Heaven & Ale

© Pegasus Spiele

Der Roman „Der Name der Rose“ von Umberto Eco und der darauf basierende Film haben das Klosterleben des Mittelalters in einem völlig neuen Licht erscheinen lassen. Immer wieder ist das Klosterleben auch Thema in Gesellschaftsspielen. Sei es bei „Der Name der Rose“ von Stefan Feld (Ravensburger 2008), „Ora et Labora“ von Uwe Rosenberg (Lookout Games 2011), „Abtei der Rätsel“ von Thomas Fackler (Kosmos Verlag 2011) oder das weniger bekannte „Domus Domini“ von Heinz-Georg Thiemann (Franjos Spieleverlag 2015). In diese Reihe gehört auch das im Herbst bei eggertspiele erschienene „Heaven & Ale“ von Michael Kiesling und Andreas Schmidt. Das in Klöstern so traditionsreiche Bierbrauen steht dabei im Mittelpunkt.

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Wie funktioniert es?
Jeder Spieler hat ein eigenes Spielertableau, das einen Klostergarten darstellt. Der Klostergarten ist mit einem Netz aus sechseckigen Feldern überzogen und in zwei Hälften unterteilt. Die eine Seite des Gartens ist hell, die andere Seite dunkel. Gleichmäßig verteilt im Klostergarten finden sich sieben Scheunenfelder. Im Klostergarten baut jeder Spieler für sich die Rohstoffe an, die er benötigt, um am Ende der beste Bierbrauer zu werden. Je nachdem auf welcher Seite des Gartens die Rohstoffe liegen, bringen sie später Geld ein oder bewegen den entsprechenden Rohstoffmarker oder den Braumeister im Brauhaus nach vorne. Rohstoffmarker und Braumeister laufen auf einer Produktionsleiste an der linken und oberen Seite des Spielertableaus. Ziel muss es sein, möglichst alle Marker gleichmäßig weit nach vorne bzw. oben zu bringen und den Braumeister auch. Die Rohstoffe, die das ermöglichen, müssen die Spieler auf einem Markt einkaufen. Auf diesem zentralen Spielplan bewegen die Spieler ihre Spielfigur. Der Markt ist ein Rundlauf. Insgesamt 28 Felder gibt es dort, auf denen die fünf Rohstoffe Wasser, Holz, Gerste, Hopfen und Hefe zu finden sind. Die Rohstoffplättchen gibt es in den Werten von eins bis fünf. Außerdem gibt es noch Mönche, die gerne beim Bierbrauen helfen wollen und zudem Fässer und Wertungsplättchen. Ist ein Spieler am Zug, kann er sich frei entscheiden, wie weit er auf diesem Rundkurs nach vorne laufen will. So kann sich ein Spieler unter Umständen genau das Feld sichern, das er unbedingt haben will. Der Nachteil besteht jedoch darin, dass es kein Zurück gibt. Wer Felder übersprungen hat, kann in dieser Runde nicht mehr auf sie zurückkommen. Wer schon früh seinen Weg über den Markt beendet hat, der muss dann am Ende des Rundkurses warten, bis auch alle anderen Spieler mit ihrer Einkaufstour fertig sind.

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Will ein Spieler Plättchen von einem Feld nehmen, setzt er seine Spielfigur auf das entsprechende Feld und nimmt mindestens ein dortiges Plättchen herunter. Er darf das aber nur tun, wenn er dafür die entsprechenden Kosten bezahlen kann. Dafür hat jeder Spieler zu Beginn ein Startkapital von 25 Dukaten erhalten. Der Preis des gewünschten Rohstoffes ist abhängig davon, was das jeweilige Plättchen wert ist und auf welche Seite im Klostergarten das Plättchen platziert werden soll. Plättchen, die auf der dunklen Seite des Klostergartens abgelegt werden, kosten den einfachen Preis. Für die helle Seite muss der doppelte Preis gezahlt werden. Dafür bringt die helle Seite des Gartens auch mehr ein. Sobald ein Spieler die Plättchen auf der hellen Seite wertet, werden die entsprechenden Marker im Brauhaus nach oben bewegt. Auf der dunklen Seite bringen die Plättchen immer nur Geld ein. Wie weit ein Marker bewegt wird und wieviel Geld ein Plättchen abwirft, hängt natürlich mit seinem Wert zusammen. Wertvolle Plättchen sind deshalb auch im Einkauf teurer. Die Wertung von Plättchen können auf verschiedene Weise ausgelöst werden. Zum einen, indem ein Spieler ein Wertungsplättchen auf dem Markt einsammelt. Rechts auf dem Spielertableau findet sich ein Bereich, wo diese Wertungsplättchen auf dem entsprechenden Feld für die jeweilige Ressource abgelegt werden. Der Nachteil: Jede Ressource (auch die Mönche zählen dazu) kann so nur einmal im gesamten Spiel gewertet bzw. aktiviert werden. Denn Mönche, die ich in meinem Klostergarten ablege, lösen immer eine Wertung der an sie angrenzenden Felder aus, wenn ich den jeweiligen Typ von Mönch (es gibt insgesamt vier verschiedene Typen) aktiviere.

