Flügelschlag

© Feuerland-Spiele

Eine Hobbyvogelkundlerin sucht ein Spiel, das ihr Interesse trifft. Weil es aber so ein Spiel nicht gibt, entwickelt sie es selber. Das ist die kurze Version der Geschichte wie Elizabeth Hargrave zur Spieleautorin wurde und das Spiel „Flügelschlag“ entstanden ist. Das Erstlingswerk der Newcomerin aus den USA wurde dann auch gleich mit dem Preis Kennerspiel des Jahres ausgezeichnet.

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Wie funktioniert es?
Den Kern von „Flügelschlag“ bilden 190 verschiedene Vogel-Karten. Jeder Vogel hat einen gewissen Wert an Siegpunkten, aber es kostet auch etwas einen Vogel auf dem eigenen Spielertableau abzulegen. Dazu ist nämlich Nahrung erforderlich. Diese wird in einem Vogelhaus, das als Würfelturm dient ausgewürfelt. Fünf verschiedene Nahrungsarten gibt es. Während es die einen Vögel auf Beeren und Getreide abgesehen haben, suchen andere nach Insekten oder jagen Fischen und Säugetieren nach. Aber die Vögel bevorzugen nicht nur unterschiedliche Nahrung, sondern auch verschiedene Lebensräume. Drei Lebensräume finden sich auf jedem Spielertableau: Wald, Wiese und Wasser. Jeder Lebensraum bietet aber nicht nur Platz für bis zu fünf Vögel, sondern hat zudem auch eine eigene Funktion. Der Wald erlaubt es Nahrungswürfel aus dem Vogelhaus zu nehmen und so Nahrung zu generieren. Die Wiese sorgt für Eier, die auf Vögel gelegt werden müssen.

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Die Eier bringen zu Spielende Siegpunkte ein, wenn sie dann auf Vogel-Karten liegen. Während der Spiels dienen Eier aber auch dazu, Vögel in einen Lebensraum zu spielen. Neben Nahrung kostet es auch ein oder zwei Eier, um Vögel auf dem Tableau abzulegen, je nachdem, wo der Vogel landen soll. Das Wasser wiederum versorgt die Spieler mit neuen Karten. Denn zu Spielbeginn erhält jeder Spieler zufällig fünf Vogel-Karten und fünf verschiedene Nahrungsplättchen. Für jede Karte, die ein Spieler behalten will muss er aber ein Nahrungsplättchen abgeben. So starten viele Spieler mit zwei oder drei Vogel-Karten. Weitere Karten sind also dringend von Nöten. Neue Vogel-Karten können von einer offenen Auslage oder vom Nachziehstapel genommen werden. Will ein Spieler einen Vogel in einen Lebensraum spielen, so muss er dafür einen Aktionsstein einsetzen. Jeder Spieler hat zu Beginn acht dieser Steine. Sie dienen auch dazu die Funktion eines Lebensraums zu nutzen.

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Vogel-Karten werden immer ganz links in den jeweiligen Lebensraum gelegt. Aktionssteine werden immer auf das erste freie Feld eines Lebensraums gelegt, das sich am weitesten links befindet. Je weiter rechts ein Aktionsstein eingesetzt werden kann, umso besser ist die Qualität der Aktion, die gewählt wurde. Nach dem Einsetzen eines Aktionssteins in einen Lebensraum, wandert dieser Aktionsstein nach Links. Stößt er dabei auf einen Vogel wird dieser Vogel unter Umständen aktiviert und löst dann einen Effekt aus. Vögel mit diesen Aktivierungseffekten bilden die Mehrzahl unter den Vogel-Karten. Sie sind der Motor des Spiels, die Maschinerie, die es zu nutzen gilt. Neben diesen Vogel-Karten gibt es noch Vögel, die einen einmaligen Soforteffekt haben, sobald sie ausgespielt werden und solche Vögel, die dann ihren Effekt auslösen, sobald andere Spieler bestimmte Effekte ihrer Vögle nutzen. Haben alle Spieler ihre sämtlichen Aktionssteine eingesetzt, wird eine Rundenwertung durchgeführt, für die einer der Aktionssteine verwendet wird. Anschließend werden alle verbliebenen Aktionssteine von den Tableaus genommen. Eine neue Runde beginnt. Nun mit einem Aktionsstein für jeden Spieler weniger.

