Natives

© Kosmos Verlag

Die Namen Anatoly Shklyarov, Alexey Paltsev und Alexey Konnov werden den meisten Brettspielfreunden wenig sagen. Dass die drei Russen so wenig bekannt sind, dürfte auch damit zusammenhängen, dass sie ihre Spiele unter dem Pseudonym Trehgrannik veröffentlichen. Einige der Spiele, die die drei Spieledesigner bisher gemeinsam veröffentlicht haben, könnten aber schon bekannt sein. Dazu zählen unter anderem „Bug Race“, „Game of Trains“ und auch „Natives“, das im Frühjahr beim Kosmos Verlag erschienen ist.

Wie funktioniert es?
„Natives“ ist ein Kartenspiel, bei dem es darum geht, den eigenen Indianerstamm zu vergrößern und erfolgreich über den Winter zu bringen. Sieben Indianer mit jeweils einer eigenen Fähigkeit liegen in einer Kartenreihe vor jedem Spieler. Das ist der Stamm. In der Tischmitte werden Karten vom großen Nachziehstapel, dem „Präriestapel“, in die „Prärie“ gelegt.

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Sie bildet die offene Auslage, aus der sich der aktive Spieler bedienen darf. Als ersten Schritt in seinem Zug, legt ein Spieler immer eine Karte vom „Präriestapel“ in die „Prärie“. Dann kann er, als zweiten Schritt, die Fähigkeit des Kundschafters aus seinem Stamm einsetzen. Diese erlaubt es, weitere Karten in die „Prärie“ zu legen. Bei nur einem Kundschafter im Stamm ist das genau eine Karte, die zusätzlich aufgedeckt werden kann. Sollte es einen zweiten Kundschafter geben, dann sind es schon zwei Karten, bei einem dritten Kundschafter drei usw. Was für den Kundschafter gilt, das gilt auch für alle anderen Stammesmitglieder, deren Fähigkeiten dann im dritten Schritt des Zuges eines Spielers aktiviert werden können. Je mehr Indianer einem Stammesmitglied zugeordnet sind, umso stärker wird dessen Fähigkeit. Also ist es wichtig, möglichst viele Stammesmitglieder zu haben.

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Dafür sorgt der Stammesälteste. Mit seiner Fähigkeit holt er Indianer – eigene und fremde – aus der „Prärie“ in den eigenen Stamm. Dabei bringen Indianer, die eigentlich einem anderen Stamm angehören am Spielende entsprechend Minuspunkte ein. Es sei denn, sie werden vom Krieger des Stamms gefangen genommen. Insgesamt sollte man sich gut überlegen, ob sich die Investition in diese fremden Arbeitskräfte lohnt. Sinnvoll kann es schon sein. Liegen in der „Prärie“ drei schöne Lachse aus, so freut man sich, wenn der Fischer des Stammes entsprechend Unterstützung hat. Denn neben neuen Indianern, kommen unter anderem auch Lebensmittel in die „Prärie“. Sie bringen neben Stammesmitgliedern die wertvollen Siegpunkte. So erlegt der Jäger Bisons und der Farmer erntet Mais. In einem Zug, kann aber immer nur eine Fähigkeit eines Stammesmitglieds eingesetzt werden. Also heißt es auszuwählen. Die Entscheidung, welches Stammesmitglied ein Spieler aktivieren will, hängt unter Umständen davon ab, welche Bonuskarten er bereits sammeln konnte. Diese Bonuskarten gibt es in Form von Totems, die der Schamane des Stamms aus der „Prärie“ holt. Sobald die Karte „Es ist Winter“ im „Präriestapel“ aufgedeckt wird, wird das Spielende eingeleitet. Wer am Spielende die meisten Punkte durch neue Karten im Stamm sammeln konnte, der hat gewonnen.

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Einschätzung
„Natives“ kommt sehr schön schlank und mit einer angenehm kurzen Spieldauer daher! Die Grafik ist eher abstrakt und sehr reduziert. Mir gefällt sie trotzdem sehr gut. Ein wenig Platz am Tisch ist schon von Nöten, um die Karten im eigenen Stamm entsprechend auszulegen. Vor allem, wenn mit den bereits mitgelieferten Erweiterungen gespielt wird. Sie bringen dem Spiel noch einmal mehr Tiefe und erlauben mehr Strategie, die sonst wenig zum Tragen kommt, weil der „Präriestapel“ gerade bei vier Spielern recht schnell durchgespielt ist. „Natives“ ist in der Grundversion nicht kompliziert, die Regeln sind schnell erklärt und dennoch muss ich schon gehörig nachdenken, um die richtigen taktischen Entscheidungen zu treffen. Denn wie immer möchte ich am liebsten alles auf einmal machen: Neue Indianer in den Stamm holen, Lachse fischen und Mais anbauen. Doch das bekannte Dilemma: Ich kann in einem Zug immer nur eins davon tun. „Natives“ ist also ein sehr taktisches Spiel, bei dem ich auch immer schauen sollte, was meine Mitspieler so anstellen. Insgesamt ist „Natives“ ein sehr ansprechendes Spiel, das auch mit zwei Spielern sehr gut funktioniert, zu viert aber definitiv am meisten Spaß macht. Es liegt in der Schwierigkeit, abhängig davon, ob man mit Erweiterungen spielt oder nicht, zwischen Familienspiel und leichtem Kennerspiel.

„Natives“
Autor: Trehgrannik
Verlag: Kosmos
Für 2 – 4 Spieler
Ab 10 Jahren
Dauer: 30 Minuten
Preis: 13 Euro

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