Kauri

© Koalla Spiele

Neuseeland ist das Land, das mit knapp 18.000 Kilometern am weitesten von Deutschland entfernt ist. Noch weiter ist es nur bis zu ein paar kleinen Inseln im Pazifik. Neuseeland hat eine atemberaubende Natur und einzigartige Landschaften zu bieten. Wer die „Herr der Ringe“ Verfilmungen gesehen hat, weiß das. Teil dieser faszinierenden Natur sind Kauri-Bäume, von denen eine Art nur in Neuseeland vorkommt. Der größte seiner Art ist über 50 Meter hoch und hat einen Stammdurchmesser von über vier Metern. Zum Vergleich: Ein dreistöckiges Wohnhaus kommt auf rund 14 Meter. Nach diesen Bäumen ist das Spiel „Kauri“ von Autor Charlec Couronnaud benannt. Es ist das erste Spiel, des Verlags Koalla Spiele. Thema des Spiels ist die Besiedlung Neuseelands durch die Briten vor rund 200 Jahren.

Wie funktioniert es?

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Zunächst legen wir den Spielplan in die Tischmitte und das ist eine Landkarte von Neuseelands Nordinsel. Die davon getrennte Südinsel spielt keine Rolle, da sonst die Bewegungen der verschiedenen Fraktionen im Spiel nicht möglich wären, aber dazu gleich mehr. Abhängig davon wie viele Personen mitspielen, kommen unterschiedliche viele der vier Möglichen Fraktionen ins Spiel. Bei Vollbesetzung werden alle gespielt und das sind die Maori, die Ureinwohner Neuseelands, dann die Engländer, die Neuseeland kolonialisiert haben, außerdem die Kiwis, die flugunfähigen Vögel und Wahrzeichen Neuseelands und die Possums; Beuteltiere, die durch die Engländer von Australien erst auf Neuseeland eingeschleppt wurden, wegen ihrer Felle.

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Beim Spiel zu dritt fallen die Maori weg, zu zweit sind nur die Kiwis und die Possums am Start, die Engländer werden dann automatisiert gespielt. Jede Fraktion bekommt eine spezielle Charaktertafel, ein Charakterheft und neun Karten eines individuell zugeschnittenen Decks. Andere Elemente sind dann nur für die jeweilige Fraktion im Spiel. Kiwis und Kauri-Bäume werden in jedes Gebiet auf der Karte gesetzt, nur nicht in die zentrale Vulkanregion, dort starten die Maori. Engländer beginnen an einer der drei Hafenstädte und die Possums ebenso.

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Gespielt wird „Kauri“ über fünf Perioden, die jeweils aus vier Runden bestehen. Jede Fraktion hat ihre eigene Art Punkte zu gewinnen, die aber erst am Ende des Spiels gewertet werden. Dafür müssen bestimmte Ziele erreicht werden. Um das zu schaffen, kommen die Karten der individuellen Decks zum Einsatz.

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Alle mischen ihre neun Karten und nehmen zu Spielbeginn bereits eine Karte auf die Hand. Zu Beginn einer Runde ziehen alle dann gleichzeitig zwei weitere Karten ihres Decks auf die Hand. Von den nun drei Karten wählen alle ebenso gleichzeitig je zwei Karten aus und legen sie verdeckt vor sich ab. Die erste Karte wird hochkant gelegt. Diese erste Karte wird verwendet, um eine oder auch zwei Aktionen auf der Karte zu nutzen. Die zweite Karte wird quer darüber gelegt.

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Sie bestimmt, wann ich die Aktionen meiner ersten Karte ausführen kann. Sollte es gleiche Reihenfolgezahlen geben, so bestimmt dann unter den Fraktionen mit gleichem Kartenwert eine Leiste auf dem Spielplan, wer zuerst seine Aktion ausführen darf. Haben alle nacheinander in der bestimmten Reihenfolge ihre Aktionen ausgeführt, werden die beiden verwendeten Karten zur Seite gelegt und es werden wieder zwei neue Karten gezogen, so dass nun wieder drei Karten zur Auswahl stehen.

