Okavango

© Jumbo Spiele

Das Autorenduo Michael Kiesling und Wolfgang Kramer zählt zu den produktivsten in der Spielebranche. Seit 1997 haben die beiden insgesamt mehr als 50 Spiele zusammen veröffentlicht. Darunter auch „Tikal“ (1999) und „Torres“ (2000), die jeweils zum Spiel des Jahres gekürt wurden. Vor allem in den letzten Jahren haben die beiden die Zusammenarbeit intensiviert und solche Spiele wie „Abenteuerland“, „Porta Nigra“ und „Abluxxen“ herausgebracht. Im Herbst ist mit „Okavango“ ein weiteres Spiel aus der Feder von Kiesling und Kramer erschienen und zwar bei Jumbo Spiele.

Wie funktioniert es?
Die Aufgabe der Spieler besteht darin Tiere vom Fluss Okavango zu acht Wasserstellen und drei Flussarmen zu führen. Insgesamt gibt es elf verschiedene Tierarten, die sich in Form von Pappplättchen, da am Fluss tummeln, vom flinken Erdmännchen, über die riesige Giraffe bis zum mächtigen Löwen. Zu Spielbeginn werden dreizehn Tierplättchen aus einem Beutel gezogen und am Fluss platziert. Jeder Spieler erhält verdeckt hinter seinen Sichtschirm, sein Reservat, ebenfalls 13 Tiere. Dann wird zu jeder der acht Wasserstellen und an jeden der drei Flussarme zufällig ein Tier aus dem Beutel gelegt. Ziel ist es, Tiere aus meinem Reservat hinter meinem Sichtschirm mit Tieren an den Wasserstellen und Flussarmen auszutauschen und so Punkte zu gewinnen. Die Wasserstellen und Flussarme bieten dabei Platz für unterschiedlich viele Tiere und unterschiedlich hohe Siegpunkte.

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Beim Austauschen der Tiere gibt es folgende Regeln zu beachten: Während an den Wasserstellen immer nur Tiere derselben Art trinken dürfen, müssen die Tiere an den Flussarmen unterschiedlicher Art sein. Jede Tierart hat einen bestimmten Rang. Die Erdmännchen haben den niedrigsten Rang Eins; die Löwen den höchsten Rang Elf. Die Ranger, die im Spiel auftauchen, haben keinen Rang. Sie können als Joker für jedes Tier verwendet werden. Wenn ein Spieler Tiere mit einem höheren Rang an eine Wasserstelle führt, dann müssen es nur so viele sein, wie Tiere, die bisher dort schon waren. Ist der Rang der zur Wasserstelle geführten Tiere nicht höher, muss ihre Anzahl dafür größer sein. Wenn der Spieler diese Voraussetzungen erfüllt, dann darf er die Tiere austauschen. Die Tiere, die er wegholt, gehen in sein Reservat hinter seinen Sichtschirm und er kann sie in einer späteren Runde wiederum einsetzen. An einen Flussarm müssen die Spieler immer eine größere Zahl Tiere führen, als Tiere bisher dort waren. Zudem müssen es verschiedene Tierarten sein. Der Rang der Tiere ist dabei egal. Auch hier nimmt der Spieler die Tiere, die er am Flussarm ersetzt hinter seinen Sichtschirm.

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Hat ein Spieler Tiere an einer Wasserstelle oder einem Flussarm ausgetauscht, darf er auch neue Tiere vom Fluss hinter seinen Sichtschirm bringen. Dabei kommt es darauf an, welchen Rang die Tiere hatten, bzw. wie viele Tiere es waren, die zuvor an Wasserstelle oder Flussarm ersetzt wurden. Hat ein Spieler sie Tiere vom Fluss gewählt, werden entsprechend viele Tiere aus dem Beutel nachgezogen und an den Fluss gelegt. Schon bald ist der Beutel leer und am Fluss tauchen keine neuen Tiere auf. Da die Zahl der Felder bei den Wasserstellen und Flussarmen begrenzt ist, ist es irgendwann auch nur noch möglich schon anwesende Tiere durch Tiere mit einem höheren Rang zu ersetzen. Ist eine bestimmte Anzahl an Feldern bei den Wasserstellen besetzt, endet das Spiel.

Einschätzung
„Okavango“ hat eine plausible Spielidee und eine gute Hintergrundgeschichte. Sie hakt jedoch an der einen oder anderen Stelle. Warum verschiedene Tiere zwar nebeneinander am Flussarm trinken können, aber nicht an der Wasserstelle, ist sicher den Bedürfnissen des Spiels und seiner Abläufe geschuldet, aber ansonsten unlogisch. Das Spiel punktet bei mir mit seiner stimmungsvollen Illustration und dem hochwertigen Material. Die Spieldauer ist angenehm und angemessen kurz. Die Spielabläufe sind eigentlich auch recht einfach und eingängig. Die werden in der Spielanleitung zwar ausführlich, aber auch ein wenig umständlich erklärt, wodurch sie zunächst verwirrend wirken. Wie viele Tiere welcher Art muss ich legen, um Tiere wegnehmen zu dürfen und wie viele Tiere vom Fluss darf ich dann nachziehen?

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Da muss man sich erst reinfuchsen, was dann aber eigentlich recht schnell geht. Auch manche Formulierung ist in den Regeln nicht ganz glücklich gewählt und manche Klarstellung fehlt. Unklar bleibt zum Beispiel, wann Ranger als Joker durch passende Tiere ausgetauscht werden dürfen. Eine gewisse Schwäche entwickelt das Spiel gegen Ende. Während zu Beginn noch recht viele Handlungsmöglichkeiten auf dem Tisch liegen, wird das Austauschen der Tiere an den Wasserstellen zum Ende des Spiels recht mechanisch. Das tut der Spannung aber nicht unbedingt einen Abbruch. Denn spannend ist „Okavango“ und sehr durchdacht. Insgesamt ist „Okavango“ ein atmosphärisch starkes und handwerklich gutes, aber dann doch eher durchschnittliches Familienspiel. Interessant ist es dennoch zum Beispiel für Leute, die sich für die Thematik Afrika und Tiere interessieren.

„Okavango“
Autor: Michael Kiesling und Wolfgang Kramer
Verlag: Jumbo Spiele
Für 2 – 4 Spieler
Ab 10 Jahren
Dauer: 45 Minuten
Preis: 35 Euro

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