MiniCity

© Piatnik Verlag

Insekten sind oft kleine, meist aber sehr nützliche Lebewesen. Der Fleiß und die Emsigkeit der Bienen und Ameisen sind ja sprichwörtlich. Wer schon einmal einen Ameisenhügel eine Weile betrachtet hat, der ist erstaunt über das Gewimmel von tausenden Tieren, das dennoch einem klaren Plan zu folgen schient und zielgerichtet ist. Futter in den Bau zu schaffen und das möglichst schnell und in großer Menge. Genau darum geht es auch in dem Spiel „MiniCity“, das beim Wiener Piatnik Verlag erschienen ist. Die Spieler müssen als fleißige Arbeiter in einer Ameisen Kolonie möglichst schnell farbige Futtersteine in dazu passende Vorratskammern bringen.

Wie funktioniert es?
Jeder Spieler hat – je nach Spieleranzahl – 25 – 43 farbige Futtersteine in einer Holzkiste liegen. Die Anzahl und die Verteilung der Steine in fünf Farben sind bei jedem Spieler identisch. Ziel ist es nun, diese Futtersteine aus der Holzkiste in den Ameisenbau zu schaffen. Da Ameisen zwar stark sind, aber nicht unbegrenzt stark, können immer nur sieben der Futtersteine auf einmal transportiert werden. Sie werden in einem abgegrenzten Bereich der Holzkiste für jeden Zug des Spielers bereitgelegt.

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Zwischen den Spielern erstreckt sich der Ameisenhügel mit insgesamt 49 Vorratskammern, die über verzweigte Wege miteinander verbunden sind. In jeder der fünf Farben gibt es Vorratskammern, die für einen bis vier Futtersteine in der jeweiligen Farbe Platz bieten.

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Auf dem Ameisenhügel verteilt befinden sich fünf Ameisen, die dafür bereit stehen, die Futtersteine nun aus der Holzkiste in die farblich passenden Vorratskammern zu transportieren. Welche der fünf Ameisen uns beim Transport der Futtersteine hilfreich zur Seite steht, bestimmen Ameisen-Karten, von denen jeder Spieler zu Beginn seines Zuges immer vier Stück auf der Hand hält. Ist ein Spieler am Zug, kann er bis zu drei dieser Karten ausspielen und an zwei Ameisenstraßen anlegen. Die Ameisenstraßen bestehen aus den Ameisen-Karten und verlaufen um den Ameisenhügel herum. Zu Spielbeginn werden hier schon einige Karten platziert. Legt ein Spieler eine Ameisen-Karte kann er die Ameise in der entsprechenden Farbe bewegen. Wie weit die Bewegung geht, hängt davon ab, wie viele Ameisen in dieser Farbe als Kette zusammenhängen.

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Liegen drei blaue Ameisen-Karten in einer Ameisenstraße direkt hintereinander, so kann die blaue Ameise auf dem Spielbrett um bis zu drei Schritte bewegt werden. In der Vorratskammer, in der die Ameise stehen bleibt, kann sie dann farblich passende Futtersteine ablegen, so dort noch Platz ist. Danach kann der Spieler dieselbe oder auch eine andere Ameise bewegen, je nachdem, welche Karten er auf der Hand hat. Dies kann er dann noch einmal wiederholen.

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Hat eine Ameisenstraße den Fluss erreicht, wird sie komplett abgeräumt und eine neue Ameisenstraße gebildet. Am Ende seines Zuges zieht der Spieler immer wieder auf vier Ameisen-Karten auf seiner Hand auf. Dann füllt er seinen Transportbereich in der Futterkiste wieder auf sieben Futtersteine auf und der nächste Spieler ist an der Reihe. Der Spieler gewinnt, der zuerst alle seine Futtersteine aus seiner Holzkiste losgeworden ist.

Einschätzung
Das Spiel ist kindgerecht illustriert und schön bunt. Schon das Cover macht klar: Hier ist ein Kinderspiel mit fröhlichen Ameisen. Die Aufmachung macht Lust zu spielen. Die Spielidee ist auch recht einfach und die Regeln sind es auch. Karte spielen – passende Ameise bewegen und Futtersteine in der entsprechenden Kammer ablegen. Das Grundprinzip ist schnell erklärt und wirklich leicht verständlich, so dass Kinder ab sieben Jahren problemlos auch alleine spielen können. Jedoch hat das Spiel gewisse Pferdefüße.

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Das Spielbrett ist wunderschön gestaltet, mit viel Liebe zum Detail, jedoch ist es, was die Wege angeht teilweise unübersichtlich. Wo ist ein Weg? Und welche Kammer muss ich als Schritt mitzählen? Deshalb ist es sinnvoll sich das Spielbrett vor der ersten Partie gut anzuschauen. Ab der zweiten Partie sollten die Wege kein Problem mehr sein. Schwerwiegender ist da eher, dass in der Spielanleitung nicht alles erklärt ist. So wird nicht erwähnt, ob es erlaubt ist, dass zwei Ameisen in einer Kammer stehen. Hier gilt für mich die Devise: Alles, was in der Spielanleitung nicht ausdrücklich verboten ist, ist erlaubt. Doch es kommt noch ein weiteres Manko hinzu: Das Spiel ist nur schwer zu steuern. Mit vier Spielern ist es fast nicht möglich sinnvoll zu planen. Da sich die Position der Ameisen auf dem Spielbrett ständig verändert und die Zusammensetzung der Ameisenstraße sowieso. Zu Spielbeginn ist das noch nicht so gravierend, da man fast immer irgendwo Futtersteine ablegen kann; gegen Spielende ist es aber wirklich ärgerlich und kann zu Frust führen. Tendenziell ist auch der Startspieler leicht im Vorteil, auch, wenn das durch die erste Runde versucht wird auszugleichen, in der der Startspieler nur eine Ameisen-Karte ausspielen darf. Interessant finde ich noch die Erweiterung. Hier kommen Freundeskarten ins Spiel, die sich die Spieler holen können, wenn sie keine Futtersteine in einer Vorratskammer abliefern können. Die Erweiterung verlässt jedoch für mich den Bereich des Kinderspiels. Deshalb ist „MiniCity“ für mich insgesamt eher ein durchschnittliches Familienspiel, das sich in seiner Grundversion auch als Kinderspiel eignet. Es ist kein schlechtes Spiel, aber ich hatte mir mehr erwartet.

„MiniCity“
Autor: Teodoro Mitidieri und Leo Colovini
Verlag: Piatnik
Für 2 – 4 Spieler
Ab 7 Jahren
Dauer: 35 Minuten
Preis: 25 Euro

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