Trollfjord

© Zoch Verlag

„Trollfjord“ heißt ein Kreuzfahrtschiff einer großen und bekannten norwegischen Reederei. Seit 2002 ist das Schiff entlang der Küste Norwegens unterwegs. Die Bewertungen des Schiffes auf entsprechenden Portalen sind recht durchwachsen. „Schön, aber ….“ Ähnlich sieht es mit dem Spiel „Trollfjord“ aus, das im Herbst beim Münchner Zoch Verlag erschienen ist.

Wie funktioniert es?
Das, was bei dem Spiel „Trollfjord“ sofort ins Auge fällt, sind ein Turm aus Holz und ein dazugehöriger Holzhammer. Die beiden bilden den Kern des Spiels! Mit dem Hammer gilt es den Turm zu traktieren, denn im Innern des Turms befinden sich 44 farbige Holzwürfel (je elf in den Farben rot, blau, gelb und weiß), die in einer bestimmten Menge aus dem Turm herauspurzeln sollen. Es dürfen nicht zu wenige sein, aber auch nicht zu viele. Wie oft ein Spieler mit dem Hammer auf den Turm schlagen darf, hängt davon ab, wie viele eigene Spielfiguren dieser Spieler um einen bestimmten von sechs kleinen Türmen auf dem Spielplan geschart hat. Dazu kommen dann noch die Figuren von Mitspielern, die beim Klopfen „helfen“ dürfen. Der große Holzturm steht dabei für den jeweiligen kleinen Turm auf dem Spielplan. Dieser zeigt eine typische norwegische Landschaft mit Bergen, Wäldern, Wiesen, Mooren, Wasser und natürlich Schneefeldern. Auf welchem Geländetyp der aktive Spieler seine Figuren einsetzen darf und wie viele, hängt davon ab, wie weit der jeweilige Spieler seine Hauptspielfigur, den großen Obertroll, auf der Bewegungsleiste gezogen hat und wo er dort gelandet ist. Waren es drei Schritte, was das Maximum ist, dürfen drei Figuren eingesetzt werden und zwar auf dem Geländetyp, auf dem der Obertroll zum Stehen gekommen ist.

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Neben den Feldern mit den Geländetypen gibt es auf der Bewegungsleiste noch Füße. Auch auf die Füße kann sich der Obertroll bewegen. Tut er das, werden entsprechend Figuren, die sich schon auf dem Spielplan befinden, bewegt. Ziel ist es möglichst viele eigene Spielfiguren um einen Turm zu scharen. Dabei sind die Regeln pingelig, denn zuerst muss ein Turm der niedrigsten Stufe gewählt werden. Erst, wenn aus ihm ein Schatz erbeutet wurde, darf ein Turm der nächsten Stufe ins Visier genommen werden. Jeder Turm ist immer von genau drei Gebieten umgeben. In jedem Gebiet liegt ein Schatz. Der Wert der Schätze variiert zwischen zehn und 28 Punkten. Hat ein Spieler in mindestens zwei Gebieten neben einem Turm der richtigen Stufe Figuren stehen, so darf er versuchen, dort einen Schatz zu heben. Und hier kommen nun der große Holzturm und der Holzhammer ins Spiel. Aus dem Turm sollten mindestens so viele Holzklötze fallen, wie der Schatz wert ist, den man gerne erhalten will. Doch Vorsicht ist geboten: Fallen zu viele Klötzchen einer Farbe heraus, wird es nichts mit dem Schatz! Die Anzahl der Schläge, die der aktive Spieler auf den Turm abgeben darf entspricht der Anzahl seiner eigenen Spielfiguren neben dem Turm, plus der Figuren von Mitspielern. Diese müssen aber auch in mindestens zwei Gebieten neben dem Turm Spielfiguren vorweisen können, sonst wird es nichts mit dem Mithelfen! Ist der aktive Spieler beim Klopfen erfolgreich, so kann er sich einen Schatz aus einem betreffenden Gebiet, in dem er Figuren stehen hat, in seinen Trollsack packen.

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Die entsprechenden Figuren wandern dann wieder in seinen Vorrat und können neu eingesetzt werden. Auch der beteiligte Mitspieler kann vom Erfolg des aktiven Spielers profitieren, auch, wenn er selbst gar nicht geklopft hat. Auch er kann dann unter Umständen einen Schatz bekommen. Hat ein Spieler an vier Türmen als aktiver Spieler Schätze eingesammelt, endet das Spiel und es werden die Punkte der Schätze zusammengezählt.

Einschätzung
Optisch und haptisch macht „Trollfjord“ echt was her und die Spielidee ist zugegeben neu. Auch das kooperative Mitklopfen und Absahnen von Siegpunkten ist ebenso originell, wie die Regel, dass dies vom aktiven Spieler nicht verhindert werden kann. Vom Spielablauf her, gefällt mir, dass immer derjenige Spieler am Zug ist, der auf der Bewegungsleiste am weitesten hinten steht. Das sorgt unter Umständen mal für Verwirrung, ist aber schnell verinnerlicht. Die Spielanleitung ist recht lang und wirkt umständlich. Das hat Gründe. Denn obwohl die Grundidee des Spiels im Prinzip einfach ist, gibt es recht viele Regeln, die es zu beachten gilt. Das ist sicher der Balance des Spieles geschuldet und letztlich ist es nicht kompliziert, wenn man sich mit den Regeln erst einmal vertraut gemacht hat.

© Zoch Verlag

Aber dennoch ist „Trollfjord“ definitiv kein Kinderspiel, obwohl es von der Aufmachung so daherkommt. Die Altersangabe ab zehn Jahren ist hier völlig korrekt. „Trollfjord“ ist ein Spiel für Familien mit Kindern ab diesem Alter, die sich gelegentlich mal zum Spielen hinsetzen und denen motorische Elemente Freude machen und die sich nicht daran stören, dass eigentlich ständig Holzwürfel aus dem Turm fallen, obwohl man es nicht will. Im Übrigen aber hält der Holzturm ziemlich was aus! Auch, wenn das zunächst viele Mitspieler bezweifeln. Es kommt nicht so sehr auf die Kraft, als vielmehr auf die richtige Technik an, um dem Turm viele Holzklötze mit nur wenigen Schlägen zu entlocken. Zugegeben, das Spiel hat seine Schwächen, aber „Trollfjord“ hat in den Gruppen, in denen ich es gespielt habe, durchaus positive Reaktionen hervorgerufen.

„Trollfjord“
Autor: Eilif Svensson, Kristian Amundsen Ostby
Verlag: Zoch
Für 2 – 4 Spieler
Ab 10 Jahren
Dauer: 45 – 60 Minuten
Preis: 30 Euro

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