
Der Amazonas Regenwald gilt als die grüne Lunge des Planeten. Er hat eine Fläche von rund sechs Millionen km². Deutschland passt da fast 17-mal rein. Es ist der größte und artenreichste Regenwald der Erde. Hier gibt es farbenprächtige Aras, Jaguare, Tukane, Riesenotter und den seltenen Amazonas-Flussdelfin. Alle diese Tiere kommen auch im Spiel „Life oft he Amazonia“ von Jamie Bloom vor. Das opulent ausgestattete und von Sophia Kang wunderschön gestaltete Spiel ist im Verlag Strohmann Games erschienen. Es vermittelt auf spielerische Art die Schönheit und den Artenreichtum des Amazonasgebiets.
Wie funktioniert es?

Um „Life of the Amazonia“ spielen zu können, muss erst einmal einiges vorbereitet werden. Da gibt es einen Wasserfall mit mehreren für das Spiel wichtigen Leisten, den wir falten und zusammenstecken. Auf ihn platzieren wir dann jeweils vier Marker in den von uns gewählten Farben. Zentral werden Karten von acht Tierarten ausgelegt und dazu jeweils, entsprechend der Anzahl der Personen, die mitspielen, Tiere. Wie viele das jeweils sein müssen ist auf den Karten der Tierarten zu erkennen.

Von den Tierkarten gibt es vier verschiedene Versionen, die wir wählen können, jeweils mit unterschiedlichen Arten, wie die Tiere am Ende des Spiels Punkte einbringen. Bei den Tieren muss ich beachten, dass sie gewisse Anforderungen stellen in welche Art von Feldern sie untergebracht werden wollen. Manchen ist es egal, andere haben ganz genaue Vorstellungen, wo sie landen wollen. Außerdem werden noch Naturkarten ausgelegt. Von denen gibt es zwei Arten, Insektenkarten und Landschaftskarten. Jeweils drei Karten kommen in die offene Auslage.

Während mir Insektenkarten im Laufe des Spiels nach einmaliger Nutzung Vorteile bringen, belohnen mich Landschaftskarten am Ende des Spiels für bestimmte Dinge. Zum Beispiel, wenn ich viele Bäume in meinem Wald habe oder eine Kombination aus bestimmten Tieren. Bereitgelegt werden auch noch drei Dschungelteile.

Denn die Grundidee von „Life of the Amazonia“ ist es einen eigenen Regenwald durch das Anlegen von Dschungelteilen entstehen zu lassen. Dafür beginnen wir alle schon mal mit einem Dschungelplättchen. Wie alle Dschungelteile besteht es aus sieben Sechseckfeldern, die in unterschiedlicher Zusammensetzung Wasser, Sumpf und Wald zeigen. Auf einigen der Felder sind zudem noch Symbole zu sehen, die uns Boni einbringen, wenn wir darauf Tiere oder Bäume oder Wasserblumen platzieren.
Dschungelplättchen, Bäume und Wasserblumen erhalte ich über die Leisten auf dem Wasserfall. Außerdem bringt es mir auch Siegpunkte, wenn ich weit auf den Leisten komme.

Um auf diesen Leisten voranzukommen, muss ich entsprechende Kosten in Form von Wassertropfen oder Blättern bezahlen; und das geht bei „Life of the Amazonia“ über Marker, die ich aus einem Beutel ziehe. Dafür haben alle einen eigenen persönlichen Beutel, der zu Beginn schon zehn Marker enthält. Neben Blättern und Wassertropfen gibt es noch Marker für Nahrung, die wir benötigen, um Tiere in unseren Regenwald zu holen. Dann gibt es noch Geldmarker.

Mit Geld kann ich mir neue Marker von jeder Art kaufen. Zu Beginn ziehen alle zufällig fünf Marker aus ihrem Beutel und dann geht es los. Bin ich am Zug muss mich nun entscheiden, was ich mit meinen Markern anfangen will. Marker, die ich verwendet habe, lege ich in ein Boot, das ich mit meinem Beutel erhalten habe. Neue Marker, die ich mir dazukaufe, landen ebenfalls im Boot. Am Ende meines Zuges darf ich mir zunächst einen Marker in meinem Lager behalten.