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Über vier Runden wird gespielt. Am Ende wird geschaut wer die meisten Punkte gewinnen konnte. Die gibt es nicht nur für Vögel, sondern auch für Eier und Nahrung auf und Karten unter Vögeln. Zusätzliche Punkte können durch Bonuskarten erzielt werden, die das Sammeln bestimmter  Vogelarten belohnen. Außerdem kommen noch die Punkte der Rundenwertung hinzu. Wer nun die Nase vorne hat, gewinnt.

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Einschätzung
Für ein Kennerspiel kommt „Flügelschlag“ erstaunlich schlank und leicht daher. Die Regeln sind recht schnell erklärt und meist auch ebenso schnell verstanden. Das ist ein absoluter Pluspunkt an „Flügelschlag“. Was mich aber völlig begeistert ist die Aufmachung des Spiels. Die 190 verschiedenen Vogel-Karten sind wunderschön gestaltet. Für die Futterwürfel dient ein Vogelhaus als Würfelturm. Die Vögel können „echte“ Eier legen. Es sind solche Elemente, die „Flügelschlag“ diesen besonderen Flair verleihen. Doch die gelungene Umsetzung des Themas ins Spiel geht weit über die Gestaltung hinaus. Hier fangen Wasservögel Fische, Raubvögel andere Vögel und Geier profitieren davon. Das wirkt alles wohl durchdacht. Dabei ist die Funktion der einzelnen Karten immer gut erklärt und leicht verständlich; egal ob es sich um Vogelkarten oder Bonuskarten handelt. Zudem gibt es zu jedem Vogel auch noch eine interessante Information über Lebensraum und Eigenart dieses Vogels. Hilfreich ist auch der Almanach, der jede Karte und ihre Funktion zusätzlich erklärt. Natürlich muss ich die Aktivierungs-Funktion der Vogelkarten dennoch lesen. Aber dafür ist es eben auch ein Kennerspiel. Die verschiedenen Bereiche Wald, Wiese und Wasser mit ihren Funktionen sind sehr gut austariert, wie auch die Spielmechaniken gut ineinandergreifen.

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Sehr cool ist auch die Wechselwirkung, die Vogelkarten untereinander und mit ihren jeweiligen Lebensbereichen haben. Es macht schlicht Freude zu sehen, wie sich nach und nach mehr Vögel in den jeweiligen Bereichen ansammeln und durch ihre Aktivierung eine Maschinerie ins laufen kommt. Ständig bin ich um Optimierung bemüht und versuche noch mehr Vögel zu spielen, die meine Bonuskarten oder die Rundenziele unterstützen. Doch jede Runde nimmt die Zahl der Aktionen ab und ich muss genau planen. Das ist eine schöne Herausforderung. Einen Nachteil hat allerdings derjenige Spieler, der zu Spielbeginn Schwierigkeiten hat Vogelkarten auf sein Tableau zu bringen. Denn mit einer schlechten Starthand voll Vogelkarten mit hohen Ausspielkosten und Pech beim Kartenziehen gerate ich schnell ins Hintertreffen. In unseren Spielerunden konnte dennoch oft noch ein Ausgleich erzielt werden. Aber der Glücksfaktor durch das zufällige Kartenziehen und das Würfeln des Futters ist eindeutig gegeben. Das kann schon mal frustrieren. Dennoch: „Flügelschlag“ ist ein klasse Spiel und das nicht nur für Vogelliebhaber! Ich kann es nur empfehlen.

„Flügelschlag“
Autor: Elizabeth Hargrave
Verlag: Feuerland Spiele
Für 1 – 5 Spieler
Ab 10 Jahren
Dauer: 75 Minuten
Preis: 50 Euro

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