Spiel des Jahres 2020 – Pictures

© PD-Verlag

Die Wahl für das Spiel des Jahres ist in diesem Jahr auf das Spiel „Pictures“ gefallen. Erschienen ist es in dem eher kleinen Verlag PD-Spiele. Es stammt von dem Autorenehepaar Daniela und Christian Stöhr. Der Titel des Spiels ist international und auch das Spiel selbst kommt ohne Textelemente aus, weshalb es tatsächlich grenzüberschreitend gespielt werden kann.

Wie funktioniert es?
In die Tischmitte werden aus einem großen Stapel von Bildern sechzehn dieser Bilder im Raster viermal vier ausgelegt. Die einzelnen Spalten und Zeilen werden mit Buchstaben von A-D und mit Zahlen von Eins bis Vier markiert, so dass ein Koordinatenraster entsteht.

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Nun gibt es fünf Materialpakete. Jeder Spieler erhält eines dieser Pakete. Sind es weniger als vier Spieler, werden die übrigen Pakete zunächst zur Seite gelegt, sie kommen dann aber in der nächsten Runde dennoch ins Spiel. Diese Materialpakete sind erstens zwei Schnürsenkel, dann mehrere Steine und Stöcke, außerdem gibt es etliche Symbolkarten, dann kleine Holzwürfel in verschiedenen Farben, von denen immer neun verwendet werden müssen und zuletzt noch einige klassische Bauklötze. Aus einem Beutel zieht jeder Spieler geheim ein Plättchen. Auf diesem Plättchen stehen Koordinaten, die festlegen, welches Bild aus der Mitte der Spieler nun mit seinem Materialpaket in dieser Runde nachbauen soll. Haben alle Spieler geheim ein Plättchen mit Koordinaten gezogen, legen alle Spieler gleichzeitig los und bauen ihr Bild nach. Ist jeder Spieler fertig, muss nun jeder Spieler bei jedem anderen Spieler schauen, was der wohl nachgebaut hat.

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Ist er sich sicher, trägt er die entsprechenden Koordinaten unter dem Namen des Spielers auf einen Wertungsblock ein. Auch das geschieht gleichzeitig. Haben das alle gemacht, wird aufgelöst was tatsächlich nachgestellt wurde. Habe ich bei einem anderen Spieler richtig gelegen oder andere Spieler bei mir, dann gibt das Punkte, die ich mir ebenfalls auf dem Wertungsblock notiere. Sind alle Wertungen fertig, werden neue Koordinaten aus dem Beutel gezogen. Die Bilder bleiben alle liegen. Die Materialpakete werden an den jeweils nächsten Spieler weitergegeben. Die nächste Runde beginnt. So wird über fünf Runden gespielt, so dass jeder Spieler jedes Materialpaket einmal hatte. Wer am Ende die meisten Punkte hat, der hat gewonnen.

Einschätzung
Die Idee von „Pictures“ ist toll. Das Material – so einfach es sein mag – ist es auch. Die Regeln sind leicht zu verstehen und es kann schnell losgespielt werden. Dabei ist „Pictures“ ein Spiel, das einen immer wieder vor Herausforderungen stellt. Wie soll ich nur diese Felslandschaft mit zwei Schnürsenkeln abbilden? Oder das Feuerwehrauto mit Stöcken und Steinen? Knifflig. Da ist Kreativität und manchmal abstraktes Denken gefragt. Aber, so rudimentär die Gestaltung auch manchmal sein mag: Die Kunstwerke werden richtig verstanden und erkannt. Dabei ist das erstaunliche, dass manche Mitspieler sagen: „Das ist so eindeutig“.

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„Ich weiß, was das sein soll“ und dabei richtig liegen und andere haben nicht die blasseste Ahnung, was das darstellen soll, was ich da aus meinem Materialpaket auf den Tisch gezaubert habe. Natürlich schwankt der Grad der Schwierigkeit mit dem Bild, das ich zugelost bekomme und mit dem Material, das mir in dieser Runde zur Verfügung steht. Eine Rolle spielt auch, wie unterschiedlich die sechzehn Bilder sind, die da ausliegen. Sind welche dabei, die sich recht ähnlich sind, ist es natürlich viel schwieriger, weil Verwechslungsgefahr besteht. Also da kommen natürlich einige Faktoren zusammen, die es leichter oder schwerer machen. Aber letztlich geht es für mich bei „Pictures“ gar nicht so sehr ums Gewinnen. Das Spiel zieht seinen Reiz aus dem kreativen Umgang mit den vorgegebenen Möglichkeiten und Aufgaben. Die Fantasie der Mitspieler ist gefragt, ihre Vorstellungskraft. Und dann spielt auch mit rein, wie ich den anderen einschätze. Wie würde er wohl dieses Bild darstellen? Das alles zusammen macht „Pictures“ zu einem richtig guten Spiel. Es ist natürlich als Familienspiel angelegt. Aber Kinder, die mitspielen, sollten schon in der Lage sein, ein wenig abstrakt denken zu können. Das erfordert das Spiel einfach. Ansonsten ist es ein super Spiel für Erwachsene, die Freude an Kreativität und Gemeinschaft haben, denn die fördert „Pictures“ ganz nebenbei. Da „Pictures“ alles erfüllt, was die Spiel des Jahres Jury sich wünscht: Einfache Regeln, niedrige Einstiegsschwelle, hoher Aufforderungscharakter, viel Spaß am gemeinsamen Spiel mit viel Kreativität und Interaktion, ist für mich die Wahl zum Spiel des Jahres nur konsequent!

„Pictures“
Autor: Daniela und Christian Stöhr
Verlag: PD-Spiele
Für 3 – 5 Spieler
Ab 8 Jahren
Dauer: 30 Minuten
Preis: 38 Euro

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