Durch entsprechende Erweiterungen kann ich mein Lager ausbauen und maximal drei Marker am Ende meines Zuges behalten. Das erhöht meine Möglichkeiten in meinem Zug etwas zu machen. Bin ich fertig ziehe ich fünf neue Marker aus meinem Beutel. Will ich einen Marker aus meinem Beutel ziehen und ist dieser leer, dann schütte ich den Inhalt meines Bootes in meinen Beutel und ziehe dann die entsprechenden Marker. Gespielt wird „Life of the Amazonia“ nicht über eine bestimmte Anzahl von Runden, sondern bis von fünf Tierarten keine Tiere mehr vorhanden sind. Wer dann am Ende die meisten Siegpunkte über die Leisten auf dem Wasserfall, über Tierkarten und über Landschaftskarten erhalten hat, gewinnt.
Einschätzung

„Life of the Amazonia“ ist ein wirklich opulentes und ansehnliches Spiel. Das Material ist außergewöhnlich schön und gut. Allerdings gibt es auch einen Schwachpunkt. Der wunderschöne Wasserfall passt nicht in die Spieleschachtel, wenn er zusammengebaut ist. Schade. Auch sonst ist die Schachtel eng bemessen, weil es eben so viel Material gibt. Die Grundregeln von „Life of the Amazonia“ sind im Prinzip einfach und schnell erklärt. Zur Unterstützung gibt es eine sehr gute Spielübersicht, die sowohl alle möglichen Aktionen aufführt als auch alle Symbole erklärt. Vom Spielablauf her ist alles schön aufeinander abgestimmt, dadurch kommt man sehr schnell in einen Flow, weil sich das Grundmuster wiederholt.

Ich ziehe Marker aus meinem Beutel und verwende sie für Aktionen. Weil ich die neuen Marker am Ende meines eigenen Zuges schon ziehe, kann ich mir auch schon früh überlegen, was ich damit anfangen will, solange die anderen dran sind. Das verkürzt die Wartezeit. Natürlich gibt es Dinge, die sich in der Zwischenzeit noch ändern können; Dschungelteile etwa oder auch Naturkarten. Gegen Ende des Spiels kann es auch bei den Tieren spannend werden und ich muss mich vielleicht spontan umentscheiden. Aber, je öfter man „Life of the Amazonia“ spielt, umso flotter geht es allerdings. Die Vielfalt an Aktionen und Bedürfnisse der Tiere macht das Spiel so interessant, aber auch anspruchsvoll. Gerade in der ersten Partie kann es sich in der Vollbesetzung mit vier Personen schon etwas ziehen. Aber auch das wird besser mit jeder Partie.

„Life of the Amazonia“ ist ein Kennerspiel, aber leicht zugänglich. Es gibt verschiedene Strategien, die ich verfolgen kann und alle können erfolgversprechend sein. Wichtig ist darauf zu achten, dass eine einzelne Person nicht alle Riesenotter in ein großes Gebiet packt. Das ist eine sehr starke Gewinnstrategie, die unterbunden werden muss. Aber einmal erkannt, ist das leicht zu verhindern. Zusätzliche Raffinesse bekommt das Spiel durch Spezialtiere, von denen zu Beginn an alle zwei zufällig verteilt und dann je eins gewählt wird. Diese Tiere geben eine gewisse Strategie vor, die es zu verfolgen gilt. Mich hat „Life of the Amazonia“ sowohl von der Optik als auch vom Spielgefühl völlig überzeugt. Ich habe dabei gar nicht gemerkt, wie die Zeit vergangen ist. Für alle Menschen, die das Thema Schöpfung und schön gestaltete Spiele mögen, ist dieses Kennerspiel ein Muss!
„Life of the Amazonia“
Autor: Jamie Bloom
Illustration: Sophia Kang
Verlag: Strohmann Games
Für 1 – 4 Personen
Ab 12 Jahren
Dauer: 180 Minuten
Preis: 70 Euro
