Piepmatz

© Lookput Spiele

Ein englisches Sprichwort sagt: „Don‘t judge a book by it‘s cover!“ Was für Bücher gilt, das trifft auch auf Spiele zu. Manch ein Spiel erweckt durch sein Cover einen gewissen Eindruck, was sich wohl dahinter verbergen mag. Auch der Titel kann in die Irre führen. So ist es mir mit dem Spiel „Piepmatz“ von Lookout Spiele ergangen. Der Titel lässt ein Kinderspiel vermuten. Die Gestaltung des Covers ist in einem unscheinbaren Beige gehalten. Das wiederum sieht so gar nicht nach Kinderspiel aus. Wer die Schachtel öffnet, findet ein Kartenspiel vor, das mit seinen Illustrationen an ein Vogelkundebuch aus dem 19. Jahrhundert erinnert. Doch Piepmatz ist weder kindisch noch altbacken.

Wie funktioniert es?
Es ist Winter und die kleinen Singvögel des Gartens haben Hunger. Also versammelt sich eine muntere Schar aus sechs verschiedenen Vogelarten am Futterhäuschen, um dort die ausgestreuten Körner zu picken. Die Vögel kommen als Karten daher. Je zwölf Karten gibt es pro Art; aufgeteilt in Weibchen und Männchen in jeweils sechs unterschiedlichen Werten. Das Futterhäuschen wird in die Tischmitte gelegt. Je nach Spieleranzahl bilden sich zwei oder drei Reihen aus Vogelkarten, links und rechts und unterhalb des Vogelhäuschens. Vom gut gemischten Kartenstapel der Vögel wird zu Beginn an jede dieser Seiten ein Vogel gelegt.

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Sie bilden den Anfang der Reihe. Oberhalb des Futterhäuschens gibt es eine Reihe von vier Futterkarten. Diese kommen vom Stapel der Futterkarten, der am Ende dieser Reihe liegt. Diese Karten zeigen entweder ein bis drei Körner oder aber eine Krähe oder ein Eichhörnchen. Sie sind die Negativkarten im Spiel, die man tunlichst nicht haben will. Doch zu Beginn des Spiels tauchen sie noch nicht auf. Jeder Spieler erhält dann vier Vogelkarten auf die Hand, die er den Mitspielern nicht zeigen sollte. Von den restlichen Vogelkarten werden drei als Auslage aufgedeckt und der Vogelkartenstapel daneben gelegt. Dann kann es losgehen. Ist ein Spieler am Zug, so legt er eine Vogelkarte offen in eine der Reihen mit Vögeln. Nun wird überprüft: Ist der Zahlenwert des gespielten Vogels in Addition mit den Zahlenwerten aller anderen Vögel in der Reihe (außer dem ersten Vogel in der Reihe), größer als der Zahlenwert des Vogels, der vorne in dieser Reihe liegt, so wird der erste Vogel in der Reihe verdrängt. An seine Stelle rückt der Vogel, der jetzt den größten Zahlenwert aufweist. Die Vogelart spielt dabei keine Rolle. Es kommt nur auf den Zahlenwert an. Der verdrängte Vogel fliegt auf und landet in der Sammlung des Spielers, der eben den Vogel in die Reihe gespielt hat. Der Vogel liegt nun offen vor dem Spieler. Entsprechend der Differenz der Zahlenwerte der Vögel und des verdrängten Vogels nimmt sich der Spieler nun eine Karte aus der Futterreihe und legt sie verdeckt vor sich ab. Die Reihe der Futterkarten wird aufgefüllt. Hierbei können nun auch die Ärgerkarten Krähe und Eichhörnchen ins Spiel kommen. Sie werden neben die erste freie Futterkarte in die Reihe der Futterkarten gelegt.

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Wer später die entsprechende Futterkarte nimmt, muss auch die danebenliegende Ärgerkarte nehmen. Für eine Krähe muss der Spieler eine Vogelkarte aus seiner Sammlung opfern. Das Eichhörnchen frisst zwei zufällige Futterkarten. Beides nichts, was man wirklich will. Am Ende seines Zuges zieht der aktive Spieler wieder auf vier Handkarten auf. Dazu kann er zwischen den drei offen ausliegenden Karten der Auslage wählen oder aber vom verdeckten Nachziehstapel ziehen. Dann ist der nächste Spieler an der Reihe. Sollte ein Spieler einen Vogel in eine Reihe spielen, dessen Zahlenwert in Addition mit den anderen Vögeln nicht größer ist, als der Zahlenwert des Vogels vorne in der Reihe, so wird dieser nicht verdrängt und landet nicht in der Sammlung des Spieler. Der Spieler erhält auch keine Futterkarte. Aber er darf eine Vogelkarte von seiner Hand in seine Auslage spielen. Der Zahlenwert dieser Karte darf aber nicht größer sein, als der Zahlenwert des Vogels, den er in die Reihe gespielt hat. Anschließend zieht der Spieler wieder auf vier Handkarten auf.

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Das Spiel endet, wenn vom Stapel der Futterkarten keine Karten mehr gezogen werden kann. Dann wird geschaut, wer die meisten Punkte durch Futterkarten und Vogelkarten holen konnte. Denn in der Schlussabrechnung zählen alle Vogelpaare aus Weibchen und Männchen einer Vogelart in der Sammlung eines Spielers fünf Punkte. Wer die Mehrheit bei einer Vogelart besitzt, der erhält zudem auch den Punktewert aller Karten dieser Vogelart, die sich in seiner Sammlung befinden.

Einschätzung
„Piepmatz“ ist ein richtig gutes Kartenspiel, weil es trotz seiner im Grunde ganz einfachen Regeln dennoch angenehm komplex ist. Es ist nicht zu kompliziert, aber eben auch nicht simpel. Das wird erst im Laufe der ersten Partien so richtig deutlich. Da kann man entdecken, welches Potential in diesem kleinen Kartenspiel steckt. Das hat bei mir die Begeisterung für das Spiel erst richtig geweckt. Natürlich gibt es auch eine Zufallselement, da man nie weiß, welche Vogelkarten in der Auslage sind und was man auf die Hand bekommt. Und dennoch kann man versuchen Paare zu sammeln und bei Vogelarten Mehrheiten zu ergattern und es funktioniert auch. Die Ärgerkarten können ziemlich mies sein. Aber das ist die Würze in diesem Spiel.

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Nebenbei kann man übrigens auch noch die englischen und lateinischen Namen der jeweiligen Vogelart lernen! Wer also Singvögel mag und oder gute Kartenspiele, der sollte hier zugreifen. Auch, weil der Preis mit rund 15 Euro dem Spiel angemessen ist. Und die Qualität der Karten ist spitze! Nicht nur was das Artwork angeht. Wie zu Beginn bereits geschrieben sollte man sich nicht täuschen lassen! Der Titel klingt zwar nach einem Kinderspiel und die Aufmachung sieht aus, wie aus einem Vogelkundebuch des 19. Jahrhunderts (was mir persönlich sehr gefällt!), tatsächlich ist „Piepmatz“ aber ein anspruchsvolles Kartenspiel auf höchstem Niveau. Es ist damit definitiv nichts für Kinder, wohl aber für Familien und auch für Vielspieler, die ein Faible für kleine, feine Kartenspiele haben.

Piepmatz
Autor:
Matt Riddle und Ben Pinchback
Verlag:
Lookout Spiele
Für 2 –
4 Spieler
Ab
10 Jahren
Dauer: 3
0 Minuten
Preis:
ca. 15 Euro

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