Silver Amulett

© Ravensburger

Das Spiel „Werwölfe“ von Ted Alspach zählt zu den modernen Klassikern unter den Gesellschaftsspielen. Kein Wunder, das auf dem beliebten und erfolgreichen Thema weitere Spiele aufbauen. So ist im vergangenen Jahr „Werwörter“ ebenfalls von Ted Alspach für die Auszeichnung Spiel des Jahres nominiert gewesen. Der jüngste Ableger ist im Frühjahr bei Ravensburger erschienen und heißt „Silver Amulett“. Wieder geht es darum, als Bürgermeister das eigene Dorf vor den Werwölfen zu beschützen. Doch das Spielprinzip unterscheidet sich deutlich von den Vorgängern, denn diesmal müssen nicht etwa Werwölfe ausgemacht werden.

Wie funktioniert es?
Bei „Silver Amulett“ werden die zu schützenden Dorfbewohner durch Charakter-Karten dargestellt. Jede Charakter-Karte hat einen Punktewert zwischen 0 und 13 und eine Fähigkeit. Ziel des Spiels ist es am Ende eines Durchgangs möglichst Charakterkarten mit wenigen Punkten vor sich liegen zu haben. Dann ist das Dorf sicher. Denn die Werwölfe greifen vor allem jene Dorfbewohner an, die hohe Punktewerte aufweisen. Gespielt wird „Silver Amulett“ über vier Durchgänge.

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Zu Beginn jedes Durchgangs werden alle 52 Charakter-Karten gemischt. Jeder Spieler erhält verdeckt fünf Charakter-Karten, die er sich zunächst nicht anschaut und verdeckt in einer Reihe vor sich auslegt. Nun darf sich jeder Spieler geheim zwei seiner Karten anschauen. Vom Nachziehstapel wird die oberste Karte aufgedeckt. Sie bildet die erste Karte des Ablagestapels. Anschließend wird reihum gespielt. Ist ein Spieler am Zug, darf er entweder eine Charakter-Karte vom Nachziehstapel nehmen, geheim anschauen und verdeckt gegen eine Karte in seinem Dorf tauschen, die er dann offen auf den Ablagestapel legt. Er kann sich auch dafür entscheiden die vom Nachziehstapel gezogene Charakter-Karte auf den Ablagestapel abzuwerfen und ihre Fähigkeit zu nutzen. Diese kann zum Beispiel darin bestehen, einem anderen Spieler eine Charakter-Karte zu klauen und ihm dafür eine eigene zu geben.

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Die Charakter-Karte vom Nachziehstapel kann auch abgeworfen werden, ohne ihre Fähigkeit zu nutzen. Alternativ kann der Spieler aber auch die oberste Charakter-Karte vom Ablagestapel nehmen und dann offen gegen eine Charakter-Karte in seinem Dorf tauschen. Manche Karten entfalten ihre Wirkung nämlich nur, wenn sie offen im eigenen Dorf liegen. In der Regel tauscht ein Spieler also immer eine Charakter-Karte vom Nachziehstapel oder Ablagestapel gegen genau eine Charakter-Karte aus dem eigenen Dorf. Doch es gibt auch die Möglichkeit mehrere eigene Charakter-Karten aus dem Dorf loszuwerden. Das geht dann, wenn die Charakter-Karten, die der Spieler abgeben will die gleiche Punktzahl aufweisen. So kann ein Spieler eben auch zwei oder drei Charakter-Karten auf einmal loswerden, was seinen Punktestand beträchtlich reduzieren kann. Dass ein Spieler weniger als fünf Charakter-Karten im eigenen Dorf hat, ist auch eine von drei möglichen Voraussetzungen, wie ein Durchgang enden kann. Hat ein Spieler entsprechend wenige Karten, kann er die Abrechnung ausrufen. Die anderen Spieler führen die Runde noch zu Ende. Ein Durchgang endet auch, wenn die beiden Charakter-Karten mit dem Punktwert Null offen in Dörfern ausliegen oder wenn der Nachziehstapel aufgebraucht ist. Ist ein Durchgang zu Ende werden alle noch verdeckten Charakter-Karten in Dörfern aufgedeckt.

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Die Punktewerte der Charakter-Karten in seinem Dorf addiert nun jeder Spieler. Die Summe wird notiert. Hat der Spieler, die die Abrechnung ausgerufen hat die kleinste Summe, erhält er das „Silver Amulett“. Damit kann er im nächsten Durchgang eine seiner Charakter-Karten in seinem Dorf schützen und vor dem Zugriff durch andere Spieler bewahren. Für den nächsten Durchgang werden wieder alle Charakter-Karten gemischt und neu verteilt. Nach vier Durchgängen gewinnt der Spieler mit den wenigsten Punkten.

Einschätzung
„Silver Amulett“ hat viel Interaktion und bietet durchaus die Möglichkeit die Mitspieler zu ärgern. Ansonsten erfordert es ein recht hohes Maß an Erinnerungsvermögen. Welche Charakter-Karte liegt wo? Das sollte ich als Spieler zumindest für mein eigenes Dorf wissen. Besser noch sollte ich mir auch merken können, wo welche Charakter-Karten bei meinen Mitspielern liegen.

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Wichtig ist es deshalb möglichst schnell in Erfahrung zu bringen, welche Charakter-Karten ich wo in meinem Dorf habe. Das hilft dabei möglichst viele eigene Charakter-Karten auf einmal loszuwerden. Offene Charakter-Karten im eigenen Dorf zu haben, kann auch in dieser Hinsicht Vorteile haben. Es weckt aber auch Begehrlichkeiten bei den Mitspielern. Also heißt es gute Charakter-Karten zu beschützen. Das macht deutlich: „Silver Amulett“  ist auch sehr taktisch. Besonders wenn es darum geht, mir darüber im Klaren zu sein, was ich am Sinnvollsten mit den Charakter-Karten mache, die mir jeweils zur Verfügung stehen? Das sind ja im Grunde immer nur ganz wenige: Fünf im eigenen Dorf und dann eine Charakter-Karte vom Nachziehstapel oder Ablagestapel. Oft ist es entscheidend, welche Charakter-Karte ich vom Nachziehstapel ziehe und was ich dann damit mache. Charakter-Karten mit hohen Punktewerten haben oft eine starke Fähigkeit, wenn ich sie abwerfe. Charakter-Karten mit niedrigen Punktewerten wirken oft erst, wenn sie offen in meinem Dorf liegen – und das muss ich erst einmal schaffen.

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Das Glück beim Ziehen von Karten ist natürlich nicht unerheblich, aber ist insgesamt nicht zu dominant. Die taktische Komponente steht eindeutig im Vordergrund. Eine coole moderne Grafik und eine ausführliche Spielanleitung, die auch die Funktion jeder einzelnen Charakter-Karte erklärt rundet das Bild ab. Insgesamt ist „Silver Amulett“ ein interessantes und kurzweiliges Familienspiel. Man kann das Spiel auch zu zweit spielen – so richtig gut ist das jedoch nicht. Erst mit drei oder vier Spielern macht es richtig Spaß. Mit den anderen „Werwolfspielen“ hat „Silver Amulett“ eigentlich nur den Autor und die Hintergrundgeschichte gemeinsam, sonst nichts. Und auch die Hintergrundgeschichte wirkt ein wenig konstruiert. Sie wäre auch gar nicht nötig, denn „Silver Amulett“ funktioniert auch so sehr gut.

„Silver Amulett“
Autor: Ted Alspach
Verlag: Ravensburger
Für 2 – 4 Spieler
Ab 10 Jahren
Dauer: 45 Minuten
Preis: 10 Euro

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