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Eine Wertung oder Aktivierung kann auch dann ausgelöst werden, wenn eine der sieben Scheunen im Klostergarten komplett mit Plättchen umschlossen wird. Wie viele und welche Plättchen gewertet werden, das hängt wiederum mit dem Gesamtwert der Plättchen zusammen. Dafür hat jeder Spieler eine detaillierte Übersicht auf seinem Tableau. Anders als bei anderen Spielen wird eine Wertung eben schon beim Einkauf ausgelöst und nicht erst in einer späteren Phase des Spiels. Eine Runde endet dann, wenn auch der letzte Spieler mit seiner Spielfigur am Ende des Marktes wieder im Startbereich angekommen ist. Dann wird auf jedes der Mönchsfelder wieder ein Mönch platziert, jedes Rohstofffeld bekommt einen weiteren Rohstoff. So können nun auch mehrere Rohstoffe und Mönche auf einem Feld liegen. Bei den Feldern mit den Wertungsplättchen wird dagegen immer nur auf genau ein Plättchen aufgefüllt. Dann startet die nächste Runde. Abhängig von der Spieleranzahl wird über drei bis sechs Runden gespielt. Dann wird gewertet. Dabei ist die Position des Braumeisters entscheidend. Er legt fest, wie hoch der Siegpunktwert ist, mit dem die Zahl des Produktionsfeldes multipliziert wird, auf dem sich der Rohstoffmarker befindet, der am weitesten hinten steht. Dazu kommen dann noch Punkte, die die Spieler über gewonnene Fässer für sich verbuchen konnten. Wer jetzt die meisten Punkte für sich reklamieren kann, gewinnt.

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Einschätzung
„Heaven & Ale“ ist eins jener Spiele, die auf mich einen starken Reiz ausüben. Die Möglichkeit, sich immer wieder zu verbessern und das Optimum aus einer Situation herausholen zu können, lockt mich zu diesem Spiel. Es weckt meinen Ehrgeiz. Die erste Partie „Heaven und Ale“ dient noch zur Orientierung. Ab der zweiten Partie geht es voll los und Spieler können sich auf bestimmte Strategien konzentrieren, denn die Spielabläufe sind schnell verinnerlicht und absolut stimmig. „Heaven & Ale“ spielt sich im Grunde flott und ist nicht so kompliziert, wie es den Anschein haben mag. Ein Beleg: Für ein Spiel dieser Komplexität und mit so vielen strategischen Möglichkeiten ist eine Spielanleitung von gerade mal acht Seiten wenig. Für mich ein Zeichen dafür, dass es den Autoren gelungen ist, im Grunde einfache Spielmechanismen so zu kombinieren und miteinander zu verzahnen, dass ein sehr konzentriertes Spiel entstanden ist, das nichts Überflüssiges beinhaltet. Tatsächlich greifen die Spielabläufe schön ineinander und bauen logisch aufeinander auf. Das bedeutet aber auch, dass das Spiel keine Fehler verzeiht. So ist der Zeitpunkt wichtig, an dem man seine Wertungen durchführt. Er darf weder zu früh noch zu spät sein. Außerdem sollte man das Geldmanagement im Griff haben, sonst steht man irgendwann da und kann gar nichts mehr machen. Mir persönlich gefallen solche Spiele ausgesprochen gut, bei denen ich eine Strategie verfolgen kann und möglichst versuche das Optimale herauszuholen. Natürlich ist „Heaven & Ale“ ein Kennerspiel, aber eben kein völlig überdimensioniertes, sondern genau richtig zugeschnitten, bei dem mich auch das Thema anspricht! Bei einigen Kritikern ist es aber genau deshalb nicht so gut angekommen. Ihre Begründung: das Spiel sei zu abstrakt und habe wenig mit Bierbrauen zu tun. Diese Ansicht kann ich nicht teilen. Für mich ist „Heaven & Ale“ völlig zu Recht für das Kennerspiel des Jahres nominiert!

„Heaven & Ale“
Autor: Andreas Schmidt und Michael Kiesling
Verlag: eggertspiele / Vertrieb: Pegasus Spiele
Für 2 – 4 Spieler
Ab 12 Jahren
Dauer: 60 – 90 Minuten
Preis: ca. 40 Euro

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