
Wikinger kennen die meisten Menschen entweder von der Zeichentrick-Serie „Wickie und die starken Männer“ oder von den beiden Realverfilmungen, die vor einigen Jahren in den Kinos liefen. Manche mögen auch die Serie „Vikings“ geschaut haben. Die für ein völlig anderes Publikum gedreht wurde. Was beide Serien allerdings verbindet, ist die Tatsache, dass die Wikinger losziehen, um neue Länder zu entdecken und – das ist die bittere Wahrheit – zu plündern. Weshalb das Spiel „Neuland“ von Charles Chevallier und Laurent Escoffier, das im Herbst bei Game Factory erschienen ist, im Original bei Gigamic auch „Looot“ heißt. Was eine Dehnung des englischen Wortes für Beute darstellt. Auf dem Spielecover macht sich das sehr gut als für Wikinger typisches Langboot. Was mit dem deutschen Titel leider nicht so gut funktioniert. Was dagegen im Original wie in der deutschen Version sehr gut funktioniert, ist das Spiel selbst.
Wie funktioniert es?
Bei „Neuland“ setzen wir Wikingerfiguren auf einem zentralen Spielplan ein und bekommen dadurch Ressourcen in Form von Plättchen, die wir auf unseren persönlichen Spielplan legen. Indem wir die Plättchen bei uns platzieren, erfüllen wir Aufgaben, für die es am Ende des Spiels dann Punkte gibt. Das ist die Spielidee.

Zu Beginn wird der zentrale Spielplan zusammengesetzt. Abhängig von der Anzahl der Leute, die mitspielen, besteht der Spielplan aus zwei bis vier Teilen, die beidseitig verwendet werden können und im Grunde beliebig aneinandergefügt werden. Die einzelnen Teile bestehen aus Sechseckfeldern, die Schafe, Bäume, Gold und Truppen zeigen.

Das sind Ressourcen. Die Ressourcenplättchen werden als Haufen an der Seite bereitgelegt. Außerdem gibt es noch drei Gebäudearten. Auf jedes Feld mit Haus und Turm werden je zwei Plättchen mit Häusern, bzw. Türmen gelegt. Auf jedes Feld mit einer Burg kommen drei Plättchen, die eine Burg zeigen.

Am Rand des Spielplans wird ein Element angefügt, das Platz für fünf Aufwertungsplättchen hat. Diese werden zufällig aus einem Beutel gezogen und dort platziert. Für entsprechende Ressourcen und Gebäude gibt es am Ende des Spiels mehr Siegpunkte. Auf ein weiteres Element, das ebenfalls beliebig an den Rand des Spielplans angefügt wird, kommen fünf Trophäen-Plättchen, die Siegpunkte für gesammelte Äxte einbringen. Äxte erhalten wir über Truppenfelder.

Jetzt wählen alle je eine Farbe und nehmen sich das persönliche Tableau in der gewählten Farbe, dazu 13 Wikingerfiguren, drei besondere Schilde, die Zusatzaktionen ermöglichen und noch drei Baustellen, die auf vorgegebenen Feldern auf dem persönlichen Tableau platziert werden. Die Anforderungen zum Erfüllen der Baustellen sind für alle unterschiedlich. Damit sind die Vorbereitungen abgeschlossen und es kann losgehen.

Bin ich am Zug, setze ich eine Wikingerfigur aus meinem Vorrat auf den Spielplan ein. Und zwar immer auf ein freies Ressourcenfeld benachbart zu einer schon auf dem Spielplan befindlichen Wikingerfigur oder auf ein Feld neben einem Feld mit Aufwertungsplättchen. So kommen wir auch ins Spiel, da sich am Anfang ja noch kein Wikinger auf dem Spielplan befindet. Da es von den Feldern mit Aufwertungsplättchen nur fünf Felder gibt, passiert es im Laufe des Spiels dann eher seltener, dass hier noch ein Feld mit einem Wikinger belegt wird.

Sobald ich meine Figur auf ein Feld eingesetzt habe, nehme ich die Ressource, die dieses Feld bietet und lege das Ressourcenplättchen auf mein persönliches Tableau. Die Ressourcen Schaf, Baum, Gold und Äxte nehme ich dabei aus dem Vorrat. Verändert werden die Regeln durch die drei Schilde, die ich jeden einmal pro Spiel verwenden kann. Ein Schild erlaubt es mir zwei Wikinger direkt hintereinander zu setzen. Ein anderes lässt mich zwei Ressourcen von einem Feld gewinnen. Das dritte Schild ermöglicht es, dass ich einen Wikinger auf ein Feld stelle, auf dem sich schon ein anderer Wikinger befindet.

Ich kann frei wählen, wohin ich das Ressourcenplättchen auf mein persönliches Tableau lege. Sinnvollerweise platziere ich es dort, wo ich die Ressource benötige. Zum Beispiel benachbart zu einer der drei Baustellen auf meinem Tableau, die ich gerne fertigstellen will oder neben einem Aufwertungsplättchen, das ich aktivieren will. Denn am Ende meines Zuges kann ich, wenn ich will, ein ausliegendes Aufwertungsplättchen wählen und ebenfalls auf mein Tableau legen. Aus einem Beutel wird dann ein neues Aufwertungsplättchen zufällig nachgezogen.

Um die Aufwertungsplättchen zu aktivieren, benötige ich ebenfalls Ressourcen, die ich benachbart dazu ablege. Für jedes Aufwertungsplättchen, das ich am Spielende nicht aktivieren konnte, erhalte ich fünf Minuspunkte, also sollte ich gut überlegen, was ich mir nehme und wohin ich es auf meinem Tableau platziere. Um an Plättchen mit Häusern, Türmen und Burgen zu kommen, gilt Folgendes: Ein Haus-Plättchen bekomme ich dann, wenn ich einen Wikinger benachbart zu einem Haus platziere. Turm-Plättchen erhalte ich, wenn ich zwei Turmfelder auf dem Spielplan mit eigenen Figuren verbinde. Dabei darf eins der Felder auch schon leer sein. Ein Plättchen mit einer Burg sammle ich ein, wenn ich mindestens vier eigene Figuren mit einem Burg-Feld in Verbindung bringe. Sind es acht eigene Figuren, darf ich mir ein weiteres Burg-Plättchen nehmen. Da die Anzahl der Gebäude-Plättchen pro Feld beschränkt ist, gehe ich leer aus, wenn ich zu spät komme.

Das gilt auch für die Trophäen-Plättchen, die ich über die Anzahl der Äxte auf meinem Tableau für mich reklamieren kann. Dabei kann ich genau einmal im Laufe des Spiels eine Axt-Trophäe beanspruchen.

Habe ich alle benötigte Ressourcen und Gebäude auf meinem Tableau um eine Baustelle oder ein Aufwertungsplättchen herum platziert, drehe ich die Baustelle bzw. das Aufwertungsplättchen auf die Rückseite. Wie viele Punkte ich grundsätzlich für erfüllte Baustellen, für Gebäude und Ressourcen bekomme, das sehe ich rechts unten auf meinem Tableau. Die Aufwertungsplättchen verändern diese Grundwerte entsprechend. Haben alle ihre sämtlichen Wikingerfiguren eingesetzt, gibt es die Endwertung.

Fertige Baustellen bringen Punkte, sowie Gebäude und Ressourcen. Dabei wird der Punktewert des jeweiligen Gebäudes oder einer Ressource mit der Anzahl der Gebäude bzw. Ressource dieser Art multipliziert. Also sollte ich neben Aufwertungen für eine Ressource auch entsprechend viele Plättchen dieser Ressource haben. Zu den Punkten für erfüllte Baustellen, Gebäude und Ressourcen kommen dann noch Punkte für das Trophäenplättchen, das ich eventuell für mich reklamieren konnte. Nicht erfüllte Aufwertungsplättchen werden dann noch abgezogen. Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt.
Einschätzung

„Neuland“ ist ein leicht zugängliches Spiel, weil die Regeln übersichtlich sind. Es ist auch sehr schnell erklärt. Gleichzeitig entfaltet es aber auch eine schöne taktische und strategische Tiefe. Ich muss schauen, wie ich die Kombination schaffe aus den Ressourcen-Plättchen und Gebäude-Plättchen und den Anforderungen, die ich erfüllen will. Dabei muss ich aber schauen, wie ich meine Figuren möglichst effektiv platziere, um meine Ziele zu erreichen. Was alle anderen auch wollen, und so kommen wir uns in die Quere, schneiden uns Wege ab. Wann ich meine Schilde sinnvoll einsetze, ist ebenso entscheidend, wie die Frage, welche Aufwertungsplättchen ich mir holen sollte. Ein bisschen geben meine Baustellen vor, auf welche Aufwertungs-Plättchen ich gehen sollte. Abhängig ist alles vom Angebot bei den Aufwertungs-Plättchen. Und das verändert sich beim Spiel zu viert wesentlich schneller. Was ich gut finde. Zwar ist der Konkurrenzdruck bei vier Leute höher, der Spaßfaktor nimmt aber auch zu, denn es gibt mehr Möglichkeiten die Vorlagen zu nutzen, die mir die anderen Leute mit ihren Figuren bieten.

Dass der Spielplan mit der Anzahl der Leute wächst, ist sehr durchdacht. Mir gefällt dabei auch der sehr variable Aufbau des Hauptspielplans und der anderen Elemente, die dort angelegt werden. Auch auf dem eigenen Tableau entsteht immer eine neue Landschaft. Keine Partie ist wie die andere. Das Material ist gut und erfüllt seinen Zweck. Da ist kein unnötiger Schnickschnack dabei. Einziges Manko: Die Farben Blau und Anthrazit sind bei schlechtem Licht, nur unzureichend zu unterscheiden.
Insgesamt ist „Neuland“ aber ein sehr unterhaltsames und kurzweiliges Familienspiel auf gehobenem Niveau mit einem hohen Wiederspielreiz. Eine schöne Verbindung von Figureneinsatz- und Plättchen-Legespiel. Es macht Spaß und konnte mich vollkommen überzeugen.
„Neuland“
Autor: Charles Chevallier, Laurent Escoffier
Verlag: Game Factory
Für 2 – 4 Personen
Ab 10 Jahren
Dauer: 45 Minuten
Preis: Ab 27 Euro
