Paleo

© Hans im Glück Verlag

Das neue Kennerspiel des Jahres 2021 heißt „Paleo“. Die Paläontologie ist die Wissenschaft von den Lebewesen und Lebewelten der geologischen Vergangenheit. So ist es auf Wikipedia kurz und knapp beschrieben. Wohin ein Spiel führen könnte, das „Paleo“ heißt, das liegt dann im Grunde auf der Hand: In die Steinzeit nämlich. Der Titel des Spiels hat übrigens nichts mit der Paleo Diät zu tun. Das hat Autor Peter Rustemeyer anlässlich der Preisverleihung zum Kennerspiel des Jahres ausdrücklich betont. Wie er dort erzählte war zwar zuerst der Spielmechanismus da, aber das Thema habe dann schon am darauffolgenden Tag festgestanden.

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Wie funktioniert es?

Das Ziel bei „Paleo“ ist es ein Höhlenbild aus fünf Teilen fertigzustellen bevor wir fünf Totenköpfe angesammelt haben. Diese Aufgabe gehen wir alle gemeinsam an. Damit das nicht geschieht – mit den Totenköpfen – müssen wir dafür sorgen, dass unsere Gruppen von Steinzeitmenschen überleben. Zu Beginn hat jeder von uns zwei Menschen in seiner Gruppe. Diese Menschen sind Krieger, Jäger oder Handwerker oder Sammler. Jeder Mensch hat eine Grundfähigkeit, die durch ein Symbol (Sperr, Auge oder Werkzeug) in der Ecke der Karte dieses Menschen abgebildet ist und manchmal bringt dieser Mensch auch noch einen nützlichen Gegenstand mit – wie eine Fackel oder ein Seil.

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Außer, dass wir dafür sorgen müssen, dass unsere Menschen in der Gruppe überleben, müssen wir alle gemeinsam am Ende jeder Runde bestimmte Anforderungen erfüllen. So müssen wir unsere Menschen mit Nahrung versorgen. Und im ersten Level des Spiels müssen wir auch noch ein Fell besitzen und ein Zelt gebaut haben. Gelingt uns das nicht, kassieren wir ebenfalls Totenköpfe. Die Anforderungen, die wir erfüllen müssen stehen auf Karten, die je nach Level, das wir gewählt haben variieren. Abgelegt werden diese Karten auf einem von drei Tableaus. Dort sammeln wir unsere Teile für die Höhlenmalerei und die Totenköpfe. Obwohl „Paleo“ ein kooperatives Spiel ist, kann ich Aufgaben auch alleine bewältigen, besser ist es aber oft zusammenzuarbeiten.

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Wichtig dafür sind die Absprachen darüber, wer welche Karten spielt. Der zentrale Spielmechanismus von „Paleo“ wird durch Ereigniskarten gesteuert. Es gibt einen großen Stapel mit Ereigniskarten. Der wird gemischt und die Karten werden an alle reihum verteilt. Dann liegt ein verdeckter Kartenstapel vor mir, den ich mir aber nicht ansehen darf. Die Rückseite jeder Karte gibt mir aber einen Hinweis, was auf der Vorderseite sein könnte. Dafür gibt es auch eine Übersicht auf einem weiteren Tableau, wo wir auch die Rohstoffe sammeln, die wir hoffentlich durch die Karten bekommen.

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Im Wald kann ich Holz finden und Nahrung. Am Fluss gibt es Nahrung und Felle. Im Gebirge Felle und Steine. Bei der Feuerstelle kann ich Gegenstände erschaffen, wie einen Faustkeil oder einen Sperr, wofür ich aber erst einmal Holz und Stein benötige und bei den gefährlich aussehenden roten Karten lauert fast immer eine Gefahr. Also werde ich versuchen die roten Karten zu vermeiden und lieber Wald oder Fluss nehmen. Aber das ist trügerisch, denn statt des erhofften Holzes, das wir zum Bauen eines Sperrs benötigen, könnte sich auch ein Wolf hinter der Waldkarte verbergen. Zwischen den obersten drei Karten meines Decks kann ich immer wählen. Dabei können wir uns gemeinsam darüber austauschen, was wohl hinter einer Karte stecken könnte und was wir wohl am sinnvollsten nehmen sollten. Die jeweils gewählte Karte wird von allen gleichzeitig aufgedeckt und dann müssen wir entscheiden, wie wir den Herausforderungen begegnen wollen, die sich uns jetzt stellen. Um zum Beispiel ein Wildschwein zu erlegen, das uns Nahrung und Fell bringt, brauche ich eine bestimmte Anzahl von Sperren in meiner Gruppe.

