Ishtar – Die Gärten von Babylon

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Die hängenden Gärten von Babylon haben zu den sieben Weltwundern der Antike gezählt. Nicht ganz so großartig sind die Gärten, die die Spieler in „Ishtar – Die Gärten von Babylon“ anlegen, das im Herbst bei iello erschienen ist. Schön sind die Gärten dennoch.

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Wie funktioniert es?
Um einen Garten anlegen zu können, wird immer Wasser benötigt. Das gilt erst recht, wenn der Garten in einer trockenen Region entstehen soll, wie in Babylon. Die Spieler legen ihre Gärten deshalb rund um mehrere Brunnen an. Immer ein Brunnen befindet sich auf einem Geländeplan. Diese Geländepläne werden vor Spielbeginn beliebig zusammengesetzt. Außer den Brunnen befinden sich an etlichen Stellen auf den Geländeplänen noch Edelsteine in drei verschiedenen Farben. Ausgehend von den Brunnen legen die Spieler Gartenplättchen auf den Spielplan.

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Diese Gartenplättchen lagern in sechs Stapeln in einem Rondell neben dem Hauptspielplan. Drei verschiedene Formen stehen zur Auswahl. Rasenstücke und Blumenbeet sind auf den Gartenplättchen zu sehen. Mit einer kleinen Gießkanne zeigt der aktive Spieler an, von welchem Stapel er ein Gartenplättchen nehmen will. Dabei wird die Gießkanne im Uhrzeigersinn immer zum nächsten Stapel gezogen. Möchte ein Spieler die Gießkanne mehr als einen Schritt weiterziehen, muss er für jeden weiteren Schritt einen Edelstein bezahlen. Die Edelsteine können Spieler bekommen, wenn sie Gartenplättchen so auf die den Spielplan legen, dass sie Edelsteine überdecken. Die Edelsteine haben noch zwei weitere Funktionen.

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Mit ihrer Hilfe können die Spieler Bäume kaufen und einpflanzen, von denen immer fünf Stück in einer offenen Auslage bereitliegen. Die Bäume bringen am Ende des Spiels auch Siegpunkte. Eine weitere Funktion der Edelsteine besteht darin, dass die Spieler mit ihnen Fähigkeiten auf ihrem Spielertableau freischalten können. Zehn Fähigkeiten stehen den Spielern zur Auswahl. Um sie zu freizuschalten, werden jeweils zwei Edelsteine in beliebiger Farbe und ein entsprechendes Gartenplättchen benötigt. Einige der Gartenplättchen haben Symbole auf ihren Blumenbeeten. Legt ein Spieler ein Gartenplättchen mit einem Stern auf den Spielplan, so darf er nun eine Fähigkeit freischalten. Ein weiteres Symbol auf einem Gartenplättchen ist der Helfer. Zwei Helfer hat jeder Spieler von Anfang an zur Verfügung; zwei weitere können im Laufe des Spiels durch freigeschaltete Fähigkeiten dazu kommen. Legt ein Spieler ein Gartenplättchen mit einem Helfersymbol, so darf er einen eigenen Helfer auf das Helfersymbol des eben platzierten Gartenplättchens stellen.

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Dieses Blumenbeet gehört nun diesem Spieler. Alle Blüten in diesem Blumenbeet bringen ihm am Ende Siegpunkte ein. Durch das Anlegen weiterer Gartenplättchen kann das Blumenbeet noch vergrößert werden. Dabei ist aber darauf zu achten, dass niemals zwei Helfer gemeinsam in einem Blumenbeet stehen dürfen; wohl aber dürfen sich zwei oder mehr Helfer gemeinsam in einem Garten aufhalten. Besitzt ein Spieler am Ende des Spiels die meisten Blumenfelder (nicht Blüten) in einem Garten, dann kontrolliert er auch den Brunnen, von dem dieser Garten ausgeht. Wichtig ist dabei die Regel, dass niemals zwei Brunnen miteinander verbunden werden dürfen! Am Ende gewinnt dann, wer Brunnen kontrolliert, viele Blumen in einem Beet besitzt und Bäume gepflanzt hat.

Einschätzung
„Ishtar“ hat mich zuerst optisch überzeugt. Dabei hat vielleicht auch die Präsentation des Spiels auf der Spiel in Essen eine Rolle gespielt. Die Leute von iello hatten eine riesige Fläche in einem persischen Stil gestaltet. Mit Teppichen und niedrigen, runden Tischen und entsprechenden Sitzgelegenheiten. Sah einfach schön aus. Auch „Ishtar“ ist ein schönes Spiel! Die Ausstattung ist top. Und selbst die Unterbringung in der Spieleschachtel ist außergewöhnlich gut. Da hat sich jemand Gedanken gemacht und Mühe gegeben. Das gilt auch für das Spiel. Die Regeln sind eigentlich nicht kompliziert. Und dennoch bin ich ständig zu taktischen Entscheidungen herausgefordert, die klug getroffen sein wollen.

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Denn ein falsch gelegtes Gartenplättchen kann mir meine weiteren Pläne durchkreuzen. Mal ganz zu schweigen davon, was die Mitspieler so anstellen und womit diese mir den Weg verbauen. Die Regeln, dass zwei Brunnen nicht miteinander verbunden werden dürfen und keine zwei Helfer gemeinsam in einem Blumenbeet stehen dürfen, sorgen zudem für ziemliches Kopfzerbrechen. Da ist immer die Frage, wo ich welche Gartenplättchen sinnvoll platzieren kann? Aber gerade die Einschränkungen beim Platzieren der Gartenplättchen machen das Spiel so reizvoll. Spannend finde ich auch, dass Spieler mit unterschiedlichen Strategien zum Erfolg kommen können. Pflanze ich viele Bäume? Versuche ich Brunnen zu kontrollieren? Sammle ich Siegpunktee über Blüten oder über freigeschaltete Fähigkeiten auf meinem Tableau oder ist es ein Mix aus alldem? Möglich ist vieles. Was am Anfang manchmal einige Spieler verwirren kann, ist die Unterscheidung von Gärten und Blumenbeeten. Auch, dass ein Helfer nicht direkt am Brunnen stehen muss, um diesen zu kontrollieren, entgeht manchmal Spielern. Er muss nur im Garten stehen, der mit dem Brunnen verbunden ist. Die Verwirrung ist aber eigentlich nur in der ersten Partie da. Insgesamt ist „Ishtar – Die Gärten von Babylon“ ein sehr schönes und rundes Spiel, das in seinem Anspruch zwischen gehobenem Familienspiel und Kennerspiel liegt. Es ist für Familien mit älteren Kindern geeignet, die schon öfter ein Spiel auf den Tisch bringen. Auch für Vielspieler ist es reizvoll. Auch als Spiel für zwei Personen funktioniert es sehr gut. Im Augenblick eines meiner liebsten Spiele.

„Ishtar – Die Gärten von Babylon“
Autor: Bruno Cathala, Evan Singh
Verlag: iello / Vertrieb: Hutter
Für 2 – 4 Spieler
Ab 12 Jahren
Dauer: 45 Minuten
Preis: 35 Euro

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