Roundforest

© Piatnik

Fast jeder kennt den „Sherwood Forest“ in England – das Versteck von Robin Hood. Im Herrn der Ringe befindet sich der „Fangorn Forest“ im Herzen von Mittelerde, und ist das Zuhause von Baumbart. Aber wo bitte schön liegt der „Roundforest“? Und wer lebt dort? Die Antwort ist denkbar einfach: Der „Roundforest“ liegt auf meinem Tisch und ein guter Waldgeist wohnt darin. Das jedenfalls behauptet Pierrot, der Autor des Spiels „Roundforest“, das im Wiener Piatnik Verlag erschienen ist.

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Wie funktioniert es?
Der „Roundforest“ besteht aus insgesamt 32 achteckigen Waldfeldern (21 Waldfelder beim Spiel zu zweit), die in mehreren Reihen angeordnet sind. Auf vier dieser Waldfelder ist ein Brunnen zu sehen. Auf den restlichen Feldern liegen bunte Chips in rot, blau und gelb, die dort zufällig aus einem schwarzen Beutel gezogen und zu Spielbeginn platziert wurden. Jeder Spieler erhält eine Figur eines Wanderers, der in seinem Rucksack Gegenstände sammeln kann. Der Rucksack wird durch ein kleines Spielertableau dargestellt, von dem aus der Spieler mit seiner Figur in einer Ecke des Waldes losläuft.

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Der Rucksack bietet Platz für maximal drei Gegenstände, wovon höchstens einer ein schwerer Gegenstand sein darf. Ansonsten können noch beliebig viele Kupfer- und Silbermünzen im Rucksack verstaut werden, sowie beliebig viele goldene Äpfel. Und auf die kommt es an. Denn das Spiel gewinnt derjenige Spieler, der als erster drei goldene Äpfel sammelt und diese dem Geist des Waldes übergibt. Als Belohnung dafür gibt es einen Smaragdring. Doch nicht nur die drei goldenen Äpfel müssen gesammelt werden. Der Spieler, der bei „Roundforest“ gewinnen will, darf auch nicht in der Schuld bei einem der zahlreichen Charaktere stehen, die den Wald bewohnen und durchstreifen. Denn einige der Charaktere, auf die die Spieler treffen können, stellen den Spielern Aufgaben. Das sind Gegenstände, die die Charaktere gerne haben wollen. Gegenstände finden und Charaktere treffen, das geht im „Roundforest“, wenn man seine Spielfigur durch den Wald bewegt.

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Nach dem ersten Schritt, runter vom eigenen Rucksack, darf dieser und auch kein anderer Rucksack mehr betreten werden. Nun folgen die Spieler den Anweisungen, die jedes Waldfeld mit sich bringt. Bis zu zwei Felder weit kann ein Spieler in vertikaler oder horizontaler Richtung gehen. Auf welchen Feldern er jeweils seinen Zug beenden darf, wird durch weiße Markierungen auf dem Waldfeld angegeben, von dem er startet. Verlässt ein Spieler ein Waldfeld (außer einen Brunnen), so muss dort ein neuer Farb-Chip platziert werden. Hat ein Spieler ein neues Waldfeld erreicht, wird dieses eben betretene Feld um 90 Grad im Uhrzeigersinn gedreht. Der Zug eines Spielers darf aber niemals auf einem bereits von einem anderen Spieler besetzten Feld enden. In der Regel liegt auf dem neu erreichten Feld ein Farb-Chip.

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Ist dieser blau, darf der Spieler sich aus einem blauen Beutel zufällig ein Gegenstands-Plättchen ziehen. Dann hat der Spieler drei Möglichkeiten. Er kann das Gegenstands-Plättchen im eigenen Rucksack verstauen. Er kann das Gegenstands-Plättchen auf dem Feld liegen lassen, auf dem er soeben steht oder er kann das Gegenstands-Plättchen bei der guten Fee gegen ein anderes Gegenstands-Plättchen eintauschen. Dafür hat die gute Fee eine kleine Tafel, auf der immer neun Gegenstands-Plättchen zur Auswahl stehen. Drei davon können kostenlos getauscht werden, die anderen Gegenstands-Plättchen kosten dagegen bare Münze.

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Ist ein Tausch vollzogen worden, werden alle Gegenstands-Plättchen in der betreffenden Reihe abgeräumt und durch neue Gegenstands-Plättchen aus dem blauen Beutel aufgefüllt. Aber wofür sollte jemand überhaupt bestimmte Gegenstands-Plättchen wollen? Das liegt an den Charakteren, denen die Spieler begegnen, wenn sie ihren Zug auf einem Waldfeld mit einem roten Chip beenden. Dann wird vom Kartenstapel mit den Charakterkarten die oberste aufgedeckt. Drei verschiedene Charaktertypen gibt es.

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Die helfenden Charaktere verschaffen dem Spieler Vorteile. Sie sind oft wunschlos glücklich und allzeit zur Hilfe bereit. Das kann man von den freundlichen und feindseligen Charakteren nicht behaupten. Beiden Charaktertypen stellen Ansprüche und Aufgaben. Diese können durch die Abgabe der entsprechenden Gegenstands-Plättchen befriedigt werden. Dabei gibt es jeweils zwei Möglichkeiten: Wird nur ein Gegenstands-Plättchen abgegeben, gibt es auch nur einen Gegenstand als Gegenleistung. Werden aber zwei vom Charakter gewünschte Gegenstands-Plättchen geliefert, so erhält der Spieler als Gegenleistung einen goldenen Apfel. Schlecht ist es dann, wenn der Wunsch eines freundlichen oder feindseligen Charakters nicht sofort erfüllt werden kann. Dann steht der betreffende Spieler in der Schuld dieses Charakters und dessen Charakterkarte bleibt als Zeichen der Schuld vor dem Spieler liegen.

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Das dazugehörige Charakter-Plättchen wird auf das Waldfeld gelegt, wo die Begegnung stattgefunden hat. Die Schuld wird ein Spieler nur dann los, wenn er die geforderten Gegenstände später doch noch auftreiben kann oder er einen goldenen Apfel dafür opfert oder wenn ein anderer Spieler auf das Waldfeld mit dem betreffenden Charakter-Plättchen tritt und die gewünschten Gegenstände abgeben kann. Dann allerdings erhält auch dieser Spieler die Belohnung. Eine Schuld bei einem Charakter begleichen muss ein Spieler auf jeden Fall irgendwann einmal, sonst kann er das Spiel einfach nicht gewinnen. Gegenstands-Plättchen haben aber auch noch eine andere Funktion, als damit die Wünsche und Forderungen von Charakteren zu erfüllen.

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Betritt ein Spieler mit seiner Figur einen Brunnen, so kann er Gegenstands-Plättchen gegen Kupfermünzen eintauschen. Auch ein Tausch von Kupfermünzen in eine Silbermünze ist möglich. Und eine Silbermünze kann schließlich die gegen einen goldenen Apfel getauscht werden. Doch die Tauschkette funktioniert nicht in einem Zug, denn das Waldfeld mit dem Brunnen muss jeweils neu betreten werden, um einen Tausch möglich zu machen. Generell ist es schwierig manche Felder zu betreten. Denn ein Waldfeld mit einem dort abgelegten Gegenstands-Plättchen darf eine Figur nur betreten, wenn der eigene Rucksack nicht komplett voll ist. Und solche Waldfelder mit Gegenstands-Plättchen können auch unvermittelt entstehen; dann nämlich, wenn ein Spieler mit seiner Figur ein Waldfeld mit einem gelben Chip betritt.

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Auch dann wird aus dem blauen Beutel ein Gegenstands-Plättchen gezogen und auf ein anderes Waldfeld mit einem gelben Chip gelegt. Auch ein Waldfeld mit einem Charakterplättchen ist tabu, wenn ein Spieler nicht in der Lage ist, die Fähigkeit des Charakters zu nutzen oder dessen Wunsch zu erfüllen. Das alles in Kombination mit der Drehregel um 90 Grad nach dem Betreten eines Waldfeldes kann das Vorankommen im „Roundforest“ ganz schön beschwerlich machen. Immerhin hat jeder Spieler zu Beginn des Spiels noch zwei Kompass-Plättchen erhalten. Wer so ein Plättchen abgibt, der darf im selben Zug auch die Waldfelder betreten, die sonst nicht möglich wären. Doch das geht eben nur zwei Mal im gesamten Spiel. Wer nach all seinen Aktionen dann zuerst drei goldene Äpfel hat, nicht in der Schuld eines Charakters steht und den Geist des Waldes trifft, der gewinnt.

Einschätzung
Grundsätzlich ist „Roundforest“ ein wirklich schönes Spiel. Es hat eine Geschichte, die funktioniert. Ich wandere durch den Wald und sammle Gegenstände, vor allem natürlich die goldenen Äpfel. Das Spiel verfügt über sehr ansehnliches Material und ein ebensolches Design. Das alles sieht sehr wertig und schön aus. Und „Roundforest“ hat interessante Mechaniken. Vor allem das Drehen der Waldfelder um 90 Grad zwingt mich dazu, immer genau vorher zu überlegen, wie es für mich danach weitergehen könnte. Beim Spiel zu viert ist das allerdings tatsächlich ein schwieriges Unterfangen.

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Das alles macht „Roundforest“ zu einem attraktiven Spiel. Es hat aber eben auch viele Detailregeln, die gerne mal vergessen werden. Schon der normale Zug eines Spielers besteht aus mehreren Schritten, die alle beachtet werden müssen. Da geht gerne das Drehen des Waldfeldes vergessen! Oder habe ich das schon gemacht? Dazu kommen dann noch solche speziellen Regeln, wie das Abgeben eines goldenen Apfels, um mich von der Schuld bei einem Charakter zu befreien. Da braucht es schon zwei Partien, damit ich mich da rein finde. Als Familienspiel mit Kindern ab acht Jahre ist das meiner Meinung nach zu viel. Da müssen die Kinder schon älter sein. Dennoch ist „Roundforest“ kein schlechtes Spiel. Nur eben vom Alter her zu niedrig angesetzt. Dazu kommt der Glücksfaktor oder das Pech, wenn man partout nicht das Gegenstands-Plättchen zieht, das man unbedingt bräuchte. Und es ist kein Spiel, dass man so nebenbei spielt, dafür muss man sich zu sehr konzentrieren, um nichts zu vergessen. Warum ist dieses Waldfeld leer? Wieso liegt da kein Chip? Uns hat „Roundforest“ grundsätzlich Spaß gemacht. Spannend ist es allemal und unterhaltsam auch.

„Roundforest“
Autor: Pierrot
Verlag: Piatnik
Für 2 – 4 Spieler
Ab 8 Jahren
Dauer: 60 Minuten
Preis: 30 Euro

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