen empfinden, wenn sie ein Spiel spielen. Das gibt am Ende den Ausschlag. Das ein Spiel mit einfachen Regeln und nur wenig Ausstattung viel Freude auslösen kann, beweist auch „Flip 7“ von Eric Olson, das im Kosmos Verlag erschienen ist und für das Spiel des Jahres 2025 nominiert war. Das Ziel bei „Flip 7“ ist es, mit Zahlen-Werten auf Karten als erstes über 200 Punkte zu kommen. Dafür haben wir mehrere Runden Zeit. Wie viele es werden, hängt auch von unserer Risikobereitschaft ab.
Wie funktioniert es?

Die Regeln von „Flip 7“ sind denkbar einfach. Im Spiel gibt es 79 Zahlen-Karten mit den Werten von Null bis Zwölf. Jede Zahlen-Karte ist so oft im Spiel vorhanden, wie der Zahlenwert auf ihr angibt; mit Ausnahme der Null, die einmal im Spiel ist. Gleichzeitig ist jede Zahlen-Karte auch so oft im Spiel wie der Zahlenwert auf ihr. Also eine Zahlen-Karte mit einer Acht ist acht Punkte wert und acht Mal im Spiel. Außerdem gibt es noch drei besondere Aktionskarten und sechs zusätzliche Bonuskarten.

Alle diese Karten werden gemischt und von einer Person wird an alle je eine Karte offen ausgeteilt, die dann jeweils vor jedem Spieler offen liegen bleibt. Nun werden weitere Karten ausgeteilt oder genauer, ich werde gefragt, ob ich eine weitere Karte erhalten will. Ab der zweiten Karte muss ich mich also entscheiden, ob ich eine weitere Karte nehmen will oder, ob ich aussteige und die Punkte mitnehme, die ich bisher auf Zahlen-Karten und durch Bonuskarten gesammelt habe.

Denn sobald eine Zahlen-Karte an mich ausgeteilt wird, die ich schon offen vor mir liegen habe, scheide ich aus der laufenden Runde aus. Weshalb es eine gute Idee ist, rechtzeitig freiwillig auszusteigen.

Doch die drei Arten von Aktionskarten können mir einen Strich durch meine Planungen machen und bringen Abwechslung und Spannung ins Spiel.

Ich kann mit Ihnen zum Beispiel andere zwingen, aus einer Runde auszusteigen oder ich lasse einer Person drei Karten austeilen, mit der Chance, dass die rausfliegt. Ich kann mich bei den Aktionskarten auch selbst wählen; wenn sonst niemand mehr im Spiel ist außer mir, dann muss ich das sogar machen. Hilfreich ist die Aktionskarte, die mir erlaubt eine doppelte Zahlen-Karte abzuwehren.

Eine Runde endet auf jeden Fall, sobald die erste Person sieben verschiedene Zahlen-Karten offen vor sich liegen hat. Diese bekommt auch noch 15 Extrapunkte. Am Ende jeder Runde werden von allen Personen, die in dieser Runde nicht durch doppelte Zahlenkarten aus dem Spiel geflogen sind, die erzielten Punkte zusammengezählt. Mein Ziel ist es als erstes über mehrere Runden hinweg in der Summe 200 Punkte oder mehr erreicht zu haben.
Einschätzung

„Flip 7“ war zum Spiel des Jahres in diesem Jahr nominiert. Und das ist absolut verständlich, denn es bringt alles mit, was sich die Spiel des Jahres Jury wünscht. Die Regeln sind in einer Minute erklärt und sehr leicht zu verstehen. Und dann geht es auch schon los. Die Aktionskarten erkläre ich meist erst, wenn sie auftauchen. Durch die Aktionskarten es gibt auch eine schöne Interaktion zwischen den Leuten am Tisch. Ich kann selbst was riskieren oder andere ärgern. Generell müssen sich immer alle entscheiden: Noch eine Karte nehmen oder doch lieber aufhören.

Da geht der Puls hoch und man fiebert auch bei anderen mit. Ein sehr emotionales Spiel, bei dem aus mal laut wird und alle können mitspielen, von Leuten, die nie spielen bis zu sehr erfahrenen Vielspielern, vom Grundschulkind bis zu den Großeltern. Sehr schön finde ich auch, dass es auch mit sechs, sieben oder acht Leuten gespielt werden kann. Bei den 18 die auf der Spieleschachtel stehen, habe ich so mein Fragen, ob das funktioniert. Daneben hat „Flip 7“ eine schöne Optik. Was will man also mehr. Ob es wirklich „Das beste Kartenspiel aller Zeiten!“ ist, wie es auf der Schachtel steht, da bin ich mir nicht ganz sicher, aber es ist ein super Spiel und macht richtig viel Spaß.
„Flip 7“
Autor: Eric Olson
Illustration: O‘Neil Mabile
Verlag: Kosmos
Für 3 – 18 Spieler
Ab 8 Jahren
Dauer: 20 Minuten
Preis: 15 Euro