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Nach vier Runden ist der Nachziehstapel der Karten leer. Dann endet auch eine Periode. Die letzte, nicht verwendete Karte, bleibt auf der Hand. Dann werden die anderen acht Karten gemischt und ein neuer Nachziehstapel gebildet. Die nächste Runde wird gespielt. Nach fünf Perioden ist dann Schluss und es wird geschaut, wer die meisten Punkte holen konnte. Durch individuelle Fähigkeiten, die wir auf unseren Charaktertafeln freischalten können, werden Kartenaktionen verstärkt oder dauerhafte Effekte ausgelöst. Da für jede Fraktion andere Siegbedingungen bestehen, gibt es oft gegenteilige Interessen und es entsteht ein ziemliches Tauziehen um die Gebiete auf der Insel. Während die Possums versuchen sich ungezügelt zu vermehren und möglichst viele zu werden, sind die Kiwis bemüht ihren Lebensraum, die Kauri-Bäume, zu erhalten und sich gegen alle anderen Fraktionen zu wehren.

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Die Maoris wollen Gebäude errichten und jagen Kiwis und Possums. Während bei den anderen Fraktionen die Ziele gleich bleiben, wechselt bei den Engländern im Laufe des Spiels die Art, wie Punkte geholt werden. Geht es zunächst darum Bäume zu fällen, ist es gegen Ende des Spiels das Ziel möglichst viele Possums zu erlegen. Nach fünf Perioden und insgesamt 20 Runden wird dann geschaut, wer die meisten Punkte holen konnte.

Einschätzung

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„Kauri“ ist vom Material und der Optik her sehr schön! Wir haben da eine wunderbar gestaltete komplette Landkarte von Neuseelands Nordinsel. Die Karten, die Charaktertafeln und Hefte, sind alle sehr ansehnlich. Dazu kommen die vielen Elemente, Figuren und Bäume aus Holz. Das sieht alles sehr ansprechend aus und fühlt sich gut an. Spannend wird „Kauri“ durch die Asymmetrie der einzelnen Fraktionen. Jede Fraktion spielt sich anders und gewinnt auf eine andere Art. So ein Ansatz ist nicht neu, aber hier passt er einfach sehr gut und funktioniert ganz hervorragend. Die Asymmetrie führt zu immer neuen Erlebnissen bei den Partien.

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Die Kartenauswahl ist ein wichtiges taktisches Element, bei dem es immer auch im Blick zu haben gilt, was die anderen denn wohl so im Sinn haben. Wer aufpasst, ahnt irgendwann, welche Karten jetzt bei den anderen und bei einem selber noch kommen könnten. Das macht „Kauri“ sehr unterhaltsam.
Was mir auch besonders gefällt, ist die Art, wie hier das historische Thema der Kolonisation aufgegriffen wird. Auch mit der Wendung, dass die Engländer irgendwann erkennen, dass sie was falsch gemacht haben und die Possums, die sie selbst eingeschleppt haben, bekämpfen. Aber auch die Maori machen Jagd auf die Tiere und da gehören dann die Kiwis eben auch dazu. Ich lerne spielerisch was über die Geschichte, Kultur und Geografie Neuseelands und das ist auch noch unterhaltsam. Das ist eine Herausforderung, die hier gemeistert wurde. Mit zum guten Gesamteindruck trägt bei, dass viel erklärt wird und es Zusatzinformationen zu den Hintergründen des Spiels gibt.

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Dazu kommen dann noch die detaillierten Erklärungen zu Karten und Charaktertafeln und Tipps zur Spieltaktik für jede Fraktion.
Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass das Spiel auf die Empfehlungsliste für das Kennerspiel des Jahres 2025 gesetzt wurde. Und damit ist auch gesagt, dass es sich eher an Menschen richtet, die häufiger mal spielen und mit der Auswahl von Karten und strategischen und taktischen Herausforderungen zurecht kommen. Es bedarf schon vieler kluger Entscheidungen und so ist „Kauri“ eben kein leichtes Familienspiel. Wer aber asymmetrische Spiele in einem außerordentlich schönen Gewand mit viel Unterhaltung mag, liegt bei „Kauri“ absolut richtig.

„Kauri“
Autor: Charlec Couronnaud
Illustration: Jeremie Fleury
Verlag: Koalla Spiele
Für 2 – 4 Spieler
Ab 10 Jahren
Dauer: 45 Minuten
Preis: 50 Euro

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