
Ich bin ein großer Fan der afrikanischen Tierwelt. In Zoos könnte ich mir stundenlang die Zebras und Gnus anschauen, besonders, wenn sie noch mit Giraffen und Antilopen in großen weitläufigen Freigehegen vergesellschaftet sind. Eine Reise in die Heimat dieser Tiere wäre mein Traum, aber vermutlich kommen die Tiere in Afrika besser ohne meinen Besuch aus. Denn neben Wilderei ist auch der übermäßige Tourismus eine Gefahr für diese Tiere. Völlig ungefährlich für Afrikas Tierwelt ist dagegen das Spiel „Kavango“. Die Kavango-Region in Afrika ist das größte länderübergreifende Naturschutzgebiet der Erde. Es erstreckt sich über die fünf Länder Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe. Das neu bei Schmidt Spiele erschienene „Kavango“ ist nach dem Naturschutzgebiet im Herzen Afrikas benannt. Im Spiel von Zara Reid und Matt Brown stehen wundervoll gestaltete Tierkarten im Mittelpunkt, mit denen wir unsere Reservate bestücken.
Wie funktioniert es?

In „Kavango“ sind wir Naturschutzexperten und wollen Tiere in unser Reservat holen, Forschungsziele erfüllen und zum Beispiel in den Artenschutz investieren. Dabei gilt es, die Anforderungen der Tiere zu beachten, um sie in unser Reservat holen zu können. Im Verlauf des Spiels bauen wir ein immer komplexeres Ökosystem auf, wo zwischen den Tieren immer mehr Verbindungen entstehen. Am Ende gilt es die meisten Punkte im eigenen Reservat und durch erfüllte Forschungsziele und Schutzmaßnahmen zu haben.
Zu Beginn erhalten alle zunächst einmal ein recht großes persönliches Tableau, das ist mein Reservat, auf dem ich hoffentlich nach und nach immer mehr Tierkarten ablegen werde.

Oberhalb des Reservats platzieren wir alle jeweils eine Leiste, auf der wir Naturschutz- und Artenschutzziele erreichen wollen. Diese Ziele sind notwendig, um die meisten der Tiere in unser Reservat spielen zu können. Rechts neben der Leiste befindet sich unsere Auffangstation. Dort ist Platz für maximal drei Tiere. Zwei Tiere bekommen wir zu Beginn schon mal in die Auffangstation.

Das ist der Platz, wo wir Tiere unterbringen können, wenn wir sie aktuell noch nicht in unser Reservat legen können. Wir erhalten zudem eine persönliche Zielkarte und Holzklötzchen, die bei „Kavango“ für jeweils eine Million Dollar stehen. Außerdem wird uns ein Spezialist in Form einer Karte an die Seite gestellt, der uns im Spielverlauf helfen soll. Alle sollten jeweils wissen, was jeder Spezialist so kann. Auf eine zentrale Zählleiste stellen wir unsere Spielfigur in unserer gewählten Farbe. Dort finden sich für jede Runde auch je vier allgemeine Forschungszielkarten. Erfülle ich dort während der laufenden Runde Ziele bringt mir das Geld und Siegpunkte.

Ansonsten komme ich an Geld durch etliche Aktionskarten. Geld benötige ich zum Beispiel zum Erfüllen von Naturschutz, Artenschutz und Klimaschutzzielen. Die Aktionskarten gehören zu den Karten, mit denen wir zu Beginn jeder der drei Runden, die wir spielen, versorgt werden. Spielen wir zu viert erhalten wir alle je zwölf Karten. Neben den zwei Aktionskarten erhalten wir eine vorgegebene Anzahl Karten von bestimmten Kartenstapeln. Die meisten dieser Karten sind Tierkarten. Etliche Karten sind zu Beginn aber auch sogenannte Produzenten.

Das sind Gräser und Bäume, Fische und Wirbellose. Ich nehme alle meine Karten auf die Hand und wähle eine davon aus, die wir verdeckt vor uns ablegen. Dann decken wir alle gleichzeitig unsere gewählte Karte auf. Erfüllen wir die Anforderungen des Tieres auf der Karte, können wir es direkt in unser Reservat legen, ansonsten geht es zunächst in unsere Auffangstation, wo aber eben nur drei Tiere Platz haben. Welche Anforderungen ein Tier hat, sehen wir an der linken Seite der Tierkarte. So eine Anforderung kann es sein, wie Bäume zu besitzen oder zwei Gräser. Oberhalb dieser Anforderungen können noch die Stufen stehen, die wir zum Beispiel beim Artenschutz erreicht haben müssen, um die Karten spielen zu können. Darüber ist das eigene Symbol des Tieres zu sehen; das kann ein kleiner Nager sein oder ein Reptil oder ein großes Säugetier. Diese Symbole können wiederum bei anderen Tierkarten als Anforderung auftauchen, etwa bei Raubtieren. Ganz oben links stehen die Siegpunkte, die ich für diese Tierkarte erhalte, wenn sie am Spielende in meinem Reservat liegt. Außerdem bekomme ich noch Größe und Gewicht eines Tieres angezeigt und zu welcher Kategorie von persönlicher Zielkarte es gehört.

