
Käsekästchen ist einer der Klassiker der Spiele, die man in der Pause in der Schule gespielt hat oder in Freistunden. Kariertes Blatt Papier raus, ein paar Kästchen als Gebiet markieren und los geht es. „Catan“ ist auf der anderen Seite der Klassiker des modernen Brettspiels. Mit zwei Würfeln eine ganze Insel besiedeln, Holz gegen Weizen tauschen. In „Keksekästchen“ von Ralf zur Linde, das beim Ravensburger Verlag erschienen ist, werden beide Spiele kombiniert. Was, auch wegen der Illustrationen von Ellie vs. Bear, wie ein Kinderspiel wirkt, ist es aber keinesfalls. Die Kombination ist bei diesem Roll & Write Spiel jedenfalls gut gelungen.
Wie funktioniert es?

Bei „Keksekästchen“ soll ich möglichst als erster Kekse, und zwar der gleichen Art, auf meinem persönlichen Tableau ankreuzen. Dafür habe ich auf meinem Tableau, das acht unterschiedliche Sorten von Keksen auf 36 Feldern zeigt, zu Beginn des Spiels zufällig elf Zahlenplättchen verteilt. Diese Zahlenplättchen zeigen Werte von Zwei bis Zwölf. Einen Stift gibt es für jeden noch und zwei Würfel für alle, sowie ein Tableau, wo es Siegpunkte zu holen gibt.

Eine Person wirft die beiden Würfel und sagt die Augenzahl an. Alle suchen auf ihrem persönlichen Tableau, auf welchem Keksfeld sich das Zahlenplättchen mit dieser Zahl befindet. Dann wird – abhängig von der Zahl – eine bestimmte Anzahl an Linien um dieses Keksfeld gezogen. Eine Sieben, die häufig fällt, erlaubt mir nur eine Linie einzuzeichnen, die Elf hingegen sorgt für drei Linien, eine Zwölf oder Zwei gar für deren vier.

Kann ich nicht alle Linien ziehen, die mir das Plättchen der gewürfelten Zahl erlaubt, darf ich zum Trost einen Strich unterhalb eines Bechers am oberen Rand meines Tableaus machen. Habe ich dort drei Striche gesammelt, darf ich eine Linie an einem beliebigen Keksfeld auf meinem Tableau machen. Haben alle ihre Linien gezogen, dürfen alle je ein beliebiges Zahlenplättchen auf ihrem Tableau bewegen. Haben sich alle entschieden, würfelt die nächste Person. Ist ein Keksfeld auf allen vier Seiten mit Linien umgeben, wird dieses Feld angekreuzt. Lag ein Zahlenplättchen auf dem angekreuzten Feld, muss es nun bewegt werden.

Wurde die erforderliche Anzahl an Keksen einer Sorte angekreuzt, muss nun ein beliebiges Zahlenplättchen gewählt werden, um es auf das Siegpunktetableau zu legen. Wer das als erstes macht, erhält sechs Siegpunkte, die nächste Person bei derselben Kekssorte, streicht nur noch vier Punkte ein, alle anderen, die es erst später schaffen, müssen sich mit drei Punkten begnügen. Abhängig von der Anzahl der Leute, die mitspielen ist bei einer anderen Gesamtzahl an Siegpunkten das Spiel zu ende. Das ist „Keksekästchen“.
Einschätzung

Das Schöne an „Keksekästchen“ ist, dass alle immer gleichzeitig beteiligt sind. Es gibt keine Wartezeit; außer natürlich, ich habe schon viele meiner Zahlenplättchen auf das Siegpunktetableau gelegt, aber dann ist das Spiel auch schon fast zu Ende.
Tatsächlich ist dieses Legen der Plättchen auf das Siegpunktetableau eines der taktischen Elemente bei diesem Spiel. Welches Plättchen sortiere ich aus, weil ich mir davon nur wenige Striche erhoffe? Welche Zahl wurde bisher kaum gewürfelt. Ein anderes taktisches Element ist die Frage, auf welche Seiten eines Keksfeldes ich die Striche einzeichne und wo bewege ich meine Zahlenplättchen jeweils hin? Insgesamt steckt viel mehr Taktik in diesem Spiel als es zunächst den Anschein hat.

Linien verfallen zu lassen, ist keine gute Idee, trotz des Trostpflasters, den die Becher mit sich bringen. Ein Auge sollte ich auch immer auf die Tableaus der anderen haben. Wie weit sind die bei bestimmten Keksen und lohnt sich der Aufwand noch? Durch die alternative gelbe Seite der Keks- und des Siegpunktetableaus kommt auch noch Abwechselung ins Spiel. Obwohl es die Aufmachung eines Kinderspiels hat, und die Kekse wirklich zum Anbeißen aussehen, ist dieses Roll & Write kein Kinderspiel! „Keksekästchen“ ist vielmehr ein gutes, schnell erklärtes und auch recht flott gespieltes Familienspiel, das den Reiz der Klassiker Käsekästchen und „Catan“ auf originelle Art miteinander verbindet.
„Keksekästchen“
Autor: Ralf zur Linde
Illustration: Ellie vs. Bear
Verlag: Ravensburger
Für 2 – 5 Spieler
Ab 8 Jahren
Dauer: 30 Minuten
Preis: 20 Euro
