
Gärten sind etwas sehr Schönes. Wer einen Garten hat, weiß das. Er macht natürlich auch Arbeit, die aber auch belohnt wird. Das Thema Gärtnern ist bisher in Gesellschaftsspielen nur gelegentlich mal aufgegriffen worden. Zum Beispiel in „Gardeners“, bei „Floral“ oder in „Cottage Garden“. Neu in der Reihe – und optisch herausragend – ist das Familienspiel „Pergola“. Das Spiel, das im Rebel Verlag erschienen ist, stammt von Michał Gołąb Gołębiowski und Przemek Wojtkowiak und wird durch die Grafik von Karolina Kijak veredelt. Ein sehenswerter Garten entsteht nach und nach bei diesem nicht nur für das Auge ansprechenden Spiel.
Wie funktioniert es?

Zunächst wird in die Tischmitte ein Inlay platziert, das wir so wie es ist aus der Schachtel nehmen können. Darauf befinden sich schon fast alle Komponenten, die wir für das Spiel benötigen. Auf den Seerosenteich in der Mitte des Inlays legen wir Libellen. Wir bilden drei gleichgroße Stapel mit gemischten bunten Blättern auf einem eigenen kleinen Feld.

Dann bestücken wir noch einen Behälter mit Gartenwerkzeug. Vier verschiedene Arten von Werkzeug werden hier nebeneinander einsortiert. Die ersten vier Werkzeuge der ersten Art werden dann herausgenommen und zu einer Aktionsleiste gelegt, so dass jedes Werkzeug einer Aktion zugeordnet ist. Dann bekommen alle je einen kleinen Behälter, in den wir im Laufe des Spiels jeweils 15 Werkzeuge abstellen.

Werkzeuge, die wir in unserem Zug ausgewählt haben. Dann erhalten alle ein persönliches Tableau, das einen noch sehr leeren, aber schon individuell gestalteten, Garten zeigt. An ihren Garten legen alle links eine Pergola an und links einen Wasserfall. Außerdem kommen in den Garten ein Vogelhaus, ein Frosch, in die Pergola vier Honiggläser, auf die inaktive Seite gedreht, und zwei Wassertropfen auf den Wasserfall. Zuletzt werden unterhalb der Gärten Leisten platziert, die anzeigen, wofür es am Ende des Spiels Punkte geben wird.

Im Laufe des Spiels fülle ich meinen Garten und die Pergola mit Pflanzen und Insekten und bunten Lampions. Alle diese Dinge geben mir am Ende des Spiels auf unterschiedliche Art Siegpunkte.

Bin ich am Zug, dann wähle ich eins der vier in der offenen Auslage befindlichen Werkzeuge. Auf jedem Werkzeug sind immer zwei Dinge abgebildet, die ich mir dann aus dem zentralen Inlay nehmen kann. Das sind in unterschiedlicher Kombination Insekten, Pflanzen oder Lampions. Mit der Stelle, wo das Werkzeug an der Aktionsleiste liegt, ist auch immer eine bestimmte Aktion verbunden. Die Aktion führe ich aus, nachdem ich mir die Dinge vom Werkzeug in meinen Garten geholt habe.

Als Aktion kann ich meinen Frosch auf dem Seerosenteich hüpfen lassen, ich kann einen Wassertropfen den Wasserfall nach unten laufen lassen, ich kann einen Vogelflug zum Blätterhaufen machen und ich kann mit dem Insektenflug zwei Insekten in meinem Garten bewegen. Denn es spielt durchaus eine Rolle, wo am Ende des Spiels die Insekten auf Pflanzen sitzen. Zum Beispiel sollten Schmetterlinge möglichst hoch auf Stockmalven sitzen. Ansonsten kann ich Pflanzen, von denen es neben den Stockmalven noch Magnolien, Waldreben und Lavendel gibt, beliebig in meinen Garten platzieren.

Wobei die Waldreben in die Pergola gehören. Denn auf den Waldreben finden Bienen ihren Platz, die wiederum in ausreichender Anzahl dafür sorgen, dass ich meine Honiggläser auf die aktive Seite drehen kann. Dadurch kann ich zusätzliche Punkte erhalten. Die Marienkäfer sind auf den Magnolien zuhause. Dort wollen sie in einer Reihe nebeneinandersitzen. Durch die Aktionen auf dem Seerosenteich, am Wasserfall und bei dem Blättern bekomme ich die meisten Insekten in meinen Garten. Pflanzen und Lampions bekomme ich dagegen ausschließlich über Werkzeuge.

Dabei kann ich Lampions einmalig für einen besonderen Effekt nutzen. Habe ich das getan drehe ich die Lampions auf ihre Rückseite. Nachdem ich die Aktion ausgeführt habe, werden alle Werkzeuge bis zu der Stelle verschoben, in der sich nun eine Lücke befindet und am Ende der Aktionsleiste wird wieder ein neues Werkzeug platziert. So haben alle immer vier Werkzeuge und Aktionen zur Auswahl. Bei „Pergola“ kann ich zwar nicht alles machen, was ich gern tun würde, aber ich bekomme für fast alles Siegpunkte. Am Ende lohnt sich das Rechnen, was denn nun mehr Punkte einbringt. Nach fünfzehn Zügen ist Schluss und es wird gewertet. Dabei ist die Wertung dank der Wertungsleisten sehr übersichtlich.
Einschätzung

„Pergola“ hat ganz wunderbares Material. Das sieht einfach sehr schön aus, wenn so nach und nach ein Garten voll Blütenpracht und Insekten auf dem Tisch entsteht. Es ist auch alles gut verstaut in dem Inlay, das ich einfach aus der Schachtel heben kann. Das ist sehr durchdacht und alles hat in der Spieleschachtel seinen Platz. Und selbst wenn die Spieleschachtel aufrecht steht, fallen die einzelnen Elemente nicht aus dem Inlay.

Die Regeln von „Pergola“ sind im Grunde schnell erklärt. Wähle eins von vier Werkzeugen, nimm Dir die darauf abgebildeten Dinge und führe dann die dazugehörige Aktion aus. Was länger dauert, ist zu entscheiden, was ich wählen soll. Was benötige ich? Welche Aktion hilft mir jetzt am meisten? Grundsätzlich ist „Pergola“ sehr entspannt, Konkurrenz entsteht nur um die Libellen auf dem Seerosenteich. Hier hilft es auch zu schauen, was die anderen schon so gesammelt haben. Denn die Libellen erfordern eine bestimmte Anzahl an Pflanzen.

Während die Regeln von „Pergola“ schnell erklärt sind, dauert es länger, zu beschreiben für was ich alles Siegpunkte bei diesem Spiel bekomme! Aber dank der Wertungsüberblicke unterhalb unserer Gärten, sehen wir jederzeit, für was wir Punkte erhalten. Es gibt sehr viele Punkte zu holen und das auf die unterschiedlichste Weise. Ich kann sehr verschiedene Strategien bei „Pergola“ verfolgen und alle haben eine Chance auf Erfolg. Das alles gefällt mir ausgesprochen gut.

Die Aktionen haben alle ihre Stärken und tragen zum Punktekonto bei. Ob ich Honiggläser aktiviere, den Froschsprung häufig aktiviere oder am Wasserfall weit nach unten komme, viele Blätter sammle oder Lampions; alles hat seine Erfolgsaussichten. Vor allem der Insektenflug ist aber nicht zu unterschätzen. Gerade gegen Ende hin ist es wichtig Insekten auch noch einmal bewegen zu können; Schmetterlinge nach oben, Marienkäfer nebeneinander. Die Zahl der Runden ist sehr übersichtlich und durch das Sammeln der Gartenwerkzeuge in meinem Kübel, sehe ich auch genau, wie viele Züge ich noch Zeit habe. „Pergola“ ist schon auch ein anspruchsvolleres Spiel. Ein gehobenes Familienspiel, das mich nicht nur optisch überzeugt hat. Ein Tipp für alle Menschen, die Garten und Natur lieben.
„Pergola“
Autor: Michał Gołąb Gołębiowski und Przemek Wojtkowiak
Illustration: Karolina Kijak
Verlag: Rebel / Vertrieb: Asmodee
Für 1 – 4 Personen
Ab 10 Jahren
Dauer: 45 – 60 Minuten
Preis: 45 Euro