Die Karten mit den Produzenten haben keine Anforderungen. Sie kann ich immer spielen. Produzenten lege ich aber nicht in mein Reservat, sondern oberhalb der Leiste mit den Naturschutzzielen gibt es für jede Art von Produzenten eine eigene Spalte. Dort schiebe ich die gewählte Produzentenkarte drunter. Nachdem ich eine Karte gespielt habe, kann ich immer schauen, ob ich ein Forschungsziel für diese Runde erfüllt habe. Dabei geht es zum Beispiel darum Tiere in einer bestimmten Größe in meinem Reservat zu haben oder eine bestimmte Anzahl von Gräsern.

Erfülle ich so ein Ziel, bekomme ich wie erwähnt dafür Punkte und Geld. Das Geld kann ich dann sofort zum Beispiel in den Artenschutz investieren, um dann noch größere und wertvollere Tiere in mein Reservat spielen zu können. Dann gebe ich alle anderen Karten weiter an die Person neben mir. Nun nehme ich die Karten, die ich von der Person neben mir bekommen habe, wähle wieder eine aus, spiele die Karte. Das machen wir alle, bis wir alle je zehn Karten gewählt und gespielt haben. Dann endet eine Runde, die nächste Runde beginnt mit zwölf neuen Karten (bei vier Leuten). Außerdem werden vier neue Forschungsziele für die Runde ausgelegt. Nach der dritten Runde wird geschaut, wer mit Tierkarten im Reservat, erfüllten Forschungszielen während der Runden, sowie anderen erfüllten Zielen die meisten Punkte holen konnte.
Habe ich konnte.

Einschätzung
Also erstmal sehen die Karten bei „Kavango“ grandios aus. Tolles Artwork, das vom Autor Matt Brown höchstpersönlich stammt. Er hat auch die Idee für „Kavango“ entwickelt, die fachliche Kompetenz kommt von seiner Frau Zara Reid. Sie haben gemeinsam ihre Erfahrungen beim Natur- und Artenschutz in Botswana eingebracht. Dass die beiden vom Fach sind, spüre ich dem Spiel ab. Es wirkt einfach stimmig und logisch, was hier passiert und so nebenbei bekomme ich noch Informationen über die Tiere, die ich in mein Reservat hole. Der Rest des Spielmaterials ist eher funktional. Aber das ist völlig in Ordnung. Die Hauptsache sind ja die Tierkarten.

Dass wir für ein Spiel dieser Komplexität im Verhältnis mit kurzer Spieldauer auskommen, liegt daran, dass wir alle immer gleichzeitig agieren. Dadurch gibt es keine oder kaum Wartezeit. Aufpassen muss man beim Weitergeben der Karten. Auch hier sollte alles gleichzeitig ablaufen und man sollte tunlichst die dafür vorgesehenen Ablagekarten nutzen, die den Platz markieren, wo unsere Stapel hingelegt werden sollen. Auch generell ist es wichtig die Reihenfolge zu beachten, in der ich Dinge mache. Aber da hilft die gute und übersichtliche Spielregel, in der wirklich alles erklärt wird und dann gibt es noch Übersichten, die wir neben uns liegen haben. Sie zeigen auch wie häufig bestimmte Tierarten in den Kartenstapeln vorkommen.

Aber es gibt sowieso nicht viele Regeln.
Und dennoch erfordert „Kavango“ genaue Planung und Aufmerksamkeit. Welche Forschungsziele gibt es? Wie kann ich die erreichen? Was ist mein persönliches Ziel? Welche Tiere und Produzenten sind im Umlauf? Was brauche ich dringend, was die anderen? Was könnte bei mir nochmals vorbeikommen? Sollte ich eine Aktionskarte nutzen? Fragen über Fragen und viele Entscheidungen, die ich treffen muss. Das, der Draftingmechanismus und das Aufbauen von Grundressourcen erinnert in gewisser Weise an „7 Wonders“. Aber dann ist „Kavango“ wiederum völlig anders durch die verschiedenen Ziele. Spannend finde ich auch, dass wir die Klimaschutzziele auf der Mitte des zentralen Spielplans gemeinsam erreichen können und alle davon profitieren. Insgesamt ist „Kavango“ ein sehr empfehlenswertes, aber auch anspruchsvolles Familienspiel, das deutlich in den Bereich der Kennerspiele hineinragt, obwohl es sich schön entspannt spielt und einfach gut anfühlt. Ein weiteres herausragendes Spiel in diesem Herbst.
„Kavango“
Autor: Matt Brown & Zara Reid
Illustration: Matt Brown
Verlag: Schmidt Spiele
Für 1 – 4 Spieler
Ab 10 Jahren
Dauer: 60 Minuten
Preis: 50 Euro
