
Spiele zum Thema Eisenbahn haben eine lange Tradition und sind sehr beliebt. Sei es „Dampfross“ (Spiel des Jahres 1984) oder „Zug um Zug“ (Spiel des Jahres 2004) oder „Switch & Signal“ (Empfehlungsliste Spiel des Jahres 2021). Hier werden Streckennetze gebaut, Städte verbunden und Waren transportiert. In der Tradition dieser Eisenbahnspiele steht nun auch „Railroad Tiles“. Das Spiel, das bei Heidelbär Games erschienen ist, stammt von Hjalmar Hach und Lorenzo Silva. Das kurzweilige Plättchen-Legespiel punktet mit einfachen Regeln bei gleichzeitig hohen taktischen Herausforderungen und viel Spielspaß. Gestaltet wurde das zugängliche Familienspiel von Francesco De Benedittis und Marta Tranquilli.
Wie funktioniert es?

Der Name „Railroad Tiles“ ist Programm. Wir haben Plättchen, die „Tiles“ eben, auf denen Schienen und Straßen zu sehen sind, also Rails und Roads. Diese Plättchen wollen wir so zusammenpuzzeln, dass am Ende ein Schienen und Straßennetz entsteht, das uns möglichst viele Punkte einbringt. Dafür haben wir acht Runden Zeit.
Die Vorbereitungen für eine Partie „Railroad Tiles“ sind schnell erledigt. Es gibt ein Spielbrett in Form eines Bahnhofs. Auf der linken Seite ist ein Bereich für die Spielfiguren. Die Position der Spielfiguren dort bestimmt die Zugreihenfolge. Sie werden zu Spielbeginn zufällig in diesen Bereich platziert.

Die rechte Seite des Bahnhofs bietet Platz für drei Anzeigen-Marker. Alle sieben Anzeigen-Marker werden gemischt und verdeckt auf die Turmuhr gelegt. Die Anzeigen-Marker zeigen ein blaues Auto, eine gelbe Eisenbahn oder einen roten Fahrgast. Zu Beginn der ersten Runde wird der erste Anzeigen-Marker in den Wartebereich unterhalb der Turmuhr gelegt. Dort ist er noch nicht aktiv. Erst, wenn er zu Beginn der zweiten Runde nach rechts verschoben wird, ist er nun aktiv und führt zu einer Wertung am Ende der Runde.

Unterhalb des Bahnhofs werden, abhängig von der Anzahl der Leute, die mitspielen, in vier oder fünf Spalten zufällig zwei bis fünf Strecken-Plättchen ausgelegt. Sie werden dafür aus einem Beutel gezogen. Die Strecken-Plättchen zeigen Straßen oder Gleise oder beides, meist dann verbunden durch einen kleinen Bahnhof. Manche Strecken-Plättchen zeigen auch Städte.
Nachdem wir alle zum Start ein Strecken-Plättchen und einen weißen Stern bekommen haben, geht es los. In meinem Zug lege ich meine Spielfigur zu einer Spalte, nehme mir dann alle Plättchen, die in dieser Spalte liegen und baue sie regelkonform in mein Straßen- und Schienennetz ein. Natürlich dürfen Schienen nicht an Straßen anstoßen und umgekehrt.

Auch ist es nicht erlaubt, dass Straßen oder Schienen in einer Wiese enden. Ich darf die Strecken-Plättchen beliebig drehen und auch wenden, bevor ich sie anlege. Befindet sich nun ein Anzeigen-Marker im aktiven Bereich des Bahnhofs, wird überprüft, ob ich auf den Stecken-Plättchen in meinem Streckennetz passende Symbole habe. Ist das der Fall, nehme ich mir eine entsprechende Figur aus dem allgemeinen Vorrat und platziere sie auf einem freien und passenden Symbol auf einem meiner Strecken-Plättchen.

Sollte ich kein passendes, aber ein anderes freies Symbol in meinem Streckennetz haben, kann ich einen weißen Stern abgeben, um mir die passende Figur zu dem Symbol zu holen, das ich habe. Für eine Figur, die ich platzieren kann, erhalte ich einen Punkt. Ich bekomme mehr Punkte, wenn ich mehrere gleiche Symbole über das Streckennetz passend verbunden habe und sich dort schon entsprechende Figuren befinden. Autos müssen dafür über Straßen und Züge über Schienen verbunden sein. Fahrgäste können sowohl über Straßen als auch Schienen verbunden sein. Nach der Wertung werden alle Spielfiguren entsprechend ihrer Position unterhalb des Bahnhofs wieder in den Startbereich in den Bahnhof gestellt. Für die folgende Runde werden dann die leeren Spalten unterhalb des Bahnhofs aus dem Beutel wieder zufällig mit neuen Strecken-Plättchen gefüllt. Die Spalte, die von niemandem gewählt wurde, bekommt einen weißen Stern als Bonus.

So wird über acht Runden gespielt. Die letzte Runde wird dadurch ausgelöst, dass der letzte Anzeigen-Marker den Wartebereich unterhalb der Turmuhr verlässt. Nun kommt es noch zu einer Schlusswertung. Für jede Stadt, die ich aus mindestens drei Strecken-Plättchen gebildet habe, erhalte ich fünf Punkte. Dann wird geschaut, wie groß das größte Rechteck ist, das ich, ohne eine Lücke darin zu haben, aus Strecken-Plättchen gelegt habe.

Jedes Plättchen zählt hier einen Punkt. Für weiße Sterne, die ich noch habe, erhalte ich ebenfalls noch einen Punkt. Abzüge bekomme ich dann noch für zu viele offene Enden in meinem Streckennetz. Fünf offene Enden sind in Ordnung, jedes weitere Ende, das im Nichts versandet, gibt einen Punkt Abzug. Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt.
Einschätzung

„Railroad Tiles“ ist ein angenehmes Familienspiel, das sehr einfache und klare Regeln hat. Dadurch ist es auch schnell erklärt und es kann schnell losgespielt werden. Trotzdem bietet „Railroad Tiles“ ein gutes Maß an Herausforderungen. Wichtig ist, dass ich aufmerksam bin, wenn es um die Streckenverbindungen geht. Entscheidend ist, dass ich es schaffe, die Strecken-Plättchen, die da ausliegen und die ich mir nehme, möglichst effektiv in mein Streckennetz einzubauen. Da die Plättchen aber zufällig aus dem Beutel gezogen werden, muss ich eben das Beste aus der Situation machen und auch flexibel im Ausbau meines Streckennetzes sein. Vorausschauendes Planen hilft. Aber es gibt eben auch verschiedene Dinge im Blick zu behalten. Wie bekomme ich möglichst viele Städte aus hoffentlich genau drei Plättchen hin, schließe meine Enden und habe dann auch noch die passenden Verbindungen zwischen den Figuren.

Mir gefällt, wie die neue Reihenfolge der nächsten Runde bestimmt wird. Wer nämlich die Spalte mit den meisten Strecken-Plättchen gewählt hat, kommt dafür in der nächsten Runde als letztes dran. Schön finde ich auch, dass man verschiedene Taktiken ausprobieren kann, um zu gewinnen und, dass es im Grundspiel schon eine Variante gibt, die das Spiel noch einmal anspruchsvoller macht, indem es nun auch Aufgaben zu erfüllen gilt. Auch das Solospiel hat mir gut gefallen.
Insgesamt ist „Railroad Tiles“ ist ein wirklich gutes Spiel, das man wegen seiner überschaubaren Spielzeit auch zwei oder drei Mal an einem Abend spielen kann.
„Railroad Tiles“
Autor: Hjalmar Hach und Lorenzo Silva
Illustration: Francesco De Benedittis und Marta Tranquilli
Verlag: HeidelBÄR Games
Für 1 – 4 Spieler
Ab 8 Jahren
Dauer: 45 Minuten
Preis: 35 Euro