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Habe ich die nicht alleine, kann mir vielleicht ein anderer Spieler helfen und wir gehen gemeinsam auf die Jagd. Das ist aber nicht immer so einfach, weil vielleicht auch der andere Spieler Hilfe benötigt. Da müssen wir als Gruppe gut überlegen, was sinnvoll ist, damit wir unserem Ziel näher kommen. Um eine Karte dann erfüllen zu können, muss ich aber auch noch Karten von meinem Kartenstapel ablegen. Kann ich das nicht, kann ich die Karte auch nicht spielen. Wenn ich von meinem Stapel rote Karten ablegen muss, bedeutet jede rote Karte eine Wunde, die ich unter den Menschen in meiner Gruppe verteilen muss. Sollte ein Mensch in meiner Gruppe sterben, weil er mehr Wunden-Marker auf sich liegen hat, als er vertragen kann, bedeutet das auch einen Totenkopf für unsere Gemeinschaft.

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Die Karte, die ich erfüllt habe und Karten, die ich dafür abgelegt habe, um sie zu erfüllen, werden auf ein eigenes Tableau gelegt. Manche Karten, die ich erfüllt habe, kommen aber auch komplett aus dem Spiel. Neben den Ereigniskarten und den Personenkarten gibt es auch noch Traumkarten und Entwicklungskarten. Sie können durch verschiedene Ereignisse ins Spiel kommen und sind meist positiv für uns, da sie es ermöglichen neue Gegenstände zu bauen. Haben alle Spieler ihren Kartenstapel durchgespielt, kommt die Phase, in der wir dann eben unsere Menschen mit Nahrung versorgen und Anforderungen erfüllen müssen. Dann werden alle Ereigniskarten, die offen und die verdeckten, wieder zusammengemischt und verteilt und eine neue Runde beginnt. Das geht so lange, bis wir gewonnen oder verloren haben.

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Einschätzung

Dass „Paleo“ zum Kennerspiel des Jahres gewählt wurde, kann ich sehr gut verstehen. Das Spiel bietet wirklich eine Menge Herausforderungen. Und trotz seiner Spieltiefe ist es schnell erklärt und auch erlernt. Dazu gibt es genug verschiedene Karten und Module mit denen ich spielen kann, dass es nicht langweilig oder vorhersehbar wird. Es wird natürlich mit jedem Modul und damit mit jedem Level schwieriger. Und gerade bei der ersten Partie ist man eher in der Gefahr heftig zu verlieren. Aber nicht entmutigen lassen. Spätestens ab der zweiten Partie weiß man, wie das Mammut läuft und man kommt viel besser voran. „Paleo“ ist nicht nur eine Herausforderung.

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Das Spiel erzeugt auch eine Atmosphäre, die Lust macht, es immer weiter zu spielen, dabei ist die Spieldauer nicht überzogen lang – kann aber auch sehr variieren; je nachdem, wie schnell wir vorankommen oder verlieren. Übrigens trägt auch die sehr gelungene Gestaltung viel zur Atmosphäre bei. Sehr schön ist diese neue Art der kooperativen Zusammenarbeit, die ist wirklich innovativ. Und auch, wie die Karten verwendet werden. Das ist genial gelöst. Und es ist auch thematisch alles stimmig. „Paleo“ ist ein richtig gutes kooperatives Familien- und Erwachsenen-Spiel, das in jeder Besetzung, also mit zwei, drei oder vier Spielern funktioniert. Wobei es zugleich schwieriger und leichter wird, je mehr daran teilnehmen. Klingt paradox, aber so ist es. Weil wir uns zwar mehr helfen können, aber auch mehr Herausforderungen kommen und mehr Menschen ernährt werden müssen. Wie schon zu Beginn erwähnt, ist „Paleo“ ein würdiger Gewinner 2021.

„Paleo“
Autor: Peter Rustemeyer
Verlag: Hans im Glück
Für 2 – 4 Spieler
Ab 10 Jahren
Dauer: 60 Minuten
Preis: 45 Euro

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