
Das englische Wort „Splendor“ bedeutet so viel wie Pracht oder Schönheit. Im gleichnamigen Spiel „Splendor“ geht es dann auch um glänzende und prachtvolle Edelsteine. Die sollen wir sammeln und dadurch Punkte erhalten. 2014 wurde „Splendor“ zum Spiel des Jahres nominiert. Seit mehr als zehn Jahren zählt „Splendor“ inzwischen zu den beliebtesten Spielen weltweit. Es gab bereits zwei Erweiterungen, dazu noch eine eigenständige Duel Version für zwei Personen und 2020 sogar eine Marvel-Version des Spiels von Autor Marc André, das im Verlag Space Cowboys erschienen ist. Da war es nur eine Frage der Zeit, wann es auch eine Kinderversion geben würde. Die liegt inzwischen vor und heißt „Splendor Kids“. Darin geht es nun aber nicht um wertvolle Edelsteine, die es zu sammeln gilt, sondern um Lebensmittel, die an verschiedenen Orten im Königreich „Splendor“ verteilt werden sollen.
Wie funktioniert es?

Beim ursprünglichen „Splendor“ ging es darum Edelsteine in bestimmten Kombinationen zu sammeln, um sie in Karten und damit Punkte einzutauschen. Bei „Splendor Kids“ gibt es keine Edelsteine. In der Kinderversion „Splendor Kids“ befinden wir uns vielmehr im Königreich „Splendor“. Und die Aufgabe von bis zu vier Kindern ab sechs Jahren ist es, durch „Splendor“ zu reisen, von Ort zu Ort und am Ende den Palast der Königin zu erreichen. Um das zu schaffen, müssen die Kinder Lebensmittelmarker sammeln und diese werden nun nicht in Punktekarten umgewandelt, sondern abgegeben, um Wege nutzen zu können. Also die Gemeinsamkeit beider Spiele ist das Sammeln von Dingen und Eintauschen bestimmter Kombinationen dieser gesammelten Dinge in einen Gegenwert.

Vor den Kindern liegt der Spielplan mit der Karte von „Splendor“. Auf der einen Seite stehen die Figuren der Kinder und auf der anderen Seite ist der Palast der Königin zu sehen, wo goldene Medaillen bereitliegen, um das schnellste Kind zu belohnen. Verschiedene Wege führen zum Palast, die sich auch verzweigen.
Als Zwischenstationen auf den Wegen liegen Städte und Dörfer.

Alle Kinder haben ein eigenes Tableau, auf dem sie bis zu acht Lebensmittelmarker lagern können.
Ist ein Kind am Zug, dann kann es zwischen zwei Aktionen wählen. Entweder nimmt es Lebensmittelmarker oder es bewegt seine Spielfigur. Fünf verschiedene Lebensmittel und Gold als Joker stehen grundsätzlich zur Auswahl.

Dabei darf es entweder drei verschiedene Lebensmittelmarker nehmen oder zwei Marker von einem Lebensmittel oder einen einzelnen goldenen Marker. Jedoch sind die Lebensmittelmarker nicht unbegrenzt verfügbar. Sind alle Äpfel weg, kann ich keinen mehr nehmen. Und auf dem eigenen Tableau ist ja auch nur Platz für maximal acht Marker.

Soll eine Wegstrecke zurücklegt werden, ist auf der Seite des Weges zu sehen, welche Lebensmittelmarker abzugeben sind, um diesen Weg zu beschreiten. Dann wird entweder eine Stadt oder ein Dorf erreicht. Das Dorf hat den Vorteil, dass das Kind dann gleich noch mal am Zug ist. Die Stadt gibt dagegen dauerhaft einen Lebensmittelmarker, der auch nicht abgegeben werden muss.

Ist er verwendet worden, wird er auf seine Rückseite gedreht. Er wird erst dann wieder aktiv, wenn ein neuer dauerhafter Marker hinzukommt. Gespielt wird reihum, bis ein Kind den Palast der Königin erreicht. Wobei alle gewinnen, die das dann noch in derselben Runde schaffen. Was ich gut finde, weil es den Frust in Grenzen halten kann!“.
Einschätzung

Das Material von „Splendor Kids“ sieht sehr schön aus. Es ist solide, kindgerecht und animiert zum Spielen. Das reicht von den Lebensmittelmarkern über die Spielfiguren bis hin zu dem schön gestalteten Spielbrett. Die Umsetzung vom eher abstrakten Erwachsenenspiel zum sehr plastischen und konkreten Kinderspiel finde ich sehr gelungen. Die Kinder haben eine klare Aufgabe, die sie auch verstehen und erfassen können. Ich soll von der einen Seite des Spielplans auf die andere kommen und dafür Marker sammeln und auch wieder abgeben. Was die Kinder, mit denen ich gespielt habe, sofort verstanden haben, war die Herausforderung vorausplanen zu müssen. Es reicht nicht nur bis zum nächsten Halt zu denken, sondern ich muss weiter blicken.

Was brauche ich nicht nur für den nächsten Weg, sondern auch für den, der sich dann anschließt? Welche Wahl treffe ich an Wegverzweigungen? Was kombiniert sich gut? Soll ich lieber über ein Dorf gehen oder eine Stadt. Diese kniffligen Fragen können auch Kinder im Grundschulalter schon gut bewältigen. Das Element des Wettrennens kommt bei den Kindern auch gut an und macht den Wettstreit auch sehr anschaulich. Alle können sehen, wo sie selbst und die anderen auf der Strecke stehen.

Auch die einzelnen Spielmechaniken sind gut sichtbar auf den persönliches Tableaus und dem Spielbrett zu sehen. Auch mir als Erwachsenem macht das Spiel Spaß. Daher ist es auch als Familienspiel geeignet. „Splendor Kids“ macht mit verschiedenen Elementen des Set-Collection vertraut und kann zum Einstieg in weitere Spiele aus diesem Bereich dienen. Schön finde ich auch, dass der Spielplan unterschiedlich groß zusammengebaut werden kann. So kann ich Dauer und Schwierigkeitsgrad des Spiels verändern und anpassen. Dazu kommen noch zwei Varianten, die noch andere Elemente ins Spiel bringen. Insgesamt ist „Splendor Kids“ ein richtig gutes Kinderspiel, das ich absolut empfehlen kann.
„Splendor Kids“
Autor: Marc und Catherine André
Illustration: Olivier Danchin
Verlag: Space Cowboys / Asmodee
Für 2 – 4 Spieler
Ab 6 Jahren
Dauer: 30 Minuten
Preis: 25 Euro
