The Mind

© Nürnberger Spielkarten Verlag

Es gibt Spiele, die bestechen durch ihre Ausstattung oder durch viele ausgeklügelte Spielmechaniken oder durch die neue Idee, die so vorher noch nie zu sehen war. Da werden Länder besiedelt, mit Würfeln, Karten oder Plättchen, da werden Spielfiguren eingesetzt und Eisenbahnlinien verlegt. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Und dann kommt da ein Spiel heraus, das es so vorher auch noch nicht gegeben hat, weil es all das nicht hat, was die anderen auszeichnet. Und dann wird es direkt für den Preis Spiel des Jahres nominiert: „The Mind“ von Wolfgang Warsch.

Wie funktioniert es?
„The Mind“ ist ein Kartenspiel, das aus 100 Zahlenkarten besteht. Diese Karten sind von eins bis hundert durchnummeriert. Alle Spieler sind als Team in dem Ziel vereint, diese Karten gemeinsam in der richtigen Reihenfolge abzulegen. „The Mind“ wird über mehrere Runden gespielt, die hier Level heißen. Die Anzahl der Level, die zu spielen sind, ist von der Anzahl der Spieler abhängig. Wiederum abhängig vom Level bekommen die Spieler verdeckt eine gewisse Anzahl an Zahlenkarten zugeteilt. In Level eins bekommt jeder Spieler also zufällig eine Zahlenkarte. In Level zwei gibt es zwei Karten pro Spieler usw. Die Mitspieler dürfen die Karte nicht sehen. Die Spieler schauen sich ihre Karte oder die Karten an und signalisieren durch das Heben der Hand, das sie spielbereit sind. Dann legen die Spieler nacheinander ihre Karte offen in die Mitte und das muss eben in der richtigen Reihenfolge geschehen. Die niedrigste Zahl zuerst und dann aufsteigend. Der Clou dabei: Die Spieler dürfen nicht miteinander reden. Sie dürfen auch keine Zeichen oder Signale geben und die Karten auch nicht zeigen. Stimmt die Reihenfolge, ist das Level geschafft und es geht ins nächste Level. Das Prinzip ist immer das gleiche! Wird die Reihenfolge der Karten beim Ablegen nicht eingehalten, gibt es den Verlust von Leben. Entsprechend der Anzahl der Mitspieler gibt es für das Team zu Spielbeginn zwei bis vier Lebenskarten. Ist das Leben aufgebraucht, ist das Spiel verloren. Durch das Erreichen bestimmter Level kann aber auch wieder Leben hinzugewonnen werden. Das gilt auch für Wurfsternkarten. Von diesen besonderen Aktionskarten haben die Spieler am Anfang eine Karte. Wenn sich die Spieler einig sind, dass sie einen Wurfstern einsetzen wollen, was durch das Heben einer Hand angezeigt wird, darf jeder Spieler seine Karte mit dem niedrigsten Zahlenwert ablegen. Das ist die einzige taktische Möglichkeit im Spiel. Am Ende gewinnt das Team, wenn auch das letzte Level geschafft wurde.

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Einschätzung
Bei etlichen Menschen stößt man mit „The Mind“ erst einmal auf Unverständnis. Wie soll das funktionieren, die Karten in der richtigen Reihenfolge abzulegen ohne zu kommunizieren? Es funktioniert! Und es ist total faszinierend. Es kommt darauf an, sich aufeinander einzulassen und ein Gefühl für Timing und die Mitspieler zu bekommen. Nonverbales Verständnis wird hier auf die Spitze getrieben. Aber es gehört auch Glück dazu, um ein Level zu schaffen. Es ist wohl kaum zu erahnen, ob ein Mitspieler eine 60 hat, wenn ich die 59 habe. Aber das ist eben das spielerische Element in diesem Spiel, das gar nicht wie ein Spiel wirkt. „The Mind“ ist schon fast viel mehr. Es entsteht nämlich, wenn es gut geht, ein echtes Gemeinschaftsgefühl. Die Spieler lassen sich aufeinander ein und verstehen, welchen Rythmus der Mitspieler hat. Allerdings funktioniert es nicht mit jeder Gruppe und jedem Mitspieler. Hier muss man schauen, wer sich auf „The Mind“ einlassen will. Was mich persönlich stört, sind einige esoterische Begriffe, die auf den Levelkarten auftauchen. Das hätte man sich sparen können. Wer sich nicht dran stört, für den ist „The Mind“ ein geniales Spiel. Und es ist wohl auch deshalb für das Spiel des Jahres nominiert.

„The Mind“
Autor: Wolfgang Warsch
Verlag: Nürnberger Spielkarten Verlag (NSV)
Für 2 – 4 Spieler
Ab 8 Jahren
Dauer: 20 – 40 Minuten
Preis: ca. 10 Euro

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