Caylus 1303

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Frankreich ist wohl weltweit das Land mit den meisten Burgen und Schlössern: 40.000 Stück wurden insgesamt gezählt. Eine beeindruckende Zahl. Vielleicht überrascht es dann doch nicht mehr so sehr, dass ein französischer Spieleautor ein Spiel erdacht hat, bei dem der Bau einer Burg im Zentrum steht. Mit „Caylus“ konnte William Attia 2005 den Deutschen Spielepreis gewinnen. Jetzt ist bei HUCH! eine überarbeitete Wiederauflage des Spiels unter dem Namen „Caylus 1303“ erschienen.

 

 

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Wie funktioniert es?
Bei „Caylus 1303“ übernimmt jeder der zwei bis fünf Mitspieler die Rolle eines Baumeisters, der sich am Bau der Burg von „Caylus“ beteiligt und so Prestige erlangen will. Um das zu schaffen erhält jeder Baumeister einige Häuser in seiner Spielerfarbe und farblich dazu passend Arbeiter. Einige Arbeiter stehen im sofort zur Verfügung, andere werden vorerst ins große Camp geschickt, wo sich Arbeiter von allen Spielern tummeln.

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Diese Arbeiter setzte jeder Spieler reihum über neun Runden hinweg an verschiedenen Stellen auf dem großen Spielplan ein. Dieser Spielplan zeigt eine lange und geschlängelte Straße, die sich vom Stadttor bis zur großen Baustelle der Burg zieht. Aufgereiht wie auf einer Perlenkette finden sich hier zunächst einige Startgebäude. Vier davon sind von Anfang an auf dem Plan eingezeichnet, acht weitere kommen in zufälliger Abfolge hinzu. Ein neuntes Startgebäude wird oberhalb der großen Baustelle der Burg platziert.

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Dort landet auch eines der neun Holzgebäude, die im Laufe des Spiels von den Baumeistern errichtet werden können. Zu den beiden gesellt sich auch eines von neun Steingebäuden, die ebenfalls darauf warten erbaut zu werden. Je ein Holz- und ein Steingebäude wird zudem an der dafür festgelegten Stelle der Straße platziert. Zwischen dem Holzgebäude und dem letzten Startgebäude wird dann die Figur des Vogts gestellt. Ihm kommt im Spiel eine wichtige Rolle zu. Später dazu mehr.

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Dann wählt noch jeder Spieler ein Charakterplättchen, das ihm einen besonderen Bonus bietet und jeder erhält zudem vier Rohstoffe. Dann kann es auch schon mit der ersten Runde, die, wie jede andere Runde auch, in vier Phasen aufgeteilt ist, losgehen. Die erste Phase jeder Runde ist die Planung. Der Startspieler stellt einen seiner Arbeiter auf eines der bereits vorhandenen Gebäude, um später, wenn es gut geht, dessen Effekt nutzen zu können. Dann ist der nächste Spieler am Zug und setzt nun seinerseits einen Arbeiter ein.

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Er darf ihn nun aber nicht auf ein Gebäude setzen, auf dem bereits ein Arbeiter steht. Auch ist es nicht gestattet Arbeiter auf den drei Gebäuden oberhalb der großen Baustelle einzusetzen. Wohl aber kann jeder Spieler in jeder Runde genau einen seiner Arbeiter auf die Baustelle selbst schicken, um diese dann später zu beliefern. Will oder kann ein Spieler keinen Arbeiter mehr einsetzen, dann passt er und stellt zum Zeichen dafür eines seiner Häuser auf die Gildenbrücke. Diese befindet sich ebenfalls auf der Straße; direkt nach dem vierten Startgebäude. Der Spieler, der zuerst gepasst hat, wird in der folgenden Runde neuer Startspieler. Außerdem müssen nun alle Spieler, die noch weiter Arbeiter auf ein Gebäude oder der Baustelle einsetzen wollen, dafür jeweils auch einen Arbeiter ins große Camp schicken. Haben alle Spieler gepasst, geht es in die zweite Phase: Die Aktivierung. Beginnend beim Stadttor im linken unteren Eck des Spielplans wird ein Gebäude nach dem anderen entlang der Straße aktiviert.

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Hat ein Spieler einen seiner Arbeiter auf einem Gebäuden stehen, das gerade aktiviert wird, kann der Spieler sofort den Effekt des Gebäudes nutzen. Wenn er das tut, wird der betreffende Arbeiter sofort ins große Camp geschickt. Aktiviert werden alle Gebäude bis zur aktuellen Position des Vogts. Gebäude, die jenseits des Vogts auf der Straße liegen, werden schlicht ignoriert. Arbeiter, die hier stehen, werden ohne Effekt einfach ins Camp geschickt. Also muss jeder Spieler, der auf so ein Gebäude einen Arbeiter eingesetzt hat, ein Interesse daran haben, dass der Vogt seine Position so verändert, dass die gewählten Gebäude aktiviert werden. Dafür nun dient auch die Gildenbrücke. Der erste Spieler, der hier sein Haus draufgestellt hat und dann in der Reihenfolge, wie die Spieler ihre Häuser auf die Gildenbrücke gestellt haben, darf den Vogt bis zu drei Schritte vor oder zurück bewegen. Doch für jeden dieser Schritte, muss der Spieler, der das nutzen will, einen Arbeiter ins Camp schicken. Haben alle Spieler den Vogt bewegt, geht die Aktivierung entlang der Straße weiter.

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So erhalten Spieler nun zum Beispiel durch Gebäudeeffekte Rohstoffe oder Arbeiter aus dem Camp zurück oder es ist möglich eines der Holz- oder Steingebäude zu errichten, die zu Spielbeginn zunächst zur Seite gelegt wurden. Dafür muss der Spieler natürlich auch entsprechende Rohstoffe besitzen und diese dann abgeben. Dafür erhält er aber auch sofort Prestigepunkte und darf das Gebäude durch ein eigenes Haus als seinen Besitz markieren. Sind alle Gebäude aktiviert und Effekte genutzt, geht es in die dritte Phase: Die Lieferung auf die Baustelle der Burg. Wer ein Bündel aus drei verschiedenen Rohstoffen abliefert, bekommt dafür fünf Prestige. Wer zwei Bündel liefern kann, erhält natürlich auch die doppelte Menge an Belohnung. Wer die meisten Bündel besteuert, dem wird eine Gunst gewährt. Diese Gunst ist sofort einzulösen. So kann der Effekt eines der Gebäude oberhalb der Baustelle genutzt werden. Oder man nimmt sich das Charakterplättchen eines anderen Spielers oder eines jener Charakterplättchen, die am Anfang von keinem Spieler genommen wurde. Nach der Lieferung folgt die Phase der Verwaltung. Hat ein Spieler durch einen Gebäudeeffekt eines seiner Häuser auf ein Startgebäude gestellt, wird dieses nun zu einer Residenz aufgewertet.

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Ist das Gebäude bereits aus einer vorherigen Runde eine Residenz, so kann der Spieler diese nun durch die Abgabe der passenden Rohstoffe in ein Monument verwandeln, die natürlich entsprechende Prestigepunkte einbringen. Wenig überraschend ist es der Bau der Kathedrale, der das meiste Prestige bedeutet. Anschließend können nun wieder Arbeiter aus dem Camp zurückgeholt werden. Doch es sind mitnichten so viele, wie man gerne hätte. Als Standard gibt es nur drei Arbeiter zurück. Die Effekte von Gebäuden, die ich als Spieler errichtet habe und sich in meinem Besitz befinden, können dies jedoch noch verändern. Zuletzt wird der Vogt vor das letzte Gebäude auf der Straße gestellt. Dann beginnt die nächste Runde. Wer nach neun Runden die meisten Prestigepunkte sammeln konnte, hat gewonnen.

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Einschätzung
Die Regeln und Spielabläufe von „Caylus 1303“ sind im Grunde recht schnell erklärt und verstanden. Denn der eigentliche Spielablauf passt auf vier Seiten, die mit reichlich Beispielen bebildert sind. Vier Seiten geben zudem eine genaue Erläuterung der Charakterplättchen und Gebäude und deren Effekte. Auf der Rückseite findet sich zudem eine kurze Spielübersicht. Doch so einfach wie es sich nach dem Lesen der Regeln und Abläufe anhört, ist es dann eben doch nicht. Als Spieler muss ich sehr gut aufpassen, welche Rohstoffe ich wann brauche und ob ich die überhaupt in dem Augenblick, wenn ich sie benötige schon habe, oder ob ich sie überhaupt bekommen kann. Denn andere Spieler können Gebäude blockieren, weil auf jedem Gebäude ja immer nur ein Arbeiter stehen kann. Also heißt es gut voraus zu planen und mehrere Schritte vorab im Blick zu haben. Außerdem kann „Caylus 1303“ sehr konfrontativ gespielt werden. Indem ich den Vogt so bewege, dass andere Spieler gerade keine Rohstoffe bekommen. Das kann natürlich auch auf mich selber zurückschlagen. Den veränderten Gegebenheiten muss ich dann jeweils auch meine Strategie anpassen. Entsprechend ist „Caylus 1303“ eindeutig ein Kennerspiel. Es ist für Leute, die gerne eine Strategie verfolgen, etliche Schritte vorausplanen und mehrere Dinge gleichzeitig im Blick haben können und die dann auch in der Lage sind Pläne zu ändern. Solchen Spielern macht es auch nichts aus, wenn es ein wenig länger dauert. Denn überlegen kostet eben auch mal Zeit. Aber die lohnt sich für „Caylus 1303“ zu investieren. Das Spiel hat mich absolut überzeugen können. Was auch nicht zu sehr verwundert, denn das originale Spiel „Caylus“ von 2005 wurde immerhin von der Spiel-des-Jahres-Jury im Jahre 2006 mit dem Sonderpreis „Komplexes Spiel“ ausgezeichnet und hat im selben Jahr auch den Deutschen Spielepreis erhalten. Mich hat an „Caylus 1303“ aber auch die Qualität des Materials und die große Varianz, die der Spielaufbau bietet überzeugt. So ist jedes Spiel anders. Außerdem hat das Spiel ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. „Caylus 1303“ ist für Vielspieler geeignet und für Familien, die komplexere Spiele gewohnt sind und Freude daran haben.

„Caylus“
Autor: William Attia
Verlag: Space Cowboys / Vertrieb: HUCH!
Für 2 – 5 Spieler
Ab 12 Jahren
Dauer: 60 -90 Minuten
Preis: 40 Euro

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