Menara

© Zoch Verlag

Es gibt Spiele, die wecken sofort Assoziationen: „Das Spiel erinnert mich an …“ So ist es mir auch bei „Menara“ ergangen, das jetzt neu beim Zoch Verlag erschienen ist. Als ich das Spiel zum ersten Mal gesehen habe, fühlte ich mich unwillkürlich an „Villa Paletti“ erinnert. Das Spiel, das ebenfalls beim Zoch Verlag herausgekommen ist, wurde 2002 zum Spiel des Jahres gekürt. Das war damals nicht ganz unumstritten. „Villa Paletti“ ist ein Bau- und Geschicklichkeitsspiel, bei dem die Spieler Säulen auf Ebenen setzen müssen und in die Höhe bauen. „Menara“ sieht vom Aufbau und Spielprinzip zunächst ähnlich aus, ist aber doch ganz anders.

Wie funktioniert es?
Bei „Menara“ treten die Spieler nicht gegeneinander an und müssen auch nicht Säulen in ihrer Spielerfarbe nach oben setzen. Bei „Menara“ agieren vielmehr alle Spieler gemeinsam. Sie müssen sich beraten über die Vorgehensweise. Aber auch als Solovariante ist „Menara“ spielbar. Dabei geht es darum, allein oder gemeinsam, ein eingefallenes Gebäude wieder zu errichten. Zu Beginn liegen dazu auf einem willkürlich gemischten Stapel unterschiedlich große und verschieden geformte Bodenplatten. Die drei obersten Bodenplatten legen die Spieler in der Tischmitte als Basis für das zu errichtende Gebäude aus. Dann entscheiden sich die Spieler in welchem Schwierigkeitsgrad sie „Menara“ spielen wollen. Entsprechend viele Etagenkarten müssen die Spieler vor sich auslegen. Die Zahl der Etagenkarten gibt vor, wie hoch das Gebäude am Ende des Spiels mindestens sein muss. Danach ziehen die Spieler zufällig aus einem Stoffbeutel sechs Säulen, die sie in eine Basis stellen. Diese Basis dient als Tauschbörse für die einzelnen Spieler, die jeder Spieler zu Beginn seines Zuges nutzen kann. Die Säulen gibt es in fünf verschiedenen Farben in unterschiedlicher Verteilung. So gibt es zwar 30 gelbe Säulen, aber nur sechs blaue Säulen. Je nach Anzahl der Spieler und gewähltem Schwierigkeitsgrad zieht nun jeder Spieler für sich auch noch einmal zufällig Säulen und stellt diese vor sich ab. Das Spiel beginnt, indem der erste Spieler eine von insgesamt 35 Bauplankarten zieht. Das Ziehen der Bauplankarten ist verpflichtend und kann nicht übersprungen werden.

© Zoch Verlag

Die Bauplanklarten liegen verdeckt in drei Stapeln bereit. Jeder Stapel hat einen anderen Schwierigkeitsgrad. Zu den Aufgaben, die auf den Bauplankarten abgebildet sind, gehört es zum Beispiel eine bestimmte Anzahl von Säulen auf Bodenplatten zu platzieren. Jede Bodenplatte hat einige markierte Stellen, auf denen Säulen in einer festgelegten Farbe gestellt werden können. Die Säulen in den passenden Farben müssen exakt auf diese Stellen platziert werden. Andere Bauplankarten verlangen, dass Säulen auf eine höhere Ebene versetzt werden oder eine Bodenplatte komplett mit Säulen gefüllt werden soll. Hat der Spieler die Karte erfüllt, zieht er, wenn notwendig wieder Säulen aus dem Beutel nach. Und der nächste Spieler ist an der Reihe. Kann ein Spieler eine Anforderung auf einer Bauplankarte aber nicht erfüllen, so muss er diese Bauplankarte als zusätzliche Etagenkarte in die Reihe der Etagenkarten legen. Entsprechend höher muss der Bau nun ausfallen. Stellt ein Spieler die letzte Säule auf eine Bodenplatte, muss der Spieler sofort eine neue Bodenplatte im Gebäude unterbringen. Er kann die neue Bodenplatte entweder auf Säulen im Gebäude legen oder alternativ die Basis des Gebäudes erweitern. Wählt er letztere Option, erhöht sich aber auch in diesem Fall die Zahl der Etagen, die die Spieler am Ende des Spiels erreicht haben müssen. Je höher das Gebäude wird, umso schwieriger wird es, die Aufgaben zu erfüllen. Das Spiel endet aber nicht, wenn das Gebäude hoch genug ist, sondern, wenn mindestens eine von drei Gewinnbedingungen eintritt. Dazu zählt, dass der Beutel mit Säulen leer ist. Am Ende gewinnen alle gemeinsam oder verlieren zusammen.

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Einschätzung
„Menara“ macht schon rein optisch viel her. Das Design ist sehr schön und die einzelnen Platten, die die Spieler verbauen müssen, sind völlig unterschiedlich und sehr interessant geformt. Die Baukarten, in den schwereren Kategorien, sind zum Teil sehr herausfordernd. Um zum Beispiel Säulen nach oben versetzen zu können, muss man sich entsprechende Säulen „offen“ halten. Da heißt es vorausschauend und klug planen und sich gut beraten! Genau das macht einen großen Reiz bei „Menara“ aus, dieses miteinander überlegen, was die beste Vorgehensweise ist! Sicher kann man irgendwann nach mehreren Partien sehr gut abschätzen welche Baukarten in welcher Kategorie noch kommen könnten und entsprechend kann man sich darauf einstellen. Und dennoch erfordert „Menara“ immer noch eine ruhige Hand und ein gewisses Gefühl für Balance und Statik. Doch die Bodenplatten sind stabil und die Säulen geben durchaus Halt. So können auch gewagte Konstruktionen errichtet werden. Dazu kommt natürlich der Glücksfaktor: Welche Säulen stehen dem einzelnen Spieler zur Verfügung? Da kann es schon mal zu einer ungleichen und ungünstigen Farbverteilung kommen. In Kombination mit entsprechenden Baukarten ist das Scheitern dann kaum noch abzuwenden. Bei „Menara“ als Team zu gewinnen ist nicht selbstverständlich, aber das macht es auch spannend. Ein Plus des Spiels ist, dass es auch alleine gespielt werden kann und selbst, wenn mal mehr als vier Leute am Tisch sitzen, ist das nicht schlimm. Auch mit fünf oder sechs Leuten lässt sich „Menara“ noch spielen, wenn einige als „Berater“ tätig sind. „Menara“ ist ein sehr schönes, kommunikatives und kooperatives Familienspiel, das das gemeinsame Agieren in den Vordergrund stellt und fördert. Das Spiel ist rundum positiv. Für mich ein Kandidat für das Spiel des Jahres!

„Menara“
Autor: Oliver Richtberg
Verlag: Zoch
Für 1 – 4 Spieler
Ab 8 Jahren
Dauer: 30 Minuten
Preis: ca. 30 Euro